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Donnerstag, 15. Dezember 2011

W a l t e r J e n s - G r e i s und V a t e r



Gespräch des Kulturzeit-Redakteurs und Moderators: Ernst A. Grandits mit Margarete Mitscherlich (6:40 min)
3sat.de (Kulturzeit)

http://www.3sat.de/mediathek/mediathek.php?obj=11713&mode=play

Der Sohn Tilman teilt aus:

Knappe Bemerkungen zu T. J.s Buch „Demenz“:

In Tübingen, wo jeder Hölderlin oder Mörike, Bloch oder Jens zu kennen meint, herrscht eine dörfliche Kulturgemeinschaft. Dass dort Friede herrsche, bitte sehr.

Wo und nachdem Tilman Jens seine Lesetour begann, brachten die Medien freundlich-zustimmende, von Friedlichkeit zeugende Beiträge.

Hier liest Tilman von sich: Jens gegen/über Jens, in Auswahl:

http://www.focus.de/kultur/buecher/tilman-jens-lesung-ausgerechnet-in-tuebingen_aid_375330.html

http://www.zeit.de/online/2009/10/tilman-jens-lesung

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Hubert Spiegel: Walter Jens. Wenn der Mensch schweigt, sprechen die Dinge

http://www.faz.net/s/Rub642140C3F55544DE8A27F0BD6A3C808C/Doc~E6832657D61EA4B87AA6BE46059FE1547~ATpl~Ecommon~Scontent.html?rss_googlefeed

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Dass T. Jens überwiegend einen mitleidfähigen Sohn demonstriert, ist dort angekommen.

In seinem Buch finden sich auch etliche Sätze auf etlichen Seiten, die von der menschlich schwierigen Situation im Hause Jens seit dem Vollausbruch de Demenz; was jeder Mitfühlende sich vorstellen kann; allerdings ist das hoch privilegierte Milieu der Eltern Jens hier gleichzeitig Grund und Folge der ganzen Malaise, der Bekanntheit, des Interesses, der Lamentationen und der dumm-dreisten Fehldeutungen.

Was T. Jens in seine Vater-Erinnerungen einstreut – und meine Zustimmung ganz und gar nicht findet, sind seine psychologischen (teils hirnphysiologischen; auch wenn er diesen Begriff nicht verwendet) Bemerkungen und Begründungen (ausgegeben als Erkenntnisse und Wissen) und seine politisch-doktrinären Rundumschläge über die Erinnerungslosen, die Schweige-Deutschen (sein Vater oder der schlimmste aller Leugner oder unwilligen Erinnerer: Günter Grass…)

1. die medizinischen Erkenntnisse sind absolut dünn; die Hilflosigkeit als Störfaktor folglich sehr groß; der behandelnde Arzt weiß auch nix; das ist Welt-Gesamtniveau der Medizinmänner;

2. Drei Bücher erwähnt T. J., die fast rein prosaisch-erzählender Natur sind: Suter und Murdoch. – Dazu:

2.1 Sutor bietet etwa acht solcher komischen Beschreibungen von Alzheimer-Männern, die seltsam und bedrückend, ja horribel sind.

2.2 John Bayley: Elegie für Iris. Aus dem Engl. von Barbara Rojahn-Deyk. Beck, München 2000

2.3 Stella Braams "Ich habe Alzheimer". (Wie die Krankheit sich anfühlt. Beltz Verlag (Weinheim, Basel. 2007). Es ist sicherlich das ergiebigste für T.J. gewesen. – Deren „Vorurteile“ zitiert er auch (S. 116). Das sechste - bei Demenz sei nichts zu machen - hätte er aber besser bedenken sollen.

3. Aber für kathartisch und erkenntnissichernd würde ich nur die Filmbiographie „Iris (2001) einschätzen, in der zwei Schauspielerinnen die „Iris“ verkörpern, in ihrer Haltung, in ihrem Sätzen, die Iris ausmachen (Judi Dench und Kate Winslett): Hier wären Ansätze gewesen, die über den reinen Ego-Bessermacherei-Gusto hinaus wirksam sind.

http://de.wikipedia.org/wiki/Iris_(Film)

Respice finem libri et vitae poetae et patris familiae:

Sowohl die Fälle Walter J., S. Lenz als auch Günter Grass sind absolute Einzelfälle, in ihren schwierigen Bedingungen als Jungs (als Student oder Soldaten) vor 45, in ihrem solitär-genialen Werk und ihrem makellose demokratischem Leben und erzählerischen und dokumentarischen (für W.J. wissenschaftlichen) Werk bis in unsere Tage.

