Montag, 30. September 2024

H e i m ins ... - ihr I d i o t e n!

 

Kann man das reparieren ...- ihr Idioten?

Björn H. -

sitzt am Schrei-Tisch, der ihm finanziert wird von der öst-, äh, äh: öffentlichen Hand.

Liest & spricht: angeregt:

Später hieß es "Heim ins Reich", und am 13. Januar 1935 entschieden sich 

neunzig Prozent der Saarländer für die Rückgliederung.

Na, das weiss jeder G'schichts-Lehrer. Das kann mir keiner nehmen. - Aber „das Reich“ - wie steht es darum:

Da ist ja so verseucht: Kann ich – äh: ich das reraparieren?

Ist das Latein?

Das soll mein Stellvertreter eru-äh. -ihren! HaHeim

HaHeim] Hannes Obermair: Großdeutschland ruft!“ Südtiroler NS-Optionspropaganda und völkische Sozialisation – „La Grande Germania chiamaǃ“ La propaganda nazionalsocialista sulle Opzioni in Alto Adige e la socializzazione ‚völkisch‘. Südtiroler Landesmuseum für Kultur- und Landesgeschichte, Schloss Tirol 2021. ISBN 978-88-95523-36-1, S. 26 u. 47. - Ein K#ndken, ein Büble; es strahlt die Sonne an, unseren Sieg!



Story vom M a g i s t e r - DaSein

 


Alle meine  H e i k e s


-- Story -


Vier Heikes - alle in einem Schuljahr, in einem ordentlichen Schulviertel, in einer Klasse, in einem Notenbüchlein, dem damalig nachdrücklich, sparkassengesponsort roten! Aber sie waren so grundverschieden: die rote Heike - wie Paprika! Die doofe (siehe Versetzungprotokoll!) Heike (heiratete ein freigezogenes Eigenheim samt Turnlehrer); die gemütliche Heike (schickte mir später ihre Jungen in die Orientierungsstufe) - und ach, die vierte, also eigentlich die allererste, die liest angeblich meine Glossen (hat mir ihr Anwalt vorsorglich mitgeteilt.)

Die Petras lachten am bestienmäßig schönsten, wenn ich über die Ersatz-Toilettenpapierrolle auf der selbstgezimmerten Ablage meiner Renn-Ente dozierte - und von ihrer vermutlich analen und/oder genitalen Funktion schwärmte. (Die - im Sechserpack von aldi - waren nur in Verbindung mit einer 2,5 Literflasche Lambrusco, Roggen- Baguette, samt Präservativ im BUKO, und eines Picknickkorbs, verzehrbar.

Den Ni-co-les konnte ich motivational am schönsten alljährlich am 6. Dezember beikommen, wenn ihre Ableitung von den Klausi-Jungs, nämlich den Nikoläusen, in der Bankreihe am Fenster deklinierte - oder heißt das etymologisieren? Arno Schmidtchens Etym-Theorie war den Kleinen (Dativ, Plural, Femininum) da nicht zumutbar...

Und Alexander. Und die Ro-gers; die Dschanines - geschenkt! Kultur oder annersrum, rutluk!

Aber dann wurde es bitter- als meine älteste Tochter in den Kindergarten, später in die Grundschule - und auch das noch, als sie in die erste Klasse des Altsprachlichen Gymnasiums - In allen Sozialeinheiten entdeckten wir: Kathrins (mit oder ohne th - egal!) die gab's damals wie Heilige Katharinas im Ba-Rockzeitalter, als es enthaltsamen Geistlichen als luststeigernd galt, Jungfrauenfleisch für den Himmel hinrichtend zu rösten, sengen, dörren, grillen - etcetera-pepe.

Sandy! Mandy! Randy! Candy (auch noch: Tandy, Pandy, Shandy?) - diesen amerikanisierten Feminal-Nonsense - so belehrte uns Wiglaf Droste - bescherte uns das (fast lebenslange) Reiseverbot für mallorca-süchtige, ostdeutsche Eltern: DDR-Standard (später nie mehr erreicht!)

Hannelörchen - aber noch toller: Davida - so meine Favoritin - war eine Deividä! So korri-gierte mich das Jungmädchen an, als ich es laut neuester Klassenliste (zum Schuljahr 1999/98) aufrief. "Ich bin eine Sie...!"

Wie, bitte? Nein. Ein Barabas ist noch nicht vor meinem Pult gelandet. Da könne ich nimmer den Pilatus spielen. Ich hätte ihn auf Kosten der Schill-Partei in eine Umbenennungslager einliefern lassen. - Nein, auch keinen Paul Johannes Paul III. Ohne meinen Schutzengel nicht!

Nomis? Know You catwalk-girls like Nomis in Your classes? No, thanks! Aber vielleicht schon solche Namen (variabel wie Schall und Rauch) Hysteria? Anorexia? Neurosa? Nein? Und Máxima?

Ja? Oder Maxíma? Maxima neurosa anorexia, ja, schon echt&historisch. Wie im alten Rom. Überliefert ist der Begriff anorexia schon aus dem Jahre 89, späte Kaiserzeit.

Orgien...! Verfall...! Nach Christus?

Mhm! Irgendwie müssen sich die Eßsitten (Kapitel aus "Werte und Normen und Grenzen setzen!") schon damals vom Familientisch emanzipiert haben...

Du meinst "mensa"? Und da...?

Wär 'ne eigene Religion wert, wieder den Tisch, die Sitten und die Speisen und die angestrebte und vorgelebte Ordnung und die Erziehung und das Rollenspiel mit Eltern, Geschwistern und Personal - jetzt fehlt mir ein Verb!

Irgendwas mit Opferen?

Kultivieren?

Oder: einbläuen, meinste das?

Na, sag ich mal: einbläueln!

Und was wolltst du zu Hannelore sagen?

Und nix mehr mit Helle, Hannelörchen. Und Peterle und das dritte Sowiesomännle!

Meinste, alle Namen verbieten, inkriminieren?

Oder sie als katholische Heilige konsekrieren.

Falscher Fachbegriff! Sind aber nicht evangelisch! Und dann mit Vorrecht auf 'ne Dom-Oper?

In unser aller Öhrchen - Lörchen - so darf nur noch ein depressives Femininum genannt werden, mit Anrecht auf Rückkehrrecht, in die Familie der .

Wass'ndas?

Maulwürfe. Charons Unterwelt

Und das mit eine Übermenge Morphinderivaten, die für die öffentlich ausgewiesene Erkrankung keine Therapiemöglichkeiten bietet. Eben nur zur suicidalen Regression in die schwarze Vorwelt.


P.S.:

Sie glauben, die Schuljahresnummer muss annersrum lauten....? Dachte ich auch, bis ich hinter dem Düsseldorfer Hauptbahnhof Deividä wiedertraf: 99 - 98 - 99.


S t o r y

Story :
ANTON STEPHAN REY-

10 b – donnerstags, 4. Stunde: Religion

„Okay! Alles klar? W i e  denn? 
Äh: Noch Fragen? Ich fasse zusammen: Diese Erfahrung kostete also? Bärbel, gehst du mal an die Tafel? Schreib' bitte untereinander:
1. Einsatz des Notarztwagens: 487 DM
2. Krankenhausrechnung: 656 DM
3. Arztrechnung (privat!): 368 DM."
Aus der Klasse: "Boah, boahey, ist das aber alles teuer!" - "Was die Ärzte da dran verdienen!"
Die Lehrerin bittet: "Zieh mal einen Strich darunter, bitte. Das macht zusammen?"
Bärbel rechnet laut: "1511 DM."
*
Frau Steinberg hatte von einer Studentin erzählt, die eingeladen war bei neuen Freunden, die einen netten Nachmittag, na, seien wir ehrlich: eine kleine Haschparty, organisiert hatten, an der Uni GÖ, wo sie fürs erste Semester Musik und katholische Theologie eingestiegen war.
Es gab dreimal was zu probieren, Hasch als Joint, als Plätzchen und im Tee.
Da war es um die Studentin geschehen. Ob sie zu viel geknabbert hatte, oder ob es ihr aus irgendeinem anderen Grund schlecht erging - ihr wurde schrecklich übel, sie fiel sogar in Ohnmacht; ihr Pulsschlag war ganz schwach, der Kreislauf ging in die Knie, und Krämpfe schüttelten ihren Körper. Sie war nicht mehr ansprechbar, und auch die erfahrenen Hasch-Hasen wußten nicht mehr weiter, als dumm kucken und abwarten.
Eine Freundin verließ sich nicht auf die Ratschläge "Abwarten! Tee trinken! Wird schon!", sondern rief den Notarztwagen an. Und die junge Frau wurde sofort ins Krankenhaus eingeliefert. Nach dem Auspumpen des Magens war sie außer Gefahr, und dann stabilisierte sich ihr Kreislauf, und am übernächsten Tag wurde sie entlassen.
Vor ihren Eltern hielt sie dieses Abenteuer geheim; sie wohnte ja auch in einer anderen Stadt - bis die Rechnungen per Post zu Hause bei den Alten eintrafen, und die Mutter sich ans Telefon hängte und die Tochter darüber befragte...
*
Gedacht war die Stunde so: Die Diskussion war eröffnet: Stichworte genug: Alltagsdrogen, neue Drogen, Drogenmonopol der arrivierten Bürger: Saufen und Rauchen und wieder Saufen, egal auf der Kirchweih, bei der Erstkommunion, am Kolpingsabend oder bei der Ausländerhatz! Kriminalisierung. Und psychische und materielle Verelendung der Drogennutzer. Beschaffungskriminalität. Todesraten bei harten Drogen... Da steht vieles auf der Kippe.

