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Montag, 3. Dezember 2012

Von R a s s e n, die ...



Fontane zu Ehren
 Gabe I

Rassen, die zwischen uns wohnen!

Wie? Was? Kerl du! Wie heißt das? Was meinst du?
Ja: Rassen, die zwischen uns wohnen!
Du meinst „Russen"?
Nein: genau, guttengenau zitatgerecht: „Rassen, die zwischen uns wohnen (…)“
Ach? Also, wer wusste davon? Oder, genauer: Wer wusste davon, wovon die Ludels reden, von den Rassen, die zwischen uns wohnen. Na, gut: Das ist keine heutige Ausdrucksweise!

Ja, eine mustergültige Leistung eines Deutschen, der lebenslang Humanist und Realist und Menschenfreund war. Eben ein Dichter:

Theodor Fontane:
Aber es bleibt auf dem alten Fleck

„Wie konnt ich das tun, wie konnt ich das sagen“,
So hört man nicht auf, sich anzuklagen,
Bei jeder Dummheit, bei jedem Verlieren,
Heißt es: „Das soll dir nicht wieder passieren.“

Irrtum! Heut traf es bloß Kunzen und Hinzen,
Morgen trifft es schon ganze Provinzen,
Am dritten Tag ganze Konfessionen,
Oder die „Rassen, die zwischen uns wohnen“,
Immer kriegt man einen Schreck,
Aber es bleibt auf dem alten Fleck. 

~ * ~ 


Entstanden im Zeitraum von 1885 bis Juni 1889. Der Erstdruck erfolgte in „Gedichte“ (Berlin 1889, bei Hertz). Der ursprüngliche Titel eines erhaltenen Entwurfs lautet: „Bei jeder Dummheit, bei jedem Verlieren“.

Ja, wahrhaftig, Fontane wusste Bescheid in seinem hauptstädtischen Kino, pardon: kaiserlichen Berlin:

„Oder die ‚Rassen, die zwischen uns wohnen’ (…)“ - präziser kann man Fremdenhass nicht aufzeigen, der ein altes deutsches Problem ist, ein nationales System ist.

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