Die Erzählung über Alzheimer von Peter Stamm “Dämmerung“ besagt mehr, als die jahrelangen Versuche von T.J. den Vater moralisch zu belasten und sich zu exculpieren, indem er dem Vater eine historische und erinnerungstechnische Schweinerei unterstellt.

Aber hier der Sohn - der unstudierte, aber an allen kulturell auffälligen Orten und Örtlein hinein quatschende Besserwisser. Der keine einzige Bewährung wie die Todesnaherfahrungen und der „black-box-„Intelligenten der jungen Generation, die sich zur Gruppe 47 und zu Freunden und Garanten fanden. Junge Männer, denen keine Väter zur Seite standen; sie waren früh gereift in unmenschlichen Bedingungen der Schulen, der Wehrmacht, der Waffen-SS oder der universitären Doktrinage.

Der Junge, der sich einem Vater durch Ignoranz auf die Schulter stellen will: Siehe, ich bin doch größer als du; der Mitleidsstellen schreibt und liest, auch öffentlich, wie sie seine Mutter auch teilt; er schwingt sich auf: „Ich bin dein Gewissen. Dein schädliches! Dein schändliches!“ Als Wahrheits-Stecher.

Eine Erzählung von Walter Jens werde ich fortan immer – und ich lese sie seit mehr als 25 Jahren mit Schülern, mit Freunden, mit Diskutierenden in Senioren-Treffs - ich lese sie auch als Allegorie auf einen Unschuldigen, der unter arrogant Unwissende fiel:

Bericht über Hattington“

Einleitung und trügerische Exposition der Handlung:

„Der Winter kam in diesem Jahr sehr früh; schon Mitte Novem­ber hatten wir 15 Grad Kälte, und in der ersten Dezemberwoche schneite es sechs Tage lang hintereinander; am fünften, einem Mittwoch, brach Hattington aus. Er hatte offenbar damit gerech­net, daß der Schnee seine Spuren verschluckte ‑ und diese Rech­nung ging auf.“ (1963 erschienen in: W.J.: Herr Meister. Dialog über einen Roman. München 1963. S. 32-38. – Welche Rechnung „aufging“ muss jede nachlesen...).

Das Eigentliche aber:

Im Kern seines jahreslangen Strafgerichts (… über Vater und „deutsche Geister“:

Tilman Jens hält offensichtlich – ohne das zu bedenken - das Psychische für grenzenlos manipulierbar.

Er glaubt, dass sein Vater rational-kognitiv, willentlich – oder aus welchen Gründen oder Motiven; ja, bitte, sehr… - ich höre zu; dafür gibt es die Kommentare hier!) in sein Vergessen abtauchte, sich mental auszulöschen für würdig, wert oder für zwanghaft notwendig oder gegeben oder aufgefordert oder nur automatisch-zwingend hielt.

Aber: eigentümlich!

Ich glaube aber: Es ist – was ich aber nicht behaupten, sondern nur psycho-logisch herleiten will (vorausgesetzt sei: die Psyche wäre so eigen- oder fremd-manipulierbar):

Ja, es ist viel logischer, wenn ein sensibler, einsichtiger, psychisch ein Leben lang kompetenter, sprachlich eigenverantwortlicher Mensch sich aus dem Zusammenhalt seiner für integer geglaubten Gemeinschaft an den Rand gedrängt, ja geext fühlt.

Aber, bitte, sehr: Ich bin kein Retourkutschenfahrer! Ich möchte über niemanden, der sich mir nicht öffnet und mich nicht um Rat fragt, keine psychologischen Gut- oder Schlechtachten oder - gar noch schlimme - moralischen Urteile abgegeben.

Völlig überrascht haben mich zwei Krankheits-Fakten aus dem Leben W.J.s; nicht, weil sie auftreten – sondern wie sie behandelt wurden:

1.