*

Einer formuliert was, da staunen alle: „Frau Steinberg, haben Sie schon je davon gehört, dass einige Haschbrüderlein während oder nach ihrem Drogenkonsum auf die Straßen gezogen sind und dort Ausländer oder Berber aufgeklatscht haben?“
„Was willst du damit sagen, Jens?“
„Ja, schauen Sie doch mal in die Nachrichten: Das sind Idioten, die sich voll saufen und dann durch die Straßen ziehen und vom Pöbelvolk noch Beifall kriegen oder zumindest heimliche Bewunderung.“
Da, ein Finger noch.
"Ja, Anke?" - "Ich würde nichts dafür bezahlen!"
"Wofür?" - "Für alles, den ganzen Aufwand mit den Kosten da im Krankenhaus." - "Ja, weil deine Eltern es ja bezahlen müssen. Übrigens wohl nicht die Krankenkasse! Ich weiß nicht, ob die dafür aufkommt.
"Nein, ich mein es anders: Ich würde einen falschen Namen angeben im Krankenhaus."
(23 mal): “Boah ey!“
"Aber du wärst ja besinnungslos gewesen."
"Die anderen hätten mich eben mit einem falschen Namen ins Krankenhaus einliefern lassen müssen. So viel Solidarität muss sein, beim Haschvölkchen."
Kichern in der Klasse.
"Und du wärst am nächsten Tag von dort aus verschwunden, so mir nichts, dir nichts? Und hättest dich gefreut: Sollen die Mediziner doch selbst für ihre Kosten aufkommen?"
"Na ja, weiß nicht mehr so recht!"
"Und denk mal weiter: Von wo ist der Notarztwagen denn abgefahren, mit dir Schlaumeier auf der Trage?"
"Mhm. Stimmt: Die würden natürlich dort nachfragen, wo der Einsatz erfolgte."
"Und so weiter, Mädchen! So klappt es also nicht."
*
Noch fünf Minuten? Was nun? Na - Ergebnissicherung! "Wer formuliert nun mal, was wir heute in einem besonderen Aufklärungs- und Mathestündchen gelernt haben? Tabea, ja, du, bitte? – Oder? Du hast grade keine Zeit? – Na, dann Selma, und du?"
Selma: "Vier Haschplätzchen kosten 1511 DM."
Markus: "Können kosten!"
"Könner -" (Leise:) "Halt Klappe, Tommy!"
"Und Peter? Was meinst du?"
"Nicht jeder verträgt Hasch."
Pietro: "Man musset es eben probieren!"
Lachen! Querdurch!
"Plus was noch? Ja, Heike? Was kommt noch hinzu?"
"Der Ärger mit den Eltern. Unangenehme Gespräche über Rechnungen!"
"Und in der Religionsstunde: Rechenaufgaben!"
"Ja, du musst mit allem rechnen bei mir, Wolfgang! Aber du kannst mir helfen: Was soll ich ins Klassenbuch schreiben?"
"Äh, weiß nicht! Das kann der Hans so gut: schleimen!"
„Na, na!“
"Ja, du, Hanni?"
"Geht das: ritueller Konsum von Drogen?"
„Ja doch! Frau Bergstein! Is dattan noch Reli?? Äh. Sach ma mia - woher dat Zeuch kriegen, ohne mit Bullen auffer Matte!“
„Dattat wä doch nomma spannend. Wa! Jungs!“
*
Diskussion in der Mädchentoilette. Zelle dreizehn: Selma und Tabea:
Is doch wie überall: Selbstberuhigung mit einfachen Mitteln: Lebensverlangsamung. Selbststillung. Gebet, Zeremonien, Ausschluß von Wirklichkeit. Ergebenheitssendung. Pharisäer. Pharisäer-in, mein ich! Komm, lass dich knutschen!
Und andere, die ein anderes Tempo drauf haben? - Sei nicht so melancholisch! - Die können gleich vorbeibrettern. Haben doch eh‘ zu viel Tempo drauf. Werd’n schon in die Grube sausen.
Deren Alte selber, von der war das Haschkindchen!
Wieso? Was? Das Mädchen da, mit dem Notarzt? - Das sich da vollstopfen ließ.
Ja, der Reli-Oberstudienrätin die eigene Tochter!
Woher weißt’n dat? - Dann hätte die uns dat nich erzählt! – Glaub ich nich. – Soll ich anrufen! – Quatsch!
Aber weiß ja auch kaum ein Schwein. Was da passiert ist. Die sind da wohl alle auf Suche: Mamamia. Mutter und Tochter!
Und was suchst du? – Dich Selma! Dass du mich tröstet! Kannste so gut. Komm, leih mir deinen Pulli.
Und wir schwänzen den Mathe-Erich!
Und wohin? – Nur raus, hier aus dem Pinkel!
Aber wär doch ma attraktiv für die Besucherzahlen?
Was?
Weihrauch und Wein – dat kann et doch nich sein!
Was?
Na, Doping beim Pastor Klinger.
Seine Haushälterin, die würd‘ mitmachen.
Und erst ihr Söhnchen!
Wie geht’s dir eigentlich mit dem Thomas?
Betriebsgeheimnis, liebes Mädchen. – Kuck nich so dumm. 
Auf Hellas Fete, nächsten Dienstag, da musste aufpassen.
*
Copyright: bei www.Rey -

                                                       Die alte Bildungsstätte:


 Eine liebe/liebenswerte   E r I n n e r u n g 



Vom viel-beschworenen V a t e r

 

Gesendet von Pfarrer Dr. Jürgen Wolff

- Der Hirt mit einem Schäfchen, das nicht immer ein 'Schaf' bleiben will.

          Vom V a t er Unser:

Wer plappert da ..:

(...) Nun! Zunächst durch die Evangelisten Lukas und Matthäus und dann durch den Kirchenvater Tertullian, der es ab 195 nach Christus als festen Bestandteil christlicher Gottesdienste etablierte – bis heute. Und auch das ist im Sinne eines christlichen Teambuildiungs Motivation und Auftrag, dieses Gebet nicht gedankenlos runterzuleiern oder daherzuplappern.

https://fernsehen.katholisch.de/katholische-horfunkarbeit/morgenandacht-deutschlandfunk/morgenandacht-30092024

Dass dieses Vater-Unsere eine jüdische Vorform (hebr.); das diese komisch Bitte (von der 'Verzweiflung'). bezeifelt wird? Nie gehört?

(…) Und führe uns nicht in Versuchung. (LK 11,4) –

Und - dass der vielbefürchte/ach-berufene „Vater“ - auch sehr weibliche Züge hat/hatte; und dass die 'irdische' „Maria“ angebaggert werden musste, ergo missbraucht wurde – und „Göttliches“ -  der Liebe/Nächstenliebe als Gegmeingut fähig -  geschaffen wurde, ist anthropologisch und psycho-ananlytisch nicht nur unanständig, sondern für alle Zeiten gegeben > obwohl Priester in ihrer angeblichen Succession die leugen.

... "Und führe uns nicht in Versuchung. das viele das nicht anerkennen wollen; nicht sagbar >.

>>: Auch so eine Ver-Schwörungs-Ideologie am Text:

https://www.die-bibel.de/ressourcen/wibilex/neues-testament/vaterunser



Sonntag, 29. September 2024

M i s t h a u f e n - und andere Verdächtigungen

Nachdenklicher Heinrich  B ö l l 


 Bölls Misthaufen 

- äh  W a l d e n s  Misthaufen:

Vergessen? Nimmer mehr vor-ge-kommen? Wer kann Bescheid geben?


Heinrich Böll 21.5.85



Sehr geehrter Herr Reyntjes,



was Herr Heinrichs in Recklinghausen erzählt oder (was tückischer wäre!) „angedeutet“ hat, ist so absurd, dass es kaum der Beachtung [wert] wäre, wäre nicht zu vermuten, dass etwas "dahinter stecken" könnte. Kürzlich hat mich ein wohlbestallter Professor für Informatik, Steinbuch, öffentlich und unwidersprochen beschuldigt, der Hauptverursacher der Kriminalität in Deutschland zu sein. Ja. Meine Kollegen halben in diesem Fall meine „Verteidigung“ übernommen. Ich könnte das auch in diesem Fall für möglich halten, müsste dazu aber Ihren Brief und die evtl. Antwort von Heinrichs an die Berliner Akademie oder den Schriftstellerverband schicken.

