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Mittwoch, 2. November 2011

K o n t r a - fakturen I

Von einem der auszog, NEIN sagen zu lernen:

Wenn ich etwas Besonderes schreiben will, greife ich nach meinem edelsten Kugelschreiber, der mich bisher noch nicht verließ; dann schreibt er mit mir:

“Ich kann nicht anders.”1]

Oder: „I would prefer not to.”2]

Oder: “I am not convinced.“3]


Da lasse ich mir die Fußnoten zeigen:

1] “Hier stehe ich, ich kann nicht anders, Gott helfe mir, Amen.“ So wurden Luthers Worte am Ende seiner Rede auf dem Reichstag 1521 in Worms überliefert.

2] Herman Melville (1819–1891):Bartleby, the Scrivener: A Story of Wall-street” (1853).

3] Joschka Fischer: I am not convinced. Der Irak-Krieg und die rot-grünen Jahre. Köln 2011.


Aber mein Schreiber will weiter und kümmert sich um kein NEIN-Sagen.

Er schreibt:
„Frau Merkel stand am Eismeer.“

Vom ZEIT-Leser Helmut Schnitzspan, Seeheim-Jugenheim. Von "Zeit der Leser"-Redaktion 2. November 2011 um 10:00 Uhr online gestellt:

(Nach Heinrich Heines»Das Fräulein stand am Meere«)

Frau Merkel stand am Eismeer
Und seufzte lang und bang:
»Ich sehe hier kein Eis mehr.
Wo ist das hingegang’?«

»Frau Merkel! Kein Geziere!
Das ist ein altes Stück;
Tun Sie fürs Klima das Ihre,
Dann kehrt das Eis zurück.«

*

Wer kennt es (pardon: sie nicht) das Fräulein:

Heinrich Heine:

Das Fräulein stand am Meere

Das Fräulein stand am Meere
Und seufzte lang und bang,
Es rührte sie so sehre
Der Sonnenuntergang.

"Mein Fräulein! Sein Sie munter,
Das ist ein altes Stück;
Hier vorne geht sie unter
Und kehrt von hinten zurück."

Hinweise zu Reflexion und Interpretation:



Als Nachtrag erscheint noch:

Ich tu nichts, woran ich mich nicht gerne erinnern mag.

In der deutschen Übersetzung von Elisabeth Schnack: „Ich möchte lieber nicht“. H.M.: Bartleby, der Schreibgehilfe. Eine Geschichte aus der Wallstreet. Zürich: Manesse Verlag 19957.

Für weitere Deutungsfragen des Schreibers Bartleby steht zur Verfügung:


Online: eine Übertragung der Melville-Novelette, ohne Angabe des Übersetzers:

P. S.:

Dieser Eintrag eröffnet eine Abfolge von Kontrafakturen und Parodien.

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