Des Vaters jahrlange, schwere Abhängigkeit von Benzodiazepinen, die ja gewohnheitsmäßig von Psychiatern oder Neurologen als „neurotische Fehlhaltung“ diagnostiziert wird. (ICD „F13.2 Psychische und Verhaltensstörungen durch Sedativa oder Hypnotika (Abhängigkeitssyndrom)“. – Dazu kein Wort von T.J.; keine Überlegung zu Entstehen und Pflege und dem Krankheitsgewinn, die sich aus solchen psychisch passiven Zuständen ergeben…

Aber, nicht das – nein: was mich aufregt, ist, dass dem 82jährigen eine klinische Entgiftung, ein Entzug (… von Ärzten und der Familie) zugemutet wurde, die schwerste Schädigungen von Gehirnzellen als irreparable Folge hervorgerufen haben muss. – Aber noch wichtiger. Ich glaube, dass ein Mensch, der mit seiner, der Jensischen Geistigkeit sich dieser Scheiß-Psychiater-Prozedur, bei der natürlich eine psychologische Erkundung der Familiensituation ausgeschlossen war, schon seinen Gesundungswillen aufgegeben hat und sich in die unvermeidliche Entspersönlichung als Grund oder Begleiter der Depression eingewilligt hatte (natürlich hilflos und ungewollt). – Von psychotherapeutischer Behandlung, einer Langzeitentwöhnung) in einer Fachklinik für Psychosomatik ist keine Rede. – Das alte, kalte Elend von Angehörigen, die nicht mitfühlen wollen… - wohl bedauernd, aber unbeteiligt, nicht co-abhängig.

2.

Die Unterbringung des Vaters für 7 Wochen in einem Schweizer „Heim“, wo er absolut nicht hingehörte, vom verfügbaren Geld, von den geistigen Anforderungen und vom ästhetischen Minimum her; bei unwürdigsten Umständen – während der Hüftoperation der Frau Inge Jens – ist eine Ungehörigkeit, die auch ein „gutwillig“ anreisender Sohn erkennen und schleunigst hätte verändern müssen. No help! Der Vater am Gitterzaun einer Anstalt: der Vater eingesperrt – der Sohn auf und davon!

Einschub:

Ich bin in meinem Leben (als Student und als Buchhändler bzw. Lehrer) Walter Jens begegnet.

Einmal – mit einigem Aufsehen der versammelten Studenten und Dozenten - als Diskutant, der ihm zu Hofmannstahls „Lord Chandos-Brief“ einiges an Erstaunen abrang. – Das ist zwar dieselbe Geschichte, nämlich der Verlust der Sprache als Verrotten der Wörter im Mund; aber sie fällt nicht mit dieser meiner Absicht zusammen, über ein kurioses und un-ver-söhnliches Buch eines in Psychologie und Sprachbewusstsein ungebildeten Schreibers zu urteilen.

Das widerspricht nicht dem Verfahren, dass Tilman Jens wohl schon über oder mit hundert Menschen oder Figuren öffentlich oder in (geschnittenen) Filmen gesprochen, diskutiert, interviewt, gerichtet … - sie also drapiert und fixiert hat.

Er hätte sich in öffentlichen Urteilen seinem Vater gegenüber nur im Dialog mit ihm; und nach seiner psychischen Erkrankung, die nicht erst nach irgendwelchen politischen Daten oder Fakten ausbrach, schweigend, zumindest solidarisch verhalten müssen:

Weil jedes Kind befangen und inkompetent ist gegenüber seinen Eltern und nächsten Verwandten; ja, hier ein nicht mehr lernender Sohn seinen geistigen und politischen Über-Vater zu richten versuchte.

Er darf dienen und dokumentieren, wenn er sich öffentlich gerieren will.

Er darf sich literarisch äußern.

Natürlich, er darf sich auch blamieren. Und solche Kritik sein Leben lang nicht mehr einsehen wollen. Wenn es ihm sein Über-Ich nicht gestattet.

Ad fines:

Ich stelle hier nur eine Kurzfassung zu T.J.’s Demenz-Buch ein:

Aus Tilman Jens' Buch kann man etwa 13 Seiten herauslösen, die konkret, mit viel Elends-Symptomatik, das Leiden des Vaters intensiv als Mitleid des Sohnes beschreiben, ja betreiben sollen; fast alles kursiv gesetzte Zitate, die kein Leser überprüfen kann; nur Frau Inge Jens.

Dass er als Vater in diese familiäre und angeblich deutsche, geistige Elends-Filiokratie geriet, war nicht Walter Jens' Wille.