Eine "Berliner Autorenvereinigung" ist mir nicht bekannt, es könnte sich um eine der Springer-subventionierten Gruppen handeln, deren Aufgabe es ist, ins „Blaue“ hinein Stunk zu machen. Natürlich habe ich nicht den geringsten Einfluss bei der Verleihung des Büchner-Preises, bin nicht in der Jury und nehme seit Jahren schon nicht mehr an Tagungen teil. Das Gerede von Heinrichs ist einfach Irrsinn.

Ich könnte auch die Deutsche Akademie für Sprache und Dichtung in Darmstadt informieren, möchte aber Ihren Brief nicht ohne Ihr Einverständnis weitergeben. Ein Missverständnis, wie Sie vermuten, kann es nicht sein, es ist eine glatte und freche Lüge, deren Ursache ich doch herausfinden möchte.

Ich danke Ihnen jedenfalls sehr, warte aber ab, ob Heinrichs Ihnen schreibt und grüsse Sie herzlich (als alten Leser!)

[handschriftlich] Ihr

Heinrich Böll

**

Es geht um den Siegfried Heinrichs, einen DDR-Flüchtling, der nie über subventionierte Auflagen herausgekommen ist....; der ähnliche, aber kleinere, unbedeutende Gedichtchen geschrieben hat wie Kunze.[Abschrift des maschinenschriftlichen Originalbriefes von Heinrich Böll, nachdem A. R. An Anfang Mai 1985 ihn von den öffentlichen Behauptungen des Berliner Schriftstellers Siegfried Heinrichs (1941-2012) in Recklinghausen wie anderswo unterrichtet hatte, der Heinrich Böll beschuldigte, er habe die Verleihung des Georg-Büchner-Preises an Frau Christa Wolf unter der Bedingung arrangiert, dass sie nach der Verleihung in die DDR zurückkehre ...]- Damals (vor der Einheit 1990) schienen das übliche Verdächtigungen&Beschuldigungen, die man von Berlin-Ost, der Frontstadt, her gerne austauschte, als Dichter-Wissen.

Ein wenig mehr weiss Wiki - Abruf: 30.09.2024: https://de.wikipedia.org/wiki/Siegfried_Heinrichs#cite_note-spiegel-20410610-3


Samstag, 28. September 2024

D r o h B o t -Schaft(en)


Dornenkrone als gold-glänzendes Spectaculum

                                            (irgendwo in Notre Dame, äh, ja: in Pris; PARIS - 


Drohbotschaft:

https://wir.wir-sind-kirche.de/index.php/sonntagsbrief/items/sonntagsbrief-zum-26-sonntag-im-jahreskreis-29-september-2024.html


"Weihnachten sagt mir: Gott macht keine Angst! Gott ist menschenfreundlich, zugewandt, liebevoll. Das bewirkt mehr Gutes als jede Drohbotschaft. Bonhoeffer sagt: Gott will, dass wir genauso werden – menschenfreundlich, zugewandt und liebevoll. So könnte Weihnachten die Welt verändern.“ - spricht ein Pfarrer – zur Weihnachtszeit, seit Kirche in WDR 4 | 25.12.2017 | 08:55 Uhr. - und die Malise hört nimmmmmmmmmmmmmer auf:

https://www.kirche-im-wdr.de/startseite?tx_krrprogram_pi1%5Bformatstation%5D=4&tx_krrprogram_pi1%5Bprogramuid%5D=85266&cHash=5bd1dc6387e62d85a463661b7a06bcec



Zum Anspruch auf A d e l s H e r r - S c h a f t (en)

 R e c k-linghausen

Bonsai > fensterlich >

... Nach Nebel-Aufkla/ärung (en):

Kerkelings  Ge – Heimnis(se)

Neuerdings, als Royal nummeriert:

Über sein neues Buch (20ooo04) "Gebt mir etwas Zeit" und die Ahnenforschung zu seiner Familie sprach Kerkeling ausführlich (igendwau/wo medial vermtielt!): (Piper: M'nchen (auf der Suche nach einem weiteren Bestseller):

Sollte die Ahnenforschung recht behalten, stünde Kerkeling rein theoretisch auf Platz 111 der Thronfolge“, erklärte er ..; [so deformiert mensch seine Re-Put-At-Ion].

Äh: geht das, „rein theoretisch“, nicit praktisch-real, wenn Mann/Weib/Infant einen Besitzanspruch erhebt, innerhalb einer r o y a l e n (-äh: vor-demo-kratischen) Besitzstruktur [das steht einem Ruhri zu!];  - Äh, ich bin doch Königin Beatrix der Niederlande! - Wer kann das leugnen?

                                
D*d*mit Frauen** w's zu le'en, äh: lesen, habbbbben:

Wenn R u h r g e bi e t - : R e c k l i n g h a u s e n

 

R e c k -linghausen - < Stadtansicht(en), 

< mit Lassenfahrrad, Bier-Flasche & Stöcklein >









Recklinghausen - eine Heimat für Nachsichtige und mobil Anpassungsfähige -



In einem Fernsehstudio tritt ein Wähler auf, der von den Programmgewaltigen die tolle, einmalige Chance erhalten hat, Politiker aller Parteien persönlich, direkt und unverblümt zu befragen. Und da legt er los und fragt als ersten den CDU-Kandidaten Herrn Dr. Ziesemann: "Was ist der Unterschied ... zwischen einem ... Eichhörnchen und einem Klavier?"

In Klammern: Sie wissen es? Der passionierte Fernsehteilnehmer heißt Hoppenstedt, sehr wohl: Wilhelm Hoppenstedt. Klammer zu!

Und als TV-Normalo ausgewählt, präsentiert er sich jetzt als Fernseh-Desperado und stellt sich und seinen soziokulturellen Hintergrund genial-ungewollt prostituierend zur Schau: Nach vielen dümmlich-unsinnigen (chaotisch insistierenden und despektierlich entlarvenden) Fragen wird ihm dann doch von der Moderatorin das Wort entzogen durch eine geschwind formulierte Absage. Doch schnell noch bringt Medien-Meister Hoppenstedt sich vor der abschwenkenden Kamera ein als geübter, spontan reaktionsfähiger TV-Konsument: "Ich grüße auch meine Schwester und meinen Schwager aus Recklinghausen." So können wir es (und Sie haben richtig vermutet) für immer bei dem kundigen Medienschlingel Loriot, auch bürgeradelig Vico von Bülow geheißen) nachschlagen 1].

In dem Sketch "Der Wähler fragt", wie in jedem Wahljahr so auch 1998 wieder hoffnungsgesättigt aktuell und permanent lehrreich, auch für zu erwartende Hochrechnungen mit DVU-Highlights [DauerVerUnsichert], befragt ein naiver Wähler die Parteiprominenz und erreicht durch schön dümmliche Fragen nicht seine eigene Bloßstellung, sondern die der Parteigrößen, ja des Informationsmediums überhaupt, ob in RE oder nach RE hinein, eben zweibuchstabig-mehrwertig zwischen R (dem großstädtischen Regensburg) und REG (dem ländlichen Regen, am niederbayrischen Flüßchen Regen).

Diese Antinomie von familiärer Nähe und medialer Öffentlichkeit und Diskrepanz von alltäglicher Gewohnheit und einer einmaligen Funktion und Wirkung charakterisiert viele Loriotsche Typen in prägnanter und subtil entlarvender Weise, in ihrer rollenmäßigen Dummheit. Stellvertretend für die lieben Bundesbürger, der Politikern Fragen zu Wahl stellt, wählte er als Satire-Loriot auf Leistung verpflichtet, den Kleingeist aus der Provinz, der sich auch an Recklinghausen vergreift, um seine verwandtschaftlichen und kleingeistigen Beziehungen aufzuzeigen begehrt. Aber es gibt natürlich aller Orten einen Schwager bzw. eine Schwester, ein Onkel oder eine liebe Omi, die gegrüßt werden wollen; in diesem Augenblick erfüllt sich das Medium selbst, das für so viele Menschen kultisch gültige Erwartung und Befriedigung geworden, und spiegelt das von der Unterhaltungselektronik veränderte Wahrnehmungsempfinden, das die Farb- und Lichtpunkte in rasanter Geschwindigkeit erleben und Ersatzwirklichkeiten vortäuschen will, wo keine Verwandtschaft und keine Nachbarschaft mehr funktionieren, wo direkte Kommunikation bis auf ein überflüssiges "Guten Tag" reduziert ist. Die damit verbundene Pluralisierung und Proletarisierung der Kultur, die kampagnenmäßig sich steigernde Idiotie der Politik für, durch und in Medien, die Dreistigkeit der telegenen Selbstüberschätzung - Loriot bedient sich dieses Stoffes, auch gerade in den Medien Rundfunk und TV, um die Vergötzung der Wahrnehmungsgeschwindigkeit für die illusions- und erlösungsbedürftigen Konsumenten, in reziproker Abhängigkeit von rationaler Vernünftigkeit. Die genannte Lokalität, die Recklinghäuser mögen mir verzeichen, ist da nicht umsonst oder auch vergeblich gewählt; er löst Lacher aus: auch im Kohlenpott - einen Ausdruck, den man, so die hohe Politik nicht mehr gebrauchen soll (außer in vom Kommunalverband Ruhrgebiet subventionierten Kampagnen zur benachbarten Fußball-Hysterie: auf Schalke oder beim BVB: der Pott, so die Harakiri-Werbung, soll da kochen, wo Millionen Werbegelder für Drecksreklame rausgeschmissen werden und die Verantwortlichen schon wieder die nächste Kampagne in Auftrag geben).

