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Samstag, 7. Januar 2012

Im I n t e r n a t
















Collegium Ludgerianum in Münster

Das erste Internat


- Dokumentarische Erzählung -


Woher sie kamen

"Unsere Jungens! Kämpft, Ihr Jungs. Kämpft! Das ist unsere Chance für euch!!“


Aus dem Bistum wurden sie hierher geschickt, ob vom Niederrhein oder vom hohen Oldenbourgischen, och: Vechta: Bereitwillige und Begabte aus den ländlichen Pfarreien, von den freudig gebenden Müttern geschickt, den blassen und arbeitsamen Vätern verabschiedet; schon richtig, was Mutter tut; zu den Ehren der Altäre entläßt sie gerne ihren Sohn. Dort hielten die Pfarrer und Kapläne noch Religionsunterricht, dort kannten sie noch ihre knienden, betenden Pappenheimer, ihre Eltern und die Lehrer, die sonntags Aufsicht führten, zur Kindermesszeit, 8,45 Uhr, reihenweise sitzt der altersgenormte, leistungswillige Volksschulkader, getrennt nach Geschlechtern, die nicht erkennbar sein sollen, da weiß man, da kann man noch erzieherisch eingreifen. Da wird noch an den Haaren gezogen und in den Nacken gestupst, wenn ein Fräulein den Eindruck hat, da hört jemand in der Predigt dem Pastor zu.



Noch zu Hause

In den hundertsten Klassen der Volksschule wird erzogen, die Mädchen mit spitzzüngiger Feinheit und fleißig Handarbeit überwacht von den fleißig hakennasigen Fräuleins; die Jungen zu guten Diktatschreibern - Nachschriften nannte der Rektor die Texte - Aufsätze wurden geübt nach erlebnisreichen Überschriften: Pech gehabt! Wir warten auf Weihnachten. Unser Ausflug zur Wilhelm-Tell-Aufführung in der Freilichtbühne. Chancen für Silberblick-Schreiber.
Da werden noch Jungen geschlagen mit einer Gerte, die der Rektor in einer Strafzeremonie aus seinem Zimmer geholt wird. Der dicke Schlüsselbund fliegt schon mal durch die Klasse, bis zur letzten Bank, Treffer!

Aber die Kinder! Sie lernen doch – jawoll, auswendig, jawoll, Herr Rektor!


Und jetzt


In M., im Schatten des Doms, im Kreis des Hirtenstabes des Bischofs


Und er vergaß, was ihn an den Niederrhein erinnerte. Er tauchte ein in eine zweite Welt: rotbackige Gebäude, helle Zimmer, freundliche Säle, hilfsbereite Kameraden, wohl achtzig, viele witzig, freundliche, ehrlich, offen. Über ihnen der Präses, ein Genie der Freundlichkeit, der klaren Worte und des prägnanten Gebets!

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