Ad-Surdes &ProFessionelles zu V i r g i n i a W o o l f:
Wahres, immerzu W a h r e s <in stilo et in poeticis et in
brevitate v i t a e litterae]
Virginia Woolf und ihr
Desaster <nach Freudscher Theorie>:
In
führe weiter den AufSatz: Virginia Woolf und Sigmund Freud von
Susanne Hatmann an:
https://www.ssoar.info/ssoar/bitstream/handle/document/31281/ssoar-1995-1-hartmann-virginia_woolf_und_sigmund_freud.pdf?sequence=1
Virginia W o o l f s Suizid-Erklärung:
Von Virginia Woolf -
https://www.brainpickings.org/, Bild-PD-alt,
https://de.wikipedia.org/w/index.php?curid=9397469
Ihr niederschmetterndes
Ergebnis ihres Lebens mit ihrer Suizid-Erklärung gegenüber ihrem
Mann lässt folgende Fragen ungeklärt:
Ihr künstlerisches
SelbstVerständis (als Emotion): Es - als ihre literarische Psyche, war erschöpft.
Alles, was V. W. in ihrem Werk erarbeitet hatte, endlos beschäftigt,
immer wieder tastend und im Ergebnis (in summa:) unsicher, labil,
lyrisch-verschmolzen: Alles ist in einer Banalität
nieder-geschrieben,einzig für ihren Mann, dass ich mich
fragen will, wie kann man am Finis mortis, realiter am Lebensende so
viel banal aufschreiben, ohne Erklärungen zu geben?
Ihr peripheres Wissen um ihre
Krankheit: Nie aufgearbeitet; immer nur erprobt, versucht, nicht
substituiert, um von den normalen realistischen Erzählweisen (der
englischen Tradition) zu abstrakten Formen der gekünstlerten
Unterhaltung zu denken; die ihrem eigenen Gehirnstruktur zupaß kamen, als sie ehrlich von ihrem Ehemann Abschied nahm, ein völlig
expositorisches Textlein, mit drei Paraphrasen, das in ihren hoch-gestellten Ambitionen ihrer verbalen Künste völlig enthoben
war. Spricht man so ad thantaos autos, wenn die eigene, so hart angestrebte Kunst versagt? (Nein, es
gibt viele Abschiedsbriefe, die poetisch gestaltet sind; immer
denk-kulturellen Zuschnitt der Familie oder dem/der Geliebten
zugewandt, zu-getext ...). Hat sie sich völlig auf die verbalen
Bedürfnisse ihres Mannes angepasst, sich ihm emotional-suzidal ergeben?
Ist sie hatte
(leider) keine Kenntnisse von pharmokologischen oder anderen
Arzneien (natürlichen Substraten!) Subtanzen, die bei
Depressitvität, bei Neurasthenie, bei sublimen Formen der
Erschöpfungszustandes hätten helfen können. (Warum gibt es da in
der Gegend der
Künstlerin Gärten und SpazierVerLäufe <auch heute>
für Touristen in Gärten, die man erfassen/erfahren kann? Gab es in
ihrem Bloomsbury-Kreisen keinem/keine, der/die sich erfahren war,
andere Arzneien, in Jahrzehnter langer Tradition erprobten
Natursubstanzen?
Ihre Formulierungen
im Brief selbst sind so „beknaut“, so erschöpfend, so
untauglich an künstlerischer Struktur, sich wiederholend – ohne
eine wirkliche psycho-.logische Information: anders ausgerückt: ich
mach, was ich kann - und stelle die Behauptung auf, die so minial
unterschiedlich sind: Sie sind in dreifacher Hinsicht
paraphrasenhaft. – Warum drückt mensch sich und dem anderen
(Geliebten, Partner, Ehegatten) seine Liebe in dreifach gesteigerter
Phrasierung aus? Muss mensch ihn über-zeugen? „I feel
certain I am going mad again.“ - „mad'“; „mad again“; „I
am going mad ...“ [Aber, wer kann schon wissen, was&wie&warum V.W.
und ihr Ehemann L.W. unter „m a d“ verstanden haben; sie hatten ja
auch eine gemeinsame Suizid-Vereinbarung im&wg. des Krieges
geschlossen....]
Hier, wird von
mehreren Suizid-Versuchen des V.W. berichtet:
https://en.wikipedia.org/wiki/Virginia_Woolf
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Liebster,
ich spüre mit Sicherheit, dass ich wieder verrückt
werde. Ich glaube, dass wir diese schreckliche Zeit nicht noch einmal
durchstehen können. Dieses Mal werde ich mich nicht erholen. Ich
beginne, Stimmen zu hören, und ich kann mich nicht konzentrieren.