Loriots Satire als eine Form von Bildstörung der individuell ausbeuterischen, aber sozial akzeptierten und wirtschaftlich überaus erfolgreichen Medien, die der Politik; ein Lindenblatt-Treffer für mittelständische Politjongleure und Angeber - egal wie christ-, liberal- oder sozialdemokratisch sie sich benennt, aber nicht besteuern will, z.B. um für den Bildungssektor etliche Millionen umverteilen zu können. Die Eltern der Sonder- oder Hauptschüler gehen eh kaum wählen, sie sind in Parteigremien nicht vertreten; die Lehrer/innen an Gesamtschulen (im bewährten, soziosexuellen Clinch miteinander) wählen notorisch grün, bis Joschka Fischer im nächsten Jahrhundert Bundespräsident werden darf und sie ihre Bildungsattrappen aufstocken dürfen werden.

Und noch einmal: In dieser Wahlkampf-Satire, eben der von Loriot, nicht der Rau-Clementschen des Jahres 98, einem verluderten Possenspiel von anarchistischem Charme, in dem auch die Schein-Fragekultur und die Dummheit der Politiker in Talk-Runden entlarvt werden, finden wir auch noch im Wahljahr 98 ähnliche Blödigkeiten; das Fernsehen könnte den Spot-Spott heute genau so laufen lassen wie vor; selbst das Uralte der Verkleidung, des Outfits des Studios und der töppischen Personen, steigert das tölpelhaft Spießbürgerliche der Karikierten und der parodierten Heimat.

Aber ich habe bisher den treudeutschen, doofen, nicht unmutigen, distanzlos ungenierten Hauptakteur Herrn Wilhelm Hoppenstedt nicht ausreden lassen. Im weiteren Text verschieben sich die provinziellen Pointen nur in Details, nicht in der klein- und mittelstädtischen Substanz. Sexistisch bekloppt fragt er weiter wie am Stammtisch (ob in der "Weißen Brust", die heißt hier wirklich so heißt, oder im unterirdisch gastlichen Ratskeller oder in der "gastronomischen Ruine" (Zitat, aus dem Exbürgergmeister-Mund) des "Saalbaus": "Und die Mädels... was is mit die Mädels?" Such sie, Opa, such und faß sie, leb dich aus als Voyeur, nutze deine Chance! Verlauf dich aber nicht ins Frauenhaus! Da skalpieren Sie alle Männlein!

Und in die Herkunftsregion, das Gebiet verwandtschaftlicher und geistiger Nähe ruft er, bevor er abserviert wird vom Bildschirm, hinein in die vertraut wartende TV-Gemeinde: "Ich grüße... meine Nichte Susi, Hilde und Ingeborg, meinen Cousin in Hannover und Tante Erika in der DDR. Wir wünschen uns die Melodie 'Alte Kameraden'!"

1981 wurde der Sketch inszeniert, bzw. als Text gedruckt und die so wehmütig liebevoll apostrophierte DDR gibt es neun Jahre später nicht mehr; das nur exemplarisch gemeinte Recklinghausen, ihm gaben vor Zeiten wackere Recken den Stadtnamen, existiert noch in seiner lokalen und historischen Verfaßtheit noch heute, und einstweilen noch lange sich deutsche Provinz als großstädtisch geriert. Die Umfragen zu Kultur-, Sozial oder kinderfreundlichen Werten liegen auf den vertrauten Tiefe der kohlentechnischen Abtäufungen in Abgrenzung zu Trümmerbergen mit dem Schutt des zweiten Weltkriegs, dutzenden anderen Städten gleich zwischen Ruhr und Lippe. Doch gibt es hier einen schreibenden Bürgermeister, prägnant Jochen Welt genannt; Sozialreportagen verfaßte er, die den Leser wundern lassen, daß der Meister der Feder in der SPD sein soll; und einen gut gemeinten Krimi legte er auf, dessen Titel und Lektüre ich Ihnen ersparen möchte - Sie können ihn jeder sparsam eingerichteten Stadtbücherei erfahren, wenn Sie solcherlei interessiert.

Auch hieran zeigen sich - als Kritik oder Denunziation - Satire oder Realität: Die Lieben daheim und im Rathause lassen sich nicht aus der Perspektive von Betroffenen markieren, es bedarf des Abstandes, der Entwicklung von Unterschieden, um ihre Berechtigung und ihren Marktwert zu akzeptieren oder zu widerlegen!

Schluß der Farce! Wir sind nicht mehr im TV-Spott, wir müssen aushalten in der Realität, spannender als eine Heyme-Inszenierung im "Europäischen Festival", früher auch Ruhrfestspiele genannt (von denen es drei gleichen Namens alleine in Deutschland gibt, alles Produkte diverser Gutachten, die ein Berliner Professor der Kulturwissenschaften gegen teures Geld in den gesamtdeutschen Provinzen verkloppt, so daß die sich eine eigene Kulturpolitik mangels Geld nicht mehr können): Die Moderatorin und auch mit ihr der verschreckte Recklinghäuser Zuschauer "winken entsetzt ab": Doch, wie genial und proletarisch echt! Und, als Beispiel, der Marler und die angetraute oder als Lebensabschnittspartnerin dauergewöhnte Marlerin könnten über den Recklinghäuser lachen - da und wenn sie verdrängt haben, daß sie genauso gemeint sind: die sich auf die Schenkel klopfen und über andere gackern, statt nach dem Lachen zu suchen, das im eigenen Hals stecken geblieben ist, zu tief dem Magen und der gesunden Verdauung entgegen, als daß eine Erkenntnis provoziert werden könnte.

Was darf Satire? Sie darf (nicht nur nach Kurt Tucholsky) alles: erschrecken, überzeichnen; ja, sie zeichnet das Negative aus, will sie ihrer Intention gerecht werden: Sie zielt ex negativo auf das Menschliche - die Wirklichkeit, die positive Aussage, sie muß hergestellt werden im wachen Kopf des Lesers oder Zuschauers, sie will die Realität verändern. Sie ist die Klopfmethode, pardon, die Textsorte, die die einen zum Lachen bringt und die anderen zum Grummeln, und die dritten, häufig humorlose, rachsüchtige Politiker, etwa im Stil der Amigos, zu Wut und Gegenmaßnahmen. Im nächsten Spott/Spot ist es umgekehrt: Die einen werden in die Starrheit der Empörung, der fast tödlichen Beleidigung getrieben, den anderen treibt es die Tränen der Schadenfreude in die Augen.


So die Stadtverwaltung über die Gelenkfunktion der Henry-Moore-Skulptur "Die Liegende Nr. 48/2." Oder ist er die 6 1/2? Jedenfalls stehen jedem Kunstfreund die Wege nach Hannover oder Konstanz offen (oder gar bis Australien), um sich von den Vorzügen und den glänzenden Buckeln, den Hohlformen und den Rundungen, den Löchern und Segmenten vieler Bronzeausbeulungen zu überzeugen und sie interpretatorisch in verbal-künstlicher Unverständlichkeit zu verstecken, daß keiner merken sollte, daß hier Blödsinn übertüncht wird:

"Sie hat die sehr zentralistische Komposition des Gebäudes durch die eigene azentrische Position neutralisiert und mit der Natur versöhnt."

Und legen sie sich in realiter mal vor die Große Liegende. Sie wird ihnen zuflüstern: ich, Henry Moore, habe durch ein paar ungeschickte Umformungen und Pressungen in Bronzeblech ein Vermögen verdient. Aber wer sich kunstästhetisch bescheißen läßt, verdient es nicht anders: Er soll zahlen und von seiner Mißetat schwärmen in alle Ewigkeit.

Fordern Sie einmal einen Politiker oder andern kulturgewieften Deuter in dieser Stadt auf, in ungeheucheltem, ungekünsteltem Deutsch über diese Platik aller Plastiken zwei, drei Sätze zu formulieren.

Ob er kluge Kopf sich an die Aufgabe macht, diesem geräumigen Frauenbild eine Entsprechung in der sozialen Realität zuzuordnen? Oder würde er mit der akutellen Frauenrechtsvariante operieren: So sehen die politischen Versuche mit der Frauenquote aus? - Er kann höchstens sagen: Kinder turnen gerne an dem Monstrum herum, basta! Alles andere wäre schwafliger Quark! Aber jedes Kind scheitert beim Klettern am Haupte dieser Dame; da gibt es nichts, wo man sich festhalten kann. Da bleibt nix als klbige Künstlichkeit

Begeben sie sich auf die weitere Suche, nach Plastiken und künstlerischen Höhepunkten dieser Stadt. Da können Sie einen verschnarchten Hirten an der Gustav-Adolf-Kirche anstaunen. Da grüßt ein Pinkelbrunnen-Bruder im Geiste, sofort am benachbarten Viehtor. Da erspüren Sie die Symbolik der drei halb-modernistischen, muskulär brekerhaften Figuren: Diese Bürger ertragen ihre Stadt.

