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Freitag, 16. März 2012

E r z i e h u n g s k e u l e (n)











- Eine reiche Ernte, eine reife Lesefrucht -



(Antikommunistische) Erziehungskeulen

… und die demokratischen Folgen


Neues von Keulen? Nein, nicht von den Sportkeulen, die das Hin- und Her-Gewupper von jungmädchenhaften Hinterchen in ihrer morgendlichen Bedeutung für Sportlehrer festhalten mögen).


Nein, wahre Komposita, die man sich zusammenkeulen muss, um wirkungsvoll zu rhetorisieren:


Beziehungskeule, Auschwitzkeule (oder: nur im Plural, um die Vielfalt solcher Schläge, Schlagwerkzeuge und Schläger zu kennzeichnen: Auschwitzkeulen*], deren Wirkungsgrad dem SensibelSchreiber Walser, Martin, über den TV-Wahrnehmungswillen hinausreichte; ihm, der immerfort Leser- und TV-Wahrnehmungswille für eigene Werke beansprucht; ja, sogar von seiner Lebens- und Glaubensmilch den HimmelreichSchmand je älter, je fließender ediert);

Euthanasiekeulen (á la Niederlande) – nein – sie sind es nicht, die mich erfreun


Erziehungskeule (ja, auch im Plural: Erziehungskeulen)


„Im Gegensatz zu Merkel, deren Vater dem systemnäheren Teil der evangelischen Kirche in der DDR angehörte, wuchs Gauck in Opposition zum System auf. In einer Opferfamilie. Das Schicksal seines Vaters, der 1951 in den GULag deportiert wurde, hat Gauck in seiner Autobiographie als „Erziehungskeule“ [die seine Mutter frontal einsetzte] bezeichnet. Auch „die kleinste Form von Fraternisierung mit dem System“ sei ausgeschlossen gewesen. Als Sohn eines Deportierten war es selbstverständlich, dass Gauck weder zu den Pionieren ging noch in die FDJ eintrat.“

http://m.faz.net/aktuell/politik/inland/gauck-und-merkel-der-pfarrer-und-die-pfarrerstochter-11679371.html

Oder im Vollzitat:

„Das Schicksal unseres Vaters wurde zur Erziehungskeule.“ (Aus Kai Schlieters Essay „Der Menschenfischer“ (in: taz vom 16.03.12, S. 4)

*] Also, bitte, genauer hieß es später in der gedruckten Form: Auschwitz als Moralkeule: „Auschwitz eignet sich nicht dafür, Drohroutine zu werden, jederzeit einsetzbares Einschüchterungsmittel oder Moralkeule oder auch nur Pflichtübung. Was durch Ritualisierung zustande kommt, ist von der Qualität des Lippengebets […]. (Martin Walser: Rede in der Paulskirche am 11. Oktober 1998; so ohne genaue Quellenangabe bei Wiki)

http://de.wikipedia.org/wiki/Martin_Walser

„ (…) von Beifallsbekundungen unterbrochen, der von der »Moralkeule Auschwitz« und der »Dauerpräsentation unserer Schande«, von seiner Sehnsucht nach deutscher Normalität und dem Wunsch, das Gedenken an den Holocaust zu einer Privatangelegenheit zu machen, spricht. Als Walser seine »Sonntagsrede« mit den Worten »So viel zum Schönen« beendet hat, steht man applaudierend auf. Nur Bubis und seine Frau bleiben sitzen.“ (Maximilian Probst in der ZEIT vom 24.05.2007)

Achnu: „Erziehungskeule“; also: ein (bayer.:) Erziehungswatschen, (normaldeutsch:) eine Maulschelle. Maulschelle (16. Jh.), ein ‘schallender’ Schlag aufs Maul. (Plattdeutsch blieb das begrifflich ungenannt, was man da herrisch-ohne Worte jemandem ins Gesicht, an den Kopf … knallte.):

Erziehungskeulen hielt das Stacheldraht-Staatchen DDR parat, zu jeder Tag- und Nachzeit; zu jedem pubertären oder pastoralen (aber eben un-politischen) Streich.

Hier, im Falle Gauck: Bundespräsidents Wahltagsprediger Schlieter huldigt ihm (dass man es gemäß Weihrauchrhetorik glauben möchte):

„In Markus 1,17 heißt es: ‚Und Jesus sprach zu ihnen: Kommt mir nach, und ich werde euch zu Menschenfischern machen.’ Gauck ist einer geworden.“

Mir reicht schon ein weiser Bundespräsident.

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