Freitag, 21. Juni 2024

Was v o n R i l k e (dem priesterlichen Dichter)

 

Er - Innerung an eine Abiturklasse ..   in  D e u t s c h!


Z u   P r a g  nachgetragen:

Seine 25-jährige Herrschaft drückte nicht nur auf Prag, sondern auch auf die jüdischen Gemeinden einen positiv prägenden Stempel auf. Er hatte ein gewisses tolerantes Verhältnis zu den Juden und während seiner Regierungszeit blieb es im Prager Ghetto verhältnismäßig ruhig; Es kam zumindest zu keiner Vertreibung der Juden.

*

Auftakt zu einem Jahrhundertthema:

Es gibt ein dramatisches, ein balladeskes Frühgedicht von Rainer Maria Rilke aus den Jahren 1896 bis 1898, und das er nicht zu veröffentlichen wagte: „Judenfriedhof“, ein Bild seiner „Christus-Visionen“.

Die Schwierigkeiten mit diesen visionären Prophetien kennzeichnet er so: „Ich habe viele Ursachen, die Christus-Bilder zu verschweigen – lang-lange noch. Sie sind das Werdende, das mich begleitet leben-entlang. Darum verzeih, wenn ich Deinen Wunsch nicht nachgebe“ – schreib er auf eine Bitte einer Zeitschrift um Überlassung der Gedicht (am 9. Februar 1899 aus Berlin-Schmargendorf an Wilhelm von Scholz).

Nach Ermittlungen und vollständigem Abdruck von Ernst Zinn in der Ausgabe R.M.R.: Sämtliche Werke. Band 3. Jugendgedichte. Hrsg. v. Rilke-Archiv. 1959. S. 790).


Rainer Maria Rilke: 

Judenfriedhof

Ein Maienabend. - Und der Himmel flittert

vor lauter Lichte. Seine Marken glühn.

Die grauen Gräbersteine, moosverwittert,

deckt jetzt der Frühling mit dem besten Blühn;

so legt die Waise - und ihr Händchen zittert

auf Mutters totes Antlitz junges Grün.

Hier dringt kein Laut her von der Straße Mühn,

fernab verlieren sich die Tramwaygleise,

und auf den weißen Wegen wandelt leise

ins rote Sterben träumerisch der Tag.

Der alte Judenfriedhof ists in Prag.

Und Dämmer sinkt ins winklige Gehöf,

drin Spiro schläft, der Held im Schlachtenschlagen,

und mancher weise Mann, von dem sie sagen,

dass zu der Sonne ihn sein Flug getragen,

voran der greise hohe Rabbi Löw,

um den noch heut verwaiste Jünger klagen.


Jetzt wird ein Licht wach in des Torwarts Bude,

aus deren schlichtem Eisenschlote raucht

ein karges Mahl. - Bei Liwas Grabe taucht

jetzt langsam Jesus auf. Der arme Jude,

nicht der Erlöser, lächelnd und erlaucht.

Sein Aug ist voll von tausend Schmerzensnächten,

und seine schmale blasse Lippe haucht:

"Jehova - weh, wie hast du mich missbraucht,

hier wo der Treuste ruht von deinen Knechten,

hier will ich, greiser Gott, jetzt mit dir rechten!

Denn um mit dir zu kämpfen kam ich her..

Wer hat Dir alles denn gegeben, wer?

Der Alten Lehre hatte mancher Speer

aus Feindeshand ein blutend Mal geschlagen,

da brachte ich meinen Glauben und mein Wagen,

da ließ ich neu dein stolzes Gottbild ragen

und gab ihm neue Züge, rein und hehr.

Und in der Menschen irres Wahngewimmel

warf deinen Namen ich - das große "Er".

Und dann von tausend Erdensorgen schwer

stieg meine Seele in den Hohen Himmel,

und meine Seele fror; denn er war leer.

So warst du niemals - oder warst nicht mehr,

als ich Unsel´ger auf die Erde kam.

Was kümmerte mich auch der Menschheit Gram,

wenn du, der Gott, die Menschen nicht mehr scharst

um deinen Thron. - Wenn gläubiges Gefleh

nur Irrsinn ist, du nie dich offenbarst,

weil du nicht bist. Einst wähnt ich , ich gesteh,

ich sei die Stimme deiner Weltidee..

Mein Alles war mir, Vater, deine Näh.

Du Grausamer, und wenn du niemals warst,

so hätte meine Liebe und mein Weh

dich schaffen müssen bei Gethsemane."


Im Wärterhäuschen ist das Licht verlöscht.

Und in dem Bett von Gräbern breit umböscht

fließt schon des blauen Mondquells Wunderwelle,

verstohlen über schwarzen Giebelrand. -


Und Christus, zu des Rabbi Gruft gewandt:

"Dir auch gefiel es, Alter, manchen Spruch

zur Ehre jenes Gotts zusammzuschweißen.

Wer hat Dich, morscher Thor, auch blättern heißen

in alten Psalmen und im Bibelbuch?

Du hast so viel gewusst, stehst im Geruch,

dich gar geheimer Weisheit zu befleißen.

Heraus damit jetzt! Weißt du keinen Fluch,

dass ich des Himmels blaues Lügentuch

mit seiner Schneide kann in Stücke reißen.

Hast Du kein Feuer in den Dämmerungen

des Alchymistenherdes je entdeckt,

das fürchterlich und ewig unbezwungen

mit gierem Lecken seine Rachezungen

bis zu des Weltalls fernen Angeln streckt?

kennst du kein Gift, das süß ist wie der Kuss

der Mutter, das nach seligem Genuss

den Ahnungslosen sicher töten muss.