Tappen sie sich vor zum Lohtor. Dort finden Sie eine Mißgeburt aus Triumbogen und Aquädukt, in klassischen Klinker gemauert. Warum? Es soll eine "ästhetische Akkordanz in vielperspektivischer Wandlung" (oder ähnlich phrasiert) zum gegenüber liegenden Heldengedenkmal seinoder werden, das man mit ca. 37-ein-halb Inschriften aufgerüstet hat zum Friedensmal.

Weitere Genüsse?

Von RE aus können Sie sich radial-radikal perspektivisch orientieren (und vergessen hierhin wiederzukehren): Nach Duisburg zu den Theatertagen; nach Herne zu den Tagen alter Musik; adventsmäßig nach Dortmund zum standgemäß größten Weihnachtsbaum der Republik; nach Münster zu den Lyriktagen; nach Marl zum Adolf-Grimme-Wettbewerb (wer Grimme war? Fragen sie mal in Marl!); nach Geldern, irgendwo am Niederrhein, zum Fest der Straßenmaler, nach Herten - mit dem Fahrrad ereichbar - zum Folk-Festival; nach Schloß Moyland, nahe Kalkar, um dort nachzuforschen, wie Beuys sich freundesmäßig durch die van der Grintens verewigen ließ: handwerklich ungenügend, intentional chaotisch-sinnlos.


Doch der lokalen Realität sei hoher Tribut gezollt, eine Fortsetzung des quasi literarischen Topos Recklinghausen:

Theodor Weißenborns Kurzgeschichte "Eine unbefleckte Empfängnis" ist eine Story, die sich in der Hauptpost an der Martinistraße in Recklinghausen abspielt. In Anthologien ist sie vielfach gedruckt worden 2].

"Geoffenbart am 18. Juli 1965, mittags, 12 Uhr, auf dem Hauptpostamt Recklinghausen, Schalterhalle, vorn, Fernsprechaltar."

So ist die leitmotivische Orts- und Geistesangabe in Th. Weißenborns Erzählung "Eine unbefleckte Empfängnis" beschrieben.

An diesen Ort der Teilnahme, Öffentlichkeit der technischen Kommunikation vollzieht sich der letzte Akt eines Dramas eines Mädchens, das man mit dem Etikett "irre", oder psychiatrisch formuliert: "neurotisch-schizoid" oder "psychotisch" (jeder Nervenarzt ist da variabel und tablettenspendierfreudig).


Heinrich Böll nahm Stellung zur Story, als sie einen exemplarischen Meinungsstreit über das Noch-Erlaubte, über das Häßliche und Kranke, über Sinn und Wahnsinn in der Literatur auslöste:

"Ich finde die Geschichte gut, finde Ort, Personen und Handlung genau richtig plaziert und im übrigen einen tiefen religiösen Sinn in dieser Leidensgeschichte einer Magd!"

Über die vordergründige Provokation hinaus stellt dieser Fall einer religiösen Neurose einen christlichen Hilfsappell dar. Gäbe es heute noch jesuanische Menschen, Th. W. wäre der letzte, der nicht auch diesen Heiler, den Erlöser, den Angerufenen (wie sie in Jesu Sendungsauftrag benannt und ausgestattet werden: Missionare der Seele) einbezogen hätte in seine Geschichte.

"...Fürchte dich nicht!"


Wer sich, ob realiter oder imaginiert, d.h. auch eingebildet, ständig beobachtet und kontrolliert fühlt, für ewig, solange das Leben währt, überwacht und vorherbestimmt fühlt, entwickelt Obsessionen, kann nicht mehr unterscheiden zwischen Realität und Gefühlen, Äußerem und Inneren. Es hat "den Heiland auf den Lippen, den bösen Feind im Herzen".

Ein Kritiker schrieb über die religiösen und psychiatrischen Fallbeispiele des Autors:

"Einige dieser Texte beschäftigen sich mit Menschen, deren Wahnvorstellungen auf sexuelle und religiöse Konflikte zurückgehen. Der Stoff zu dieser Prosa des Abnormen ist nicht der vermeintlich schmutzigen Phantasie des Autors entsprungen, denn Weißenborn hörte ... an der Universität Köln Psychiatrie und Medizinische Psychologie." "Er selbst ist in streng katholischer Umgebung groß geworden und kennt darum die Sorgen und Nöte der römisch-katholischen Christen aus eigener Erfahrung. Der sprachlich heilkundige Weißenborn ist nicht traurig darüber, selbt der geistigen Unterordnung unter die vom Papst ausgehende Hierarchie entronnen zu sein. Und kaum einen wird es verwundern, daß er angesichts seiner Erkenntnisse seine Kinder der Welt des Weihwassers und der Rosenkränze entzogen hat." "Er maßt sich mitunter an, bestehende Machtverhältnisse in Zweifel zu ziehen, und er fordert zu deren Veränderung auf."


Ein bloße Nennung von Örtlichkeiten ist nie Anlaß und Ziel eines poetischen (ob erzählerischen oder satirischen) Vorgangs - den Kern von Verletzungen (ob Arroganz oder Machtanspruch oder der bloßen Dummheit) - zufällig in der betroffenen Örtlichkeit Wohnende müssen sich der Kritik a posteriori stellen, ansonsten könnte der Nachweis ihrer Berechtigung a priori schon gegeben sein.


In einer ganz eigenen Art des Feuilletons schreibt ein Autor Essays und Reiseberichte, lange bevor er durch Romane zur österreichischen Geschichte weltberühmt wurde und, wie hunderte andere auch, Deutschland verlassen mußte, weil seine humanistische Auffassung von Menschlichkeit, Frieden und Freiheit nicht akzeptabel waren für ein Regime, in dem (wie heutigentags wiederum) Großmäuler, Verbrecher und Neurotiker das Deutscheste vom Deutschen für absolut setzen - und sich so benehmen möchten, wie sie es als Gewalttäter gelernt haben: durch Mißhandlung.


Noch'n Beispiel:

Josef Roth schrieb im Jahre 1926 als Korrespondent für die "Frankfurter Zeitung" eine Reihe von Essays, die sich mit der Situation im Ruhrgebiet beschäftigten.

Die schönsten: "Trübsal einer Staßenbahn im Ruhrgebiet" (vom 9.3.1926) und "Der Rauch verbindet Städte" (vom 18.3.1926). Literarhistorisch bieten sie eigenartig stimmige Facetten, die in ihnen aufgezeichnete Landschaft ist heute Industriegeschichte, sie ist überholt - weil diese (in der Ruhrgebietsgeschichte) seltene Reportagen ein prinzipielles Moment von Literatur darstellen, das nie gefährdet werden darf, sich die Themen und die Personen nach den Erkenntnisprinzipien von individueller Freiheit und sozialer Notwendigkeit auszusuchen - auf daß die Welt und die Menschen in ihr ein Stückchen schöner, attraktiver und friedlicher werden können.


Sicherlich: Recklinghausen als Topos einer modernen Industriestadt, die in der Nach-Eisen-und-Kohlen-Zeit sich strukturell wandeln muß, ist auswechselbar. Die hier aufgezeigten Nennungen in der deutschen Literatur liegen auch schon zurück.

Und noch'n Beispiel?

Recklinghausen als Städtchen, dann Stadt der Püttrologen, die erwachende Industriestadt zwischen Kanal und Lippe: Vor 102 Jahren, genauer am 19.11.1896, ereignete sich auf der Recklinghäuser Zeche "General Blumenthal" eine schwere Schlagwetterexplosion, die 26 Todesopfer forderte, ein Synonym für die vielen Gruben-Katastrophen, als die Profitgeier noch größer als die unternehmerischen und die technischen Sicherungsmöglichkeiten:

"Zu den Massengräbern im Ruhrgebiet,

Sie wir soviel schon haben -

Eine neues Grab, ein Massengrab,

Man hat es wieder gegraben." (...)

Heinrich Kämpchen, ein heute fast unbekannter Bergmann, Gewerkschaftler und Dichter, hat diese Katastrophe in einem wichtigen, künstlerisch wirkungsvollen Gedicht fetgehalten.

Weitere Literatur, die den Kontext, den Lebenszusammenhang mit dem schwarzen Gold, das so furchtbar und nachhaltig in das Leben der früher westfälischen Menschen und der zugezogenen Arbeiter, hauptsächlich aus dem Osten Deutschland, bzw. dem damaligen Königreich Polen.