Ich tue also, was das Beste zu sein scheint. Du hast mir das
größtmögliche Glück geschenkt. Du bist mir in jeder Weise all das
gewesen, was jemand sein kann. Ich glaube nicht, dass zwei Menschen
hätten glücklicher sein können, bis diese schreckliche Krankheit
kam. Ich kann nicht mehr kämpfen. Ich weiß, dass ich Dein Leben
verschwende, dass Du ohne mich arbeiten könntest. Und das wirst Du,
das weiß ich. Du siehst, nicht einmal das hier kann ich ordentlich
schreiben. Ich kann nicht lesen. Was ich sagen will, ist: Ich
verdanke alles Glück in meinem Leben Dir. Du unglaublich geduldig
und gut zu mir. Ich möchte das sagen – jeder weiß es.
Wenn mich jemand hätte retten können, wärst Du es gewesen. Mich
hat alles verlassen außer die Gewissheit Deiner Güte. Ich kann Dein
Leben nicht länger verschwenden.
Ich glaube nicht, dass zwei Menschen hätten glücklicher sein
können, als wir es waren.
V.
* ~
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Virginia Woolf gab ihren inneren Stimmen in ihrer Literatur – weitgehend, mit vielen Schwankungen und
Veränderungen - einen finalen Platz (wenn sie den Text veröffentlichte). Sie gilt als eine der ersten Autorinnen, die
den inneren Monolog in ihren Werken <teilweise> zur Vollendung
brachte und so die Seelenlage ihrer Protagonisten wirkungsvoll
ausdrücken konnte [wie es K. Mann (s. u.) beschrieb]. Das gelingt ihr auch in ihrem Abschiedsbrief, in
dem sie emotional schildert, was sie trotz aller Liebe zu ihrem Mann
zu einer solchen Handlung treibt: Tod & Ergebung in einen 'Wahn',
den sie „Verrücktheit“ nennt. Das Schreiben war für sie
therapeutisch, ebenso wie ausführliche Gespräche über Literatur,
doch letzten Endes schien auch das ihr nicht mehr zu genügen: Sie
verschied, sie gab auf, sie wollte sich erlösen. Sie trennte sich
<schriftlich> von ihrem Mann (dem sie sich verantortlich fühlte: ein freiwilliges Geständnis zu ihrer SterbeWilligkeit, ohne BeiHilfe zu verlangen: Die Sprache ihres Dokuments ist absolut kunstLos konzipiert, liebevoll-willig ergeben ihrem Ehemann, dem sie sich bedingungslos anvertrauen kann/will. Es ist final, gemeinschaftlich geprägt nach ehelich-liebenden Verständnis (wie sei es zeitlich-ehelich nie erfahren hat; ihrem eigenen Verständis zuFolge).
* ~
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Ein Auszug aus eine
nomal-stimmigen Abhandlung zu Woolfs Symptomen nach Freudschen
Theorien:
„Obwohl sich in den
späten 20er Jahren die enge Verbindung zwischen
Bloomsbury und
der Psychoanalyse gefestigt hatte, war Virginia, als
einzige in
der Gruppe, gänzlich der Idee abgeneigt, sich analysieren zu
lassen.
Alix erinnerte sich kurz vor ihrem Tod: 'James wunderte sich
oft,
warum Leonard Virginia nicht überredete, aufgrund ihrer
Nerven¬
zusammenbrüche einen Psychoanalytiker aufzusuchen. Es
gab damals
Analytiker, die ausreichendes Wissen gehabt hätten, um
ihre Krankheit
zu verstehen'". (Meisel & Kendrick
1986, S. 308-309)
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Klaus Mann (1929), der als erster eine literarische Initiation der V. W. im Deutschen leistete: "Die
englische Schriftstellerin Virginia Woolf ist sehr in Mode, was
mißtrauisch gegen sie macht. Ein geistreicher Kritiker hat sie als
«Joyce für Damen» verulkt; das scheint mir ungerecht, denn sie
prätendiert nichts, was sie nicht ist." (Klaus Mann [1929]: Zwei
europäische Romane. (Virginia Woolf und Jean Cocteau). - In:
Klaus Mann. Auf der Suche nach einem Weg. Berlin: Tansmare Verlag
(1931). S. 227-234. - Abdruck aus: K. M.: Die neuen Eltern. Aufsätze,
Reden, Kritiken 1924- 1933. Reinbek/Hamburg 1992. S. 207-211.