Der große Rest des Sohnemann-Buches ist dummes, dreistes Verabsolutieren und Schmähen und Rechthaben-Wollen ob der völlig unwichtigen ""Geschichten" vor 1945; nicht nur bei Walter Jens (der seine nicht mehr erinnerbaren Vorgänge sehr und überzeugend schamvoll bedauert hat; in einem TV-Interview mit seinem Sohne, das T.J. hier fast völlig unterdrückt) - auch bei Siegfried Lenz - und besonders bei Günter Grass, den T. J. gnadenlos gerecht, d.h. kindisch-böswillig, herunterzumachen versucht. - Alle drei Poeten waren vor 1945 in der Diktatur verführte Jungs (ob als Soldaten oder Studenten) - waren glückhaft Davongekommene (weil Millionen verdarben) mit höllischen Todeserfahrungen - aber mit dem Mut zu Neuanfang, Offenheit und Verantwortungsbereitschaft.

Tilman Jens führt sie vor als Prototypen deutscher Schwarz-Weißidiotie vor - er diagnostiziert lakonisch-mephistophelisch: "... in einen ach-so-deutschen-Doppelleben". - Was er weder belegen, noch beschreiben kann. Und auch nihct nachvollziehen will. Er ist leidensunfähig!

Da wirft ein der Literatur und der Geisteswissenschaften - besonders dem tiefenpsychologischem Verständnis – ignoranter Schmähling, ein unfähiger Skribent, mit beliebig ausgewählten Steinen, die er als unstudierter Sohn und zu Recht Kritisierter gesucht hat - der gewohnheitsmäßig mit Montage umgehende Filmfritze, geübt in Doku und Drama als montierbarem Schutt.

Vermutung als Hoffnung für andere Zeiten – und für mich das Fazit aus dem Familiendrama per filium et pecunia publica aut media :

Dass Walter Jens noch immer da gehalten wird als lebender, geschmähter Leichnam, wäre z. B., wenn die Familie in den Niederlanden leben würde, mit Hilfe von Psychologen oder Geistlichen und Ärzten kaum wahrscheinlich.
Dort hätte ein solcher Sprachen-Geist und Familienvater als Vorbild und eigener Herr, mit Unterstützung seiner in Einverständnis lebenden Familie, einen gnädigen, ehrenvollen, würdigen, gewünschten Tod finden können.

Zusatz:

"Es gibt nichts Ver-Söhnliches, wenn es nicht ver-Ständlich und Mit-Leidendes ist.

Wer meine Rezension, die die anderen, literarischen und psychologischen Aspekte näher aufgreift, sucht, der wird und kann sie auch finden.

In Tübingen, wo irgendwie offiziell-kulturell.-schulisch garantiert jeder (Frau- und Männlein)Hölderlin oder Mörike, Mayer oder wen und Bloch oder Jens zu kennen meint, herrscht keine solidarisches Kleine-Leute-Familien-Lebensgemeinschaft mehr. Es ist sozialstaatlich organisiert, wo das private Elend kein öffentliches Leiden mehr ist. Wo Sozial- und Medizinagenten ihr Einkommen und ihre Standesprivilegien haben – zum Mitleiden unfähig. Sie verwalten elendige und medizinische Fälle – mehr nicht. Privat haben sie damit nicht zu tun. Nichts zu tun! Lediglich was in ein Leistungs- und Verrechnungsschema passt – ist ihre abfragbare, notifizierte Gesinnung. – Den Nachbarn… - den Todesengel stellen? Undenkbar!

Die Familie ist autark. Sie ist sozial, bindungsmäßig, verwandtschaftlich isoliert. Wo sie auftritt, tut sie es aus Gefallen, um zu sponsern oder gegen Honorar.– Die negative Seite dieser glanzvollen Zeit sich, wenn das Unglück sie trifft. Wen man nicht mehr arbeiten kann, tritt die Kranken, die Pensionsversicherung ein. Wenn man sich mehr aus eigenen Kraft, eigenem mentaler Selbständigkeit leben kann, aber auch noch nicht sterben kann – ist eine solche soziale Zelle als Kleinfamilie geschädigt..