Lieb (als Aufgabe) sollte uns dieser Bezirk schon sein, wenn auch nicht so teuer, wie sich das Ruhrgebiet ausstellt, einer verschmähten Braut gleich, in deutscher und internationaler Werbegrafik. Die neue Kampagne "The Ruhr", im Ausland entfacht, demonstriert und eskaliert, wie man Geld aus der öffentliche Hand in die privaten Taschen der Werbefrizzis lenkt: aus dem bis ins ferne China weltbekannten "Welbepaladies des Bludels Johannes Lau, dem wundelschönen Luhlgebiet in NLW, dem teuelsten Welbe-Landstlich del Welt, ehllich; auch als nächstel Blundespläsident."

Es gibt auch nur noch eine Steigerung, um eine Stelle in Deutschland zu finden, für die die folgende Assoziation zutrifft: Ruhrpott, vermieft, kleinbürgerlich, proletenhaft-spießig, Schmelztiegel der Temperamente, Sprechweisen und Ethnien. Name des absoluten, aber nicht bergbaumäßig tiefsten Punktes im Ruhrpott ist Castrop-Rauxel oder Oer (nicht: Ör!)-Erkenschwick. Doch darüber zu reflektieren, sei Aufgabe anderer, befand ein kriminalitisch kundiger Deutschlehrer 3].

Und die Realität? gibt es da nicht aus etwas, was real passiert und in Berichten oder Reportagen aufgezeichnet wird?

Derweil schmückt sich Recklinghausen mit dem weisen gewordenen Hansjürgen Heyme (vom Europäischen Festival statt den dröge, kumpelhaft und verschwitzt klingenden Ruhrfestspielen), mit einem Bürgermeister, der vermitteln wollte zwischen einer Gesamtschule (irrigerweise nach dem Pazifisten Wolfgang Borchert nachbenannt) und einem Marie-Curie-Gymnasium, deren Schüler sich schlachtenmäßig aufgerüstet prügeln wollten.

Im Ausländeramt bei der Kreisverwaltung wird eine Panzerglassicherheitsscheibe eingezogen, und die Petenten, die Asyl Suchenden aus allen Regionen der Welt, müssen über ein Telefon ihre Bitten an die in securitate residierend lauschenden Sachbearbeitern in ihren Pupsersesseln richten.

Und was sonst? Hier, wo die Polizei Wunder vollbringt: Einen sensiblen Jungen bringen sie einmal durch zielgerichtete Wangentätschelei dazu, sich als Messer stechenden Rathausparkmörder zu outen; als Kindermörder haben sie ein andermal einen dekorativen, stadtteilnahen Alkoholkranken ausgesucht, den der Richter wieder laufen lassen muß.

Und sonst alles Provinz, die noch auf ein Drehbuch von Loriot wartet?

Es gibt dort, zum gefälligen Exempel buchstabiert, bundesweit bekannte Personenpersönlichkeiten: ihrer dreie seien hier verzeichnet:

Z.B. den bundesweit notorisch tätigen Entertainer hape (aus dem Hause Kerkeling), der so ungeniert wie bedenkenlos Menschen anzusprechen und zu unterhalten vorgibt, so hautnah, kunterbunt, distanzlos und sprachverwirrt angeht, wie man es als klassisches Symptom für das auffällige Verhalten eines sexuell mißbrauchten Kindes in den Begriffen der spezifischen Fachliteratur klassizifiert findet. (Aber vielleicht ist hapes pubertäre Technik des alles-ist-fun die perfekteste Satire: sie entlarvt den Komiker als Blödmann selber.)

Und da ist noch ein junger Mensch schon in die Stadtchronik eingegangen, der in internationalen Sportwettbewerben schon etliches Metall, ich glaube einmal Silber und einmal Bronze, gewonnen hat, ein Sportler des Jahres, Busenmeier, Bunsenmeier oder Busemann oder so ähnlich.

Und noch eine imposante Kulturnovität: Ein Muskelmann zog von einem städtischen Hallenbad im Ortsteil Süd aus weit fort ins ferne, filmisch vorbildlich und festlich illuminierte Hollywood zu erobern; nun kam er in Gestalt eines tapfer und lachend dreinschlagenden Barbaren (Conan oder so) in die heimischen Wohnzimmer zurück, als ein muskulär gedopter Fantasy-Held: Möller sein brav germanischer Name. Aber den Drehbuchautoren und Muskelbildern sei Dank / Schnitt ins Muskel- und Honorarfleisch / die Serie wurde vom ZDF abgesetzt wegen zu intelligenter Fantasy-Diktion.

Nächstens, bei medialen, theatralischen oder prozessualen Peinlichkeiten, mehr aus diesem Holly-Florida des Ruhrpotts, versprochen! Das Klima ist ein angeheiztes und der TV-Onkel Hoppenstedt steht allezeit bereit: Was ist mit die Recklinghäuser?

Das kulturell Neueste aus heurigen Mai? Der Stadtdirektor entriß dem versponnenen Speicher einer alten Lady eine Bretterlade für 70.000 DM: angeblich das Sterbebett der Droste: Was Kultur ist, bestimmt der Sponsor, hier die Strombarone von der VEW. Die Schüler, die ergriffen und ehrwürdig durchs Rüschhaus bei Münster geschleust werden, wird's freuen: Leg dich mal rein, ins teuer gemachte Nest! Was? Größer als 1,41 m war die Droste nicht? So'n Kalten!

In Grundschulen (Schüler in Tarnanzügen und, vorerst, mit Soft-Air-Pistolen) und Gesamtschulen (Schulschlacht, wenn die Lehrer um halb zwei weg sind), in dem neuen Riesen-Gewächsterrarium des Festspielhauses (Strindberg, Stindberg über alles, jedenfalls über jeden deutschen Gegewartsautor) und in dem erprobt ereignisgesättigten Stadtteil Süd ("Britta" - das traurigste Mädchen Deutschlands, so weiß es BILD, wohnt dort) wird manch Erklecklich- und Erfreuliches inszeniert werden, was die Scheinwerfer der Studios und das Licht der fernsehgeilen Öffentlichtkeit nicht zu scheuen brauchen wird: die neueste Flachbildschirmtechnik, mit, wenn möglich, drei Millionen Lichtpunkten - ich traue ihr alles zu, ja, mehr, als ich wi(e)dergeben konnte.


*



RECKLINGHAUSEN - ein Ort in der deutschen Literatur


1. Beispiel für den literarischen Topos Recklinghausen:


Loriots satirische Figur des "Wählerbefragers"


In einem Fernsehstudio tritt ein Wähler auf, der die Chance erhält, Politiker zu befragen, statt dessen aber sich und seinen sozialen und kulturellen Hintergrund zur Schau stellt: Nach vielen unsinnigen Fragen soll ihm das Wort entzogen werden durch eine Absage; schnell noch bringt er sich ein: "Ich grüße auch meine Schwester und meinen Schwager aus Recklinghausen." So können wir es für immer bei Loriot nachschlagen: In Vico von Bülows buchmäßigen Meisterwerk, den "Dramatischen Werken", Ausgabe des Diogenes-Verlages, Zürich 1972; auf Seite 182-185 finden Sie Loriot: Der Wähler fragt.

In diesem Sketch, in jedem Wahljahr wie auch 1994 noch aktuell, befragt ein Wähler die Parteiprominenz und erreicht durch dümmlichste Fragen nicht nur seine eigene Bloßstellung, sondern die der Parteigrößen, des Mediums überhaupt.

Diese Antinomie von familiärer Nähe und medialer Öffentlichkeit, diese Dummheit und Diskrepanz von alltäglicher Gewohnheit und einer einmaligen Funktion und Wirkung charakterisiert viel Typen von Loriot. Für seinen Bundesbürger, der Politikern fragn zu Wahl stellt, wählte er den Kleingeist aus der Provinz, der sich nach Recklinghausen vergreift, um seine sozialen Beziehungen aufzuzeigen. Aber er ist natürlich nicht ein Schwager bzw. Bruder in diesem Augenblick in dem Medium, das für so viele Menschen in der modernen Welt Erfüllung und Befriedigung geworden ist für das von der Technik veränderte Wahrnehmungsempfinden, das die Farb- und Lichtpunkte in rasanter Geschwindigkeit erleben und viel Ersatzwirklichkeiten vortäuscht. Die damit verbundene Pluralisierung und Proletarisierung der Kultur, die Idiotie der Politik für, durch und in Medien, die Dreistigkeit der Selbstüberschätzung - Loriot bedient sich dieses Stoffes, auch gerade in den Medien Rundfunk und TV, um die Vergötzung der Wahrnehmungsgeschwindigkeit für die Konsumenten in reziproker Abhängigkeit von rationaler Vernünftigkeit zu zeigen. Loriots Satire als eine Form von Bildstörung der individuell ausbeuterischen, aber sozial akzeptierten und wirtschaftlich überaus erfolgreichen Medien.

In dieser Wahlkampf-Satire, einem verluderten Possenspiel von anarchistischem Charme, in dem auch die Schein-Fragekultur und die Dummheit der Politiker in talk-Runden entlarvt werden, finden wir auch noch im Super-Wahljahr 94 ähnliche Blödigkeiten; das Fernsehen könnte den Spott heute genau so laufen lassen; selbst das Uralte der Verkleidung, des Outfits des Studios und der Personen, steigert das tölpelhafte Spießbürgerliche der und des Karikierten.