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Im Deutschen: Es gibt
komische, von inhärenten, modischen Interessen gespeiste Veröffentlichungen,
ob's Kumpel&Füllereien oder von Journaillisten, die
nicht literarisch, schon gar nicht psychologisch gebildet erscheinen
- ersonnen:
https://www.spiegel.de/kultur/szenen-einer-ehe-a-2d467921-0002-0001-0000-000013529765
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Diese Einschätzung des menschlihen & literarischen Falles V. W. ... ergibt sich nach genauen Kenntnissen von 31 suizidalen Fälle in menem Leben >seit dem 16. Jahr>; aufgrund meiner sozialwissenschaftlichen Studien und meines Erlebens mit suizidalen Patienten in einer kirchlichen Praxis der 'Anhörung' <accueil für Menschen der Straße>. Ich bewerte V. W.s Erklärung als Bekundung ihres iind ividuelle Lebensendes, als finis vitae cantici; aut: Finis coronat vitam et opus [Ovid in Heroides (2, 85)],
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Nachtrag: 16.02.2023:
Roger Fry: Porträt Virginia Woolf, um 1917
Virginia Woolf:
Zitate. ,,Sprüche“ –
hehre AusSagen; allenfalls AusDruck von Missbehagen,
MissFlüchtigKeiten. (Geheimnivoll
Femines. EntSetzen ob maskuliner Überlegenheit, die
sie (sehr wohl) gerne selbst an/über/nommen hätte … - wenn sie
anders gestaltet – und sozialisiert worden wäre [sie selbat hätte
sozialiseren können!]: ein perönliches Unvermögen, das sie
theatralisch formuliert (in den verbalen AusFlüchten; was in ihren
Romane äußerst selten/dezent/schattenhaft/ver-heimlicht …
vorkommt.
Ich vergleiche diesen psychischen BeFunde mit
typischen Mörikeschen Angaben für Depressionen, Melancholien,
Missbehagen seinem seelischen UnBehagen: – das vollkommen
klar-intim ausgedrückt wird (in
Briefen an seinen Umkreis - Mutter, Schwester. Freunde/Feundin: Braut
(genannt), Literaten - :
Eduard
Mörike: Zur Hypochondrie; zu seiner Hypochondrie [egal, wie man sie heuee ärztlich nenen mag:Dystonie; psychische Störungne, affektive Dilemmata,cognitive Dissonanz, schizophren oder schizothyme Beeichträchtigen; etc.:
„INNERE NOT“: Laße
dies Herz alleine haben / seine Wonne, seine Pein.
Ich bin jetzt so ziemlich zufrieden … Ziemlich zufrieden
sage ich. wenn der Satan Hypochondrie nicht wäre, denn dafür erkenn
ich ihn selber in guten und nüchternen Stunden. (An Ludwig
Bauer. 9. 12. 1827. EM: HSK. Bd. 10; 198f.))
Als meiner hypochondrischen Natur ... tepesziere [lat.
depascere: abweiden] ich mit Leid und Freude gerne so fort; sonst
komme ich aus dem Gleichgewicht. (Brief an Kaufmann v. Juli
1825). EM: HSK. Bd.10. 103f.)
... halb weinerlich und lustig bewegt mich ein sonderbarer
Wechsel von freudigem und herzlichem Mute und von zaghafter
Schüchternheit. (An Gustav Schwab v. 22. 3. 1828. In.: EM: HSK: Bd. 10. S. 203f.
* ~ *

Kaum bin ich hier angelangt, bestes
Kind, so gibt es schon wieder Gelegenheit, die Madel nach Grötzingen
zu schicken, und ihr ein liebes Wort an Dich mitzugeben. O Herz! wie
seltsam hat es die kurze Zeit, als ich von Dir bin, in meinem Innern
gewechselt! So lang ich unterwegs war und in der frischen glänzenden
Winterluft, wiegten sich meine Gedanken nur in einer Art von
glücklicher Dumpfheit hin und her, kaum saß ich zu Haus, so fehlte
mirs an allen Ecken und Enden, eine unerklärbare Unruh kam über
mich; nicht blos das Heimweh nach Dir, nicht die Starrheit der alten
Einsamkeit, nein, eine ganz neue unbekannte Trauer zog mir die Brust
zusammen, aber Deine Gegenwart, ein Wort von Dir hätte mir doch
allein geholfen.
Ich warf mich matt und abgespannt aufs Bette und
fand, wie seit langer Zeit nicht, wieder eine Zuflucht in dem Troste
unverhaltner Tränen. Es ist das einer von den rätselhaften
Augenblicken, von denen es heißt: sind wir ein Spiel von jedem Druck
der Luft?
Du hast Dich deswegen auch nicht drum zu kümmern und
ich hätte füglich nichts davon gesagt, wenn mirs nicht eine
Erleichterung, ein Bedürfnis wäre, Dich eben in dieser Wehmut
herbei in meine Arme zu ziehen, gerade jetzt Dir zu sagen, wie ganz
Du mich durchdringest! (…) - (An
Luise Rau: lattenhardt, den 2. Dezember 1829. Mittwoch Abend)