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Mittwoch, 28. Dezember 2011

Ernst Wiechert: D i e M a g d





- Weihnachtsgeschichten allerorten : Folge III -



Fernab, irgendwo, wahrscheinlich in Masuren (im heutigen Polen), spielt dieses fast unglaubliche Weihnachtsgeschichte, als dort noch viele Deutsche wohnten und der alles Geschehen und alle Grenzen verändernde Krieg, der zweite Weltkrieg, noch nicht ausgebrochen war:



E r n s t W i e c h e r t : D i e M a g d



(Die Kurzgeschichte ist 1935 entstanden; zuerst 1936 in der Erzählsammlung "Das Heilige Jahr" erschienen.)


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Eine alte, altertümliche, seltsame ADVENTs-Geschichte, die gleichsam neben uns stattfindet. Die nicht irgendwo in der Phantasie, in der biblischen Welt der vielen gutgemeinten Geschichten steht – sondern sie wahr macht mit diesen Bedingungen, die jeder Erwachsene kennt oder doch nachvollziehen kann, geschichtlich, politisch – eine dienstfleißige junge Frau: Schwangerschaft mit einem Erzeuger, der kein liebender Mann ist; arbeitslos geworden, ohne Hilfe; unterwegs mit der Idee, sich umzubringen...

Die eigenartige Bitte um Hilfe ist vergebens; und die junge Frau wird fortgeschickt vom Pastor...

Ja, die Erzählung bricht ab, vor der zu vermutende Katastrophe. So gibt es kein Erzählende, keine „heilen Schluss“. Ein „happy end“ schon gar nicht. Unsd so bleibt die Handlung in meinem Gedächtnis: Diese junge Frau, die auch damals in den 30er Jahren nach den „Gesetz“, wie es im Text auch erwähnt wird aus altem, hartem Mund, eine Jungfrau war. Wie alle Jungfrauen, die je eine Liebe, eine Familie, einen Lebenssinn suchten. Ein schwangeres Mädchen, das man (Bauer und Bäurin und Bauerssohn) wegschicken konnte.

Ein Ende, das nicht endet: Damit die Geschichte Christen im Gedächtnis bleibt. Die an die Weihnachtsgeschichte glauben, an das beschworene „göttliche Kind“.

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Advent - als Erwartung vor der Haustür und im Probensaal der Krippenspiels eines Geistlichen; und überall, wo Weihanchten geprobt wird...

Auch - zum vierten Adventssonntag und die Festtage später: als Ergänzung, als Anregung und als Nachfrage - warum Ernst W i e c h e r t als Dichter so verschollen ist...

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Weitere Angaben:

Aus: E. W.: Sämtliche Werke. Bd. 6. München 1967. S. 485-491. - Das Copyright liegt bei der Familie der Stieftochter Ernst Wiecherts in den USA bzw. dem Verlag Langen Müller in München.)




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