Aber ich habe bisher den treudeutschen, doofen, nicht unmutigen, distanzlos ungenierten Werrn Wilhelm Hoppenstedt nicht ausreden lassen. Im weiteren Text verschieben sich die provinziellen Pointen nur in Details, nicht in der Substanz. Sexistisch fragt er weiter wie am Stammtisch: "Und die Mädels... was is mit die Mädels?"

Und in die Herkunftsregion (oder das Gebiet verwandtschaftlicher und geistiger Nähe ruft er noch): "Ich grüße... meine Nichte Susi, Hilde und Ingeborg, meinen Cousin in Hannover und Tante Erika in der DDR. Wir wünschen uns die Melodie 'Alte Kameraden'!"

(Die so wehmütig liebevoll apostrophierte DDR gab es - 1981 wurde der Sketch inszeniert, bzw. als Text gedruckt - keine zehn Jahre später nicht mehr; das nur exemplarisch gemeinte Recklinghausen gibt es in seiner lokalen und historischen Verfaßtheit noch heute, und einstweilen noch lange. Auch hieran zeigt sich, Kritik oder Denunziation, Satire oder Realität: Sie lassen sich nicht aus der Perspektive von Betroffenen markieren, es bedarf des Abstandes, der Entwicklung von Unterschieden, um ihre Berechtigung - zu widerlegen!)

Schluß der Farce: Die Moderatorin (und auch mit ihr der verschreckte Recklinghäuser) "winken entsetzt ab": Doch, wie platt, wie proletarisch! Und, als Beispiel, der Marler könnte über den Recklinghäuser lachen - da oder wenn er verdrängt hätte, daß er genauso gemeint war: der auf die Schenkel klopft und über andere lacht, statt nach dem Lachen zu suchen, das im eigenen Hals stecken geblieben ist.

Was darf Satire? Sie darf (nicht nur nach Kurt Tucholsky) alles: erschrecken, überzeichnen; ja, sie zeichnet das Negative aus, will sie ihrer Intention gerecht werden: Sie zielt ex negativo auf das Menschliche - die Wirklichkeit, die positive Aussage, sie muß hergestellt werden im Kopf des Lesers oder Zuschauers, sie will die Realität verändern. Sie ist die Textsorte, die die einen zum Lachen bringt und die anderen zum Grummeln, und die dritten, häufig humorlose, rachsüchtige Politiker, etwa im Stil der Amigos, zu Wut und Gegenmaßnahmen. Im nächsten Spott/Spot ist es umgekehrt: Die einen werden in die Starrheit der Empörung, der fast tödlichen Beleidigung getrieben, den anderen treibt es die Tränen der Schadenfreude in die Augen.

2. für den literarischen Topos Recklinghausen:

Eine Story, die sich in der Hauptpost in Recklinghausen abspielt: Theodor Weißenborn: Eine unbefleckte Empfängnis

Diese Kurzgeschichte ist vielfach gedruckt worden. Hier wird sie zitiert nach dem Erzähl-Sammelband von Weißenborn nit dem gleichen Titel, 1969 erschienen im Diogenes-Verlag in Zürich.

"Geoffenbart am 18. Juli 1965, mittags, 12 Uhr, auf dem Hauptpostamt Recklinghausen, Schalterhalle, vorn, Fernsprechaltar."

So ist die leitmotivische Orts- und Geistesangabe in Th. Weißenborns Erzählung "Eine unbefleckte Empfängnis" beschrieben.

An diesen Ort der Teilnahme, Öffentlichkeit der technischen Kommunikation vollzieht sich der letzte Akt eines Dramas eines Mädchens, das man mit dem Etikett "irre", oder psychiatrisch formuliert: "neurotisch-schizoid" oder "psychotisch" (als Nervenarzt ist man da variabel).

Heinrich Böll nahm Stellung zur Story, als sie einen exemplarischen Meinungsstreit über das Noch-Erlaubte, über das Häßliche und Kranke, über Sinn und Wahnsinn in der Literatur auslöste:

"Ich finde die Geschichte gut, finde Ort, Personen und Handlung genau richtig plaziert und im übrigen einen tiefen religiösen Sinn in dieser Leidensgeschichte einer Magd!"

Über die vordergründige Provokation hinaus stellt dieser Fall einer religiösen Neurose ein Hilfsappell dar. Gäbe es heute noch jesuanaische Menschen, Th. W. wäre der letzte, der nicht auch diesen Heiler, den Erlöser, den Angerufenen (wie sie in Jesu Sendungsauftrag benannt und ausgestattet werden: Missionare der Seele) einbezogen hätte in seine Geschichte.

"...Fürchte dich nicht!"

Wer sich, ob realiter oder imgainiert, d.h. auch eingebildet, ständig beobachtet und kontrolliert fühlt, für ewig, solange das Leen währt, überwacht und vorherbestimmt fühlt, entwickelt Obsessionen, kann nicht mehr unterscheiden zwischen Realität und Gefühlen, Äußerem und Inneren. Es hat "den Heiland auf den Lippen, den bösen Feind im Herzen".

Ein Kritiker schrieb über die religiösen und psychiatrischen Fallbeispiele des Autors:

"Einige dieser Texte beschäftigen sich mit Menschen, deren Wahnvorstellungen auf sexuelle und religiöse Konflikte zurückgehen. Der Stoff zu dieser Prosa des Abnormen ist nicht der vermeintlich schmutzigen Phantasie des Autors entsprungen, denn Weißenborn hörte ... an der Universität Köln Psychiatrie und Medizinische Psychologie."

"Er selbst ist in streng katholischer Umgebung groß geworden und kennt darum die Sorgen und Nöte der römisch-katholischen Christen aus eigener Erfahrung. Der sprachlich heilkundige Weißenborn ist nicht traurig darüber, selbt der geistigen Unterordnung unter die vom Papst ausgehende Hierarchie entronnen zu sein. Und kaum einen wird es verwundern, daß er angesichts seiner Erkenntnisse seine Kinder der Welt des Weihwassers und der Rosenkränze entzogen hat."

"Er maßt sich mitunter an, bestehende Machtverhältnisse in Zweifel zu ziehen, und er fordert zu deren Veränderung auf."

Ein bloße Nennung von Örtlichkeit ist nie Anlaß und Ziel eines poetischen (ob erzählerischen oder satirischen) Vorgangs - den Kern von Verletzungen (ob Arroganz oder Machtanspruch oder der bloßen Dummheit) - zufällig in der betroffenen Örtlichkeit Wohnende müssen sich der Kritik a posteriori stellen, ansonsten könnte der Nachweis ihrer Berechtigung a priori schon gegeben sein.

Die letzte Veröffentlichung, die diese Geschichte enthält, hat den Titel "Opfer einer Verschwörung"; sie ist enthalten in seiner Sammlung von Erzählungen für Religionsunterricht und Jugendgruppen.

In einer religionspädagogischen Einführung formuliert Friedrich Munzel folgendes:

"Ein junger Mensch, allein gelassen, unverstanden, der aufwachsen muß mit diffusen Vorstellungen über Sexualität und Religion, die eine groteske Vermischung beider Bereiche zur Folgen haben - er kann nur Schaden nehmen.

W. erhebt hier Anklage gegen das Verhalten einer Gesellschaft, wie es sich in Vaariaationen immer wiederholt. Das Mädchen wird in seiner Naivität ausgenutzt, entehrt, entwürdigt; es ist dem Zugriff 'Erfahrener' preisgegeben."

(In: Th.W.: Der Kaiser hat einen Vogel. Erzählungen für Religionsunterricht und Jugendgruppe. Pfeiffer-Verlag: München 1992.)

In einer ganz eigenen Art des Feuilletons schreibt ein Autor Essays und Reiseberichte, lange bevor er durch Romane zur österreichischen Geschichte weltberühmt wurde und, wie hunderte andere auch, Deutschland verlassen mußte, weil seine humanistische Auffassung von Menschlichkeit, Frieden und Freiheit nicht akzeptabel waren für ein Regime, in dem (wie heutigentags wiederum) Großmäuler, Verbrecher und Neurotiker das Deutscheste vom Deutschen für absolut setzen - und sich so benehmen möchten, wie sie es als Gewalttäter gelernt haben: durch Mißhandlung.



2.Teil der Reihe als Fortsetzung:

3. Beispiel:

Josef Roth schrieb im Jahre 1926 als Korrespondent für die "Frankfurter Zeitung" eine Reihe von Essays, die sich mit der Situation im Ruhrgebiet beschäftigten.

Die schönsten: "Trübsal einer Staßenbahn im Ruhrgebiet" (vom 9.3.1926) und "Der Rauch verbindet Städte" (vom 18.3.1926). Literarhistorisch bieten sie eigenartig stimmige Facetten, die in ihnen aufgezeichnete Landschaft ist heute Industriegeschichte, sie ist überholt - weil diese (in der Ruhrgebietsgeschichte) seltene Reportagen ein prinzipielles Moment von Literatur darstellen, das nie gefährdet werden darf, sich die Themen und die Personen nach den Erkenntnisprinzipien von individueller Freiheit und sozialer Notwendigkeit auszusuchen - auf daß die Welt und die Menschen in ihr ein Stückchen schöner, attraktiver und friedlicher werden können.


