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Sonntag, 15. Januar 2012

Von G e n e r a t i v i t ä t e n




Von "Maroländern",

„Völker-hört-die-Signale“,

von Ausdrucken und Büchern,

von den Festivitäten der Kassenärzte ...
... in der Rede des Dichters Nonnenmann ...
... aliss Dr. Wambach

– und von „Emil dem Detektiven“
[in memoriam et fulmen in clausula Erich Kästner]



"Manroländer" klingt recht exotisch - als eine Gruppe völlig unbekannter Südseeinselchen z.B.

Dass mit den "Maroländern" [s. meinen Beitrag für "kompetenzteam" als Antonym] in der Druckmaschinenherstellung eine recht große Firmengruppe Pleite geht, zeigt einen Quantensprung in der Medienwelt an, eine verspätete Angleichung oder eine Vorwegnahme zukünftiger Entwicklung in der Medienbranche... - auf jeden Fall platzt hier eine Fehlentwicklung auf.
Im Verlags- und Buchhandlung wird sich noch etwas Ähnliches ereignen: Jeder, der will, kann von zu Hause aus, mit seinem Rechner, irgendwo sein Corpus scriptum, pardon: Buch [einen Buch-Ausdruck on demand] veranlassen.

Wer das als Produkt liest, wenn er Buchhandel das Erzeugt-werden-Wollende oder –Sollende nicht vor- und aussortiert, bleibt ein Geheimnis derer, die Ihr Innenleben als Manuskrikt*], egal, wie lebendig oder mitteilenswert es ist, gedruckt sehen wollen.


Bildzugabe aus dem Bereich des FaktPolitKampfs in markigen Begriffen (
„Politiker, hört die Signale…)

*] Manuskrikt = Komposition (Kontamination, Wortkreuzung, Wortmischung, Wortverschmelzung oder nominale Kollision zweier Grundwörter) aus Manuskript und Penedikt; vgl. das hoch-hehr-coole Gedicht von Klaus Nonnenmann, dem selig verstorbenen Poeten.

Gebet bei Tische

Rühr um, rühr um
O Benedikt
Und sieh, was Gott
Vom Himmel schickt:

Ein Manuskrikt!

O Penedikt,
Rühr es nicht an,
Denn sieh: was Gott
Vom Himmel schickt

Ist schon getan.

Klaus Nonnemann ist einer meiner Lieblings-Dichter; er beehrt mich alljährlich frühjährlich mit einem Werkchen, indem ich z. B. seinen Jungfern-Roman lese und in mich einsauge (als eine intentionale Zugabe auf der vorletzten Stufe) in der Krise zwischen der "Generativität vs. Selbstabkapselung" (45 bis 65 Jahre), in der Terminologie nach Erik H. [mit Fug und Recht: „Homburger“, ist sein zweiter Vorname] Erikson):

Siehe da, zähl deine Jahre ... und - tolle et lege:

„Die sieben Briefe des Doktor Wambach“. Olten 1959.


Auf der Buchklappe einer Neuauflage (Klöpfer und Meyer Verlag, Tübingen 2001) zu lesen:
"Denn allerorts ist man sich einig in der Erkenntnis, dass keinerlei Aussicht besteht, sterben zu dürfen, bevor man nicht gelebt hat."

Obervertrauensarzt Dr. Hubertus Wambach, achtzigjähriger Ruheständler, geht Tag für Tag nur noch seinen ganz privaten Neigungen nach. Da ist kein Hoch mehr, da ist kein Tief mehr. Aber am Ende seiner Tage, ganz überraschend, begegnet er nochmals dem Leben: Ise, das fünfjährige Mädchen aus der Nachbarschaft verliert ihre Rapunzel, die Lieblingspuppe. Ganz so wie vor Jahren Dr. Wambach seine geliebte Frau verlor. In Ises Trauer und Verzweiflung erlebt der alte Mann nochmals seine eigene, er leidet mit, er tröstet, wird Ises Beschützer und Vertrauter. Er schreibt, er fingiert sieben "Trostbriefe" der Puppe Rapunzel an Ise, die Puppenmutter...
Aber das Glanzstück des Kurzromans ist die Rede, die der Obervertrauensarzt Dr. Wambach als letzte Lebensregung auf dem [vulgo:] Kongress der Obervertrauensärzte [in titulo: „Dem Fünfzehnten Kassenärztlichen Hauptkongress] hält: „Emil und die doppelte Verantwortung“.

Diese Rede jedoch darf nie abgeschrieben, oder kopiert oder im copy & paste-Verfahren [Klauen und Einschmieren] multipliziert werden; man darf sie nur in extenso [scilicet „in congresso“] erlebt werden; ohne dass ein Zuhörer „in Hochachtung er-, pardon: versterben“ muss.


Erinnern Sie sich [momento mori] des „Emils und der Detektive“[casus-gerecht zitiert!] und Sie werden den Zentralsatz der Rede schon hören, lange bevor er ausgesprochen wird: „Emils Leben vom Kaiserschnitt zur Auszahlung der Sterbegelder – welch eine kassenärztliche Belastung.“

[Ja, als es noch Kassenärzte gab; die kein Praxis-populus aut Obulus abkassieren mussten. Oh, lapsus memoriae aut linguae!]


Und späterhin, ad finem vitae, werden Sie sich ipso facto et interim eines eigenen „Emils“ nicht schämen ante mortem, wenn sie ihn sich erstrebt, erarbeitete oder [sozusagen: nur] ersehnt haben.


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