*

Fortgang einer Meinungsbildung:

Das Gespräch mit der Psychoanalytikerin Margarete Mitscherlich

Interview mit Margarete Mitscherlich über Tilman Jens’ Bestreben, seinem Vater eine „blöde“ und „blödsinnige“ Flucht in die Demenz nachzuschreiben:

4.03.: Heute – um 9:05 h die Wiederholung der gestrigen Kulturzeit-Sendung auf 3sat.de

http://www.3sat.de/kulturzeit/

kometa3sat

Ich erlaube mir, auf meinen Beitrag bei zeit-online zu verweisen:

Kritik des Sohn-Vater-Buches "Demenz":

'Des Sohnes montiertes Vaterbild'

http://kommentare.zeit.de/user/kometa/beitrag/2009/03/03/des-sohnes-montiertes-vaterbild

*

Götz Aly (in: „Was wusste Walter Jens?“ - © DIE ZEIT 15.01.2004 Nr.4) hat festgestellt – und T. J. geht darauf nicht ein:

„(…) Stellt man die Ungefestigtheit und Experimentierlust eines nicht einmal 20-Jährigen in Rechnung, dann handelt es sich um eine Bagatelle, die der öffentlichen Erörterung nicht wert ist. Vor allem gilt es stets zu bedenken, wie massiv und für uns Heutige kaum vorstellbar die ideologischen und politischen Zugkräfte waren, denen ein Student der Jahre 1941/44 ausgesetzt war. Weltanschauliche Schwankungen zwischen Anpassung und Abkehr, wie sie diese Biografie zeigt, finden sich auch in den Biografien des deutschen Widerstands. Entscheidend bleibt, dass sich Walter Jens die Möglichkeit zur Umkehr – noch während der NS-Herrschaft – bewahrte.“

http://www.zeit.de/2004/04/W_Jens

Ich biete hier auch noch zwei Nachträge:

1.

Ein dramatisches Stück von Walter Jens: "Der tödliche Schlag".

Odysseus, der Griechenfürst, räumt auf nach dem Fall Trojas auf.

Im Theaterstück "Der tödliche Schlag" von Walter Jens tut der Listenreiche das auf spezielle Weise: Scheinheilig betend kippt er die Leiche seines pazifistischen Kameraden Philoktet gewaltsam von der Bahre. Den hat er kurz zuvor umgebracht, den Mord der Gegenseite angelastet und so den Kampf gewonnen.

"Wir wollten zeigen, wie selbst Gegner des Krieges von ihm instrumentalisiert werden", erläuterte Regisseur Axel Krauße.

Ob wer da noch eine andere Interpretation bei der Neuaufführung erfasste…?

http://www.fr-online.de/in_und_ausland/kultur_und_medien/feuilleton/1686109_Urauffuehrung-Walter-Jens-Fokus-auf-die-Sprache.html

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Zum Buchlichen:

Die literarischen Arbeiten von W.J. sind fast alle weg vom Fenster (des Buchmarkts), schade:

W. J.: Die Verschwörung. Der tödliche Schlag. Zwei Fernsehspiele. (= Serie Piper 111). Piper, München.

2. Leserbrief-Meinungen zu der Kritik der Iris Radisch zu W.J.s Buch „Demenz“, in der ZEIT:

„Armer Walter Jens!“

Leserbriefe in ZEIT Nr. 9/2009 zu:

Iris Radisch: »Der Mann seines Lebens« nr. 9

„Tilman Jens hat sämtliche Schlachten verloren. Walter Jens war ihm immer überlegen. Der Knabe, der irgendwann erwachsen wird, gibt den Kampf so lan­ge nicht auf, bis er einmal die Über­macht besiegt. Der Knabe, der nie er­wachsen wird, verdrängt und wartet auf den Augenblick, in dem der ewige Geg­ner wehrlos wird. Dann schlägt er zu. Der Erwachsene kann einem Wehrlosen vergeben. Ein Kind nicht.“

Ein Leserbrief von Karl Mauck, Kelkheim/Taunus

„Danke für Iris Radischs fundierte Kritik am geschäftstüchtigen Tilman Jens. Sie machen es aber nicht viel besser, indem Sie einen ungewöhnlichen, zu­sammenhanglosen Augenausschnitt des »linksintellektuellen Gewissens der al­ten Bundesrepublik« bringen. Die Dar­stellung altersgemäßer Veränderungen im rechten Augenwinkel, der Alters­flecken und der Pupillendifferenz spricht auch nicht gerade für Ihre Achtung vor dem Alter. Sie wollen doch nicht an den Blick eines Prima­ten erinnern? Das könnte man aber meinen.“

Dr. Claus Richter-Haffelder. Heidelberg

Wiederholter TIPP: Radischs Rezension zu „T:J.: Demenz“:

http://www.zeit.de/2009/09/L-Jens

„Der Mann seines Lebens . Tilman Jens verklärt und denunziert seinen an Demenz erkrankten wehrlosen Vater Walter Jens

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