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Dienstag, 29. Oktober 2013

Zweimal K n e c h t Ru p r e c h t

Zweimal Knecht R u p r e c h t „familiär“:


- Zur Weihnachtsvorbereitung empfohlen (vom St. Nico) -

> Adwenz? VorweihNACHZ? - Teil 2 >


* *
Paula Dehmel:

Weihnachtsschnee

Ihr Kinder, sperrt die Näschen auf,
es riecht nach Weihnachtstorten;
Knecht Ruprecht steht am Himmelsherd
und backt die feinsten Sorten.

Ihr Kinder, sperrt die Augen auf,
sonst nehmt den Operngucker:
die große Himmelsbüchse, seht,
tut Ruprecht ganz voll Zucker.

Er streut—die Kuchen sind schon voll—
er streut—na, das wird munter:
er schüttelt die Büchse und streut und streut
den ganzen Zucker runter.

Ihr Kinder, sperrt die Mäulchen auf,
schnell! Zucker schneit es heute!
Fangt auf, holt Schüsseln!—Ihr glaubt es nicht?
Ihr seid ungläubige Leute!


* *
Paula Dehmel:

Knecht Ruprecht in Nöten

Knecht Ruprecht kratzt sich seinen Bart
und rückt zurecht die Brille:
Ihr Engelskinder, lärmt nicht so,
seid mal ein bißchen stille!
Kommt, rückt hübsch artig zu mir ran,
seht euch mal das Bestellbuch an!

Was steht hier auf dem ersten Blatt?
was auf dem zweiten, dritten?
was steht am Ende von dem Buch?
was steht hier in der Mitten? -
Ach Weihnachtsmann, wir bitten sehr,
Schick uns doch mal das Luftschiff her!

Hans möchte nach Amerika,
und Fritz zu Tante Lotte,
Kurt durch die Luft zu Großpapa,
Marie zum lieben Gotte;
Georg will bloß nach Neuruppin
mit Zeppelin, mit Zeppelin.

Ach Zeppelin, du Zaubermann,
's ist aus der Haut zu fahren,
das ganze liebe kleine Pack
will bloß noch Luftschiff fahren;
dein Fahrzeug ist ja viel zu klein,
da gehn nicht alle Kinder 'rein.

Ihr Engelskinder, helft mir doch
in meinen Weihnachtsnöten,
baut mir ein Luftschiff riesengroß
mit hunderttaufend Böten,
laßt lustig die Propeller gehn,
da sollt ihr mal die Freude sehn!

Hurra, schreit da die Engelschar,
wir helfen alle, alle.
Nach dreien Tagen, blitzeblank,
stehts Luftschiff in der Halle.
Dank schön, sagt Ruprecht, fährt hinab,
holt alle Jungs und Mädels ab
zur Flugfahrt durch die Welten.
Ob sie sich nicht erkälten?


* ~ *

Originaltitel des Buches, aus dem die zwei Rupprecht-Gedichte entnommen wurden:
Gesammelte Kindergedichte von Paula Dehmel. Herausgegeben von Richard Dehmel mit Zeichnungen von Hans Thoma bei E. A. Seemann in Leipzig 1919“
Vollständig mit den anderen Gedichten aus Paula Dehmels „Das liebe Nest“. Es werden schon Wandlungen im individuellen Wertegefühl von „Gut“ und „Bös“ sichtbar: Der Realismus aus den familiären Grundstrukturen wird im Ansatz übertragen auf Heiligkeitsfiguren.

* * Der Niko – und der Ruper – sie haben wohl in Mitteleuropa alle Kinder in ihrem Werden als von dem Gewissen geprägte Schüler und/(oder) Bürger angesprochen: ob in Bildern, Geschichten oder in ihrer leiblichen Erscheinungsweise.

Hie ein Trost für alle „Früher-war-es-immer-alles-besser-Gläubigen des Heiligen Mannes.


* * Hier trollen sie sich in großer Vielfalt und -zahl – zumeist mit St. Nikolaus - durch die digitale Welt:



* * Weihnachtsgedichte all, überall…


P.S.:

Kurios modern, aber real: Knecht Ruprecht (jetzt quasi-feminin verwandelt) auftretend als Domina.

Post P.S.:

Unte dem Signum < Adwenz? VorweihNACHZ? > werden hier bis Weihnachten, ja bis zum Alt- und zum Neujahr unserer Tage weitere, zumeist zu den niederreicnischen Jahres-und Festzeiten verbindliche oder nichtige Erzählungen oder Gedicht oder
Bilder erscheinen.


< Weihnukka im Dorstener Jüdischen Museum >

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