Sicherlich: Recklinghausen als Topos einer modernen Industriestadt, die in der Nach-Eisen-und-Kohlen-Zeit sich strukturell wandeln muß, ist auswechselbar. Die hier aufgezeigten Nennungen in der Gegenwartsliteratur liegen auch schon zurück.



- Texte der Reportagen liegen bei; eine sollte wenigstens abgedruckt werden, um dem Vergessen vorzubeugen und den literarischen Kanon (für Schule oder Privatlektüre) anzuregen! -



Ankündigung: Weitere Ausätze zum Topos Recklinghausen sind als Fortsetzungen geplant


3. Teil der Reihe:

4. Beispiel:

Recklinghausen als Städtchen, dann Stadt der Püttrologen, die erwachende Industriestadt zwischen Kanal und lippe:

Am 19.11.1896 ereignete sich auf der Recklinghäuser Zeche "General Blumentahl" eine schwere Schlagwetterexplosion, die 26 Todesopfer forderte.

Heinrich Kämpchen, ein heute fast unbekannter Bergmann, Gewerkschaftler und Dichter, hat diese Katastrophe in einem wichtigen, künstlerisch wirkungsvollen Gedicht fetgehalten:

Er nannte es schlicht "Blumentahl", für jeden, der es am 28.11.1896 oder später in der "Bergarbeiterzeitung" las, war das Stichwort ein Synonym für die Katastrophe.

Weitere Literatur, die den Kontext, den Lebenszusammenhang mit dem schwarzen Gold, das so furchtbar und nachhaltig in das Leben der früher westfälischen Menschen und der zugezogenen Arbeiter, hauptsächlich aus dem Osten Deutschland, bzw. dem damaligen Königreich Polen.

Heinrich Schirmbecks Erzählung "

Heinrich Schirmbeck

5. Serie

Der Ort Recklinghausen in Kriminalromanen von Reinhard Junge und Leo P. Ard (Pseudonym für Jürgen Pomorin):

(Einleitung zu diesem Kapitel:)

Ein gewichtiges Stück der gegenwärtigen Kriminalliteratur findet heute in mehreren Regionen statt, auch in Ruhrkrimis. Auch hier spielen Recklinghausen und Umgebung mit Straßen und Gebäuden und Dienstpersonal eine Rolle in den drei sogenannten "Roggenkemper"-Krimis von Reinhard Junge und Leo P. Ard (Pseudonym für Jürgen Pomorin):

"Das Ekel von Datteln", und die Fortsetzungen Hier zeigte sich, daß der fiktive Roman auch in die reale, politische Wirklichkeit reinzuspielen vermag, wenn er es schafft, bei den Lesern und in der Öffentlichkeit Aufmerksamkeit zu erregen: in diesem Fall den Machtmißbrauch auf regionaler Ebene aufzuzeigen. Aber es wird sicherlich noch mehr gereinigtes Wasser die Emscher runterfließen und die Luft über der Ruhr noch sauberer werden, bis neue Landschaftspoesie über Industriebrachen und Kumpelsiedlungen sich entwickeln. Lieb (als Aufgabe) sollte uns dieser Bezirk schon sein, wenn auch nicht so teuer, wie sich das Ruhrgebiet ausstellt, einer verschmähten Braut gleich, in deutscher und internationaler Werbegrafik. Die neue Kampagne "The Ruhr", im Ausland entfacht, demonstriert und eskaliert, wie man Geld aus der öffentliche Hand in die privaten Taschen der Werbefrizzis lenkt: aus dem bis ins ferne China weltbekannten "Welbepaladies des Bludels Johannes Lau, dem wundelschönen Luhlgebiet in NLW, dem teuelsten Landstlich del Welt".

Es gibt auch nur noch eine Steigerung, um eine Stelle in Deutschland zu finden, für die die folgende Assoziation zutrifft: Ruhrpott, vermieft, kleinbürgerlich, spießig, Schmelztiegel der Temperamente und Ethnien. Name des absoluten, aber nicht bergbaumäßig tiefsten Punktes im Ruhrpott ist Castrop-Rauxel. Doch über den zu reflektieren, sei Aufgabe anderer.

3. Teil: Fortgesetzt wird die Serie mit Beiträgen zu Werken von Norbert Erich Dolezich, Hans Christian Sarrazin, Hape Kerkeling

Bernhard Doerdelmann:

Aus seinen Erinnerungen "So war es damals" ist ein wichtiger Auszug in einem Sammelband erschienen.

Von gegenwärtigen Autoren, die in Texten Name und Ort Recklinghausen anklingen lassen, seien noch zwei aufgeführt:

Günter Kunert:

Nachrichten aus der Provinz

Die ganz tiefen Zerstörungen reichen bis unter die Oberfläche und bleiben vorerst unsichtbar.

Eingesunken die Orte mancher Begegnung.

Inmitten der Ebenen stufige Brüche

unausgelotet. Hügelig wächst das Gras

aber es sind darunter eben Gräber.

Fassaden stehen noch doch

hinter den Gardinen schon nichts. Und

das Furnier klebt spekulativ

auf abwesendem Holz.

Wahr ist gar nichts mehr:

sobald du die Tür öffnest

befindest du dich nirgendwo. Schlag ein Buch auf

es enthält leere Worte.

Dein bruder ist eine Hülle geworden

und geht so leicht umher

wie bestimmtes Papier....

(Aus: Unterwegs nach Utopia. S. 12.)


Günter Kunert:

1974

Ein Gedicht mit dem Titel

"Neunzehnhundertvierundsiebzig"

wäre kein langes Gedicht...

und später im Kalender zwischen Kiel

und München und Recklinghausen

zwischen Orten ..."

 * *

André Kaminski: In: Schalom allerseits. Tagebuch einer Deutschlandreise. Frankfurt/M. zuerst 1987; jetzt als Insel-TB Nr. 1637, 1989.

In der folgenden Passagen verarbeitet deutsch-polnische, jüdische Dichter und Journalist André Kaminski (1923 - 1991) Eindrücke einer Lesereise, die ihn 1986 auch nach Recklinghausen führte:


1] In Vico von Bülows buchmäßigen Meisterwerk, seinen "Dramatischen Werken", Ausgabe des Diogenes-Verlages, Zürich 1981; auf Seite 182-185 finden Sie Loriots Politshow: Der Wähler fragt.

2] Hier wird sie zitiert nach dem Erzähl-Sammelband von Weißenborn mit dem gleichen Titel, 1969 erschienen im Diogenes-Verlag in Zürich.-Die letzte Veröffentlichung, die diese Geschichte enthält, hat den Titel "Opfer einer Verschwörung"; sie ist enthalten in seiner Sammlung von Erzählungen für Religionsunterricht und Jugendgruppen. In einer religionspädagogischen Einführung formulierte Friedrich Munzel: "Ein junger Mensch, allein gelassen, unverstanden, der aufwachsen muß mit diffusen Vorstellungen über Sexualität und Religion, die eine groteske Vermischung beider Bereiche zur Folgen haben - er kann nur Schaden nehmen.

W. erhebt hier Anklage gegen das Verhalten einer Gesellschaft, wie es sich in Variationen immer wiederholt. Das Mädchen wird in seiner Naivität ausgenutzt, entehrt, entwürdigt; es ist dem Zugriff 'Erfahrener' preisgegeben." (In: Th.W.: Der Kaiser hat einen Vogel. Erzählungen für Religionsunterricht und Jugendgruppe. Pfeiffer-Verlag: München 1992.)

3]Reinhard Junge, mit mehreren Krimis, die im Raum Bochum-Recklinghausen spielen, zuletzt: "Totes Kreuz" und (Erscheinungstermin: September 1998) "Straßenfest"; alle im grafit-Verlag Dortmund. - Ein gewichtiges Stück der gegenwärtigen Kriminalliteratur findet heute in den Regionen statt, so auch in Ruhrkrimis. Auch hier spielen Recklinghausen und Umgebung mit Straßen und Gebäuden und Dienstpersonal eine Rolle in den drei sogenannten "Roggenkemper"-Krimis von Reinhard Junge und Leo P. Ard (Pseudonym für Jürgen Pomorin): "Das Ekel von Datteln" und die Fortsetzungsbände. Hier zeigte sich, daß der fiktive Roman auch in die reale, politische Wirklichkeit reinzuspielen vermag, wenn er es schafft, bei den Lesern und in der Öffentlichkeit Aufmerksamkeit zu erregen: in diesem Fall den Machtmißbrauch auf regionaler Ebene aufzuzeigen. Aber es wird sicherlich noch mehr gereinigtes Wasser die Emscher runterfließen und die Luft über der Ruhr noch sauberer werden, bis neue Landschaftspoesien über planierte Industriebrachen und herausgestrichene Kumpelsiedlungen sich entwickeln.