O Glück, die ganzen Welt so zu vergiften.

Weißt Du kein Mittel, herben Hass zu stiften,

der jeden Mann zum wilden Raubtier macht?

Kannst du nicht ziehn in diese stillen Triften

die Schauerschrecken einer Völkerschlacht.

Kannst du nicht eine neue Lehre stiften,

die Wahnsinnswut in jeder Brust entfacht.

Ins Unbegrenzte steigre ihre Triebe

und sende Pest und sende Seuchenschwärme,

dass in des Lotterbettes feiler Wärme

die ganze Welt zu Grund geht an der Liebe!"


Jach lacht der Hohn. Und in den stummen Steinen

gellts wie des wunden Wildes Sterbeschrei.

Es legt ein Reif sich auf den nächtgen Mai.

Ein schwarzer Falter zieht im Flug vorbei

und er sieht Christum einsam knien und weinen.

*

(Aus: Christus-Visionen (München, 6. Oktober 1896; wiedergeben nach: R.M. Rilke: Sämtliche Werke in sechs Bänden. Bd. III. Jugendgedichte. München 1956. S. 156ff.)

Anmerkungen:

„Waise“: Die Figur des Mädchens als Waise, als elternloses Mädchen, ist schon im ersten Gedicht des Zyklus eingeführt; für die konkrete Eröffnung des separaten Gedichts „Judenfrühstück“

„Tramway“: (schon damals um 1900) üblicher Ausdruck in Österreich-Ungarn für die in Europa damals entstehenden U-Bahn-Systeme

Spiro: sagenhafter Held in böhmischer Tradition (ungeklärte Anspielung)

Gehöf (oder „Höfchen“). Parzelle auf dem Friedhof.

Rabbi Löw: zentrale Figur diese Prager Friedhofs; sein Grab ist das größte; die Sagen um seine Person ergeben einen eigenen kulturellen Horizont; vgl. die Golem-Überlieferung. Wohl in dieser Zeit Rudolfs II. (1552-1612) fällt das Licht jüdischer Lehre auf eine Persönlichkeit, die später mit bekannten Legenden umwoben wurde: es handelt sich um den großen Rabbi Juda ben Bezalel Liwa, genannt Rabbi Löw, der zumeist lediglich mit der Golem-Saga in Zusammenhang gebracht wird.

„Liwa“: vgl. Anm. zu Rabbi Löw.

„Torwarts Bude“: Die nach unserer modernen Sportsprache klingende Wortgestaltung ist nicht Rilkes damaliges Verständnis in diesem Gedicht. Gemeint ist: Das Tor des Friedhofs wird nachts geschlossen; und ein Torwärter in einem kleinen Häuschen an der Friedhofsmauer sorgt für die Ruhe und das religiöse Ordnung.

„Alchymistenherd“/Alchemysten: Anspielung an die Alchemie (auch Alchymie oder Alchimie) als alter Form der Naturphilosophie; sie wurde ab dem 17./18. Jahrhundert von der modernen Chemie und Pharmakologie abgelöst.

„Jach“: (Adj.) jäh, aufklingend, hell schallend

*

Rainer Maria Rilke, auch der „Priester-Dichter“ genannt, setzte sich bereits in jungen Jahren intensiv mit Gott und den ihn für sich reklamierenden Religion auseinander. Seine 1896/1897 verfassten»Christus-Visionen«, eine Folge von elf epischen Gedichten, wurden erst nach seinem Tod 1959 veröffentlicht.


Der Theologe Karl-Josef Kuschel schreibt dazu unter der Überschrift „Jesus contra Gottessohn: Rilkes Blasphemien“:

„Entschiedener wird man sich kaum vom Christusglauben der Kirche entfer­nen können als Rilke in seinen Christus-Visionen. Radikaler wird man den Na­zarener kaum entdivinisieren und entkultisieren, wenn man ihn zu einer Mi­schung aus Proletarier und Narren, aus Wahnsinnigem und Besessenem macht, zu einem Täuscher und Getäuschten zugleich. Nach Jean Pauls Rede des toten Christus vom Weltgebäude herab, daß kein Gott sei hatte man dies in der deutschen Literatur so nie gehört:"


Ein Dichter lässt seinen Christus erklären, der Himmel sei leer, Gott eine Fiktion, Gebet ein Irrsinn. Jesus Christus - nichts als die ewige Projektionsfolie des Menschen, die Sehnsuchtsphantasie nach Vergöttlichung und Erlösung - der ewige Wahn!

Diese Position hielt Rilke bis an sein Lebensende durch. Als Beispiel sei verwiesen auf den Brief des jungen Arbeiters (1922), in dem noch einmal die Grundthese von Rilkes Christentums-Kritik aufleuchtet und zugleich eine Alternative angeboten wird. Bezeichnenderweise verweist Rilke hier auf den Koran, das Grunddokument des Islam, und sieht eine Affinität von koranischem Gottesverständnis und dem Gottesverständnis Jesu.“ (Karl-Josef Kuschel und Georg Langenhorst: Jesus. In: Die Bibel in der deutschsprachigen Literatur des 20. Jahrhunderts. Hrsg. v. Heinrich Schmidinger. Bd. 2. Personen und Figuren. Mainz 1999.S. 326 – 396; hier 327ff.

*


Rilke hat diese Christus- und Christentumsauffassungen ein Leben lang vertreten, wenn auch nicht mehr so provozierend-entlarvend, psychologisch-desillusionierend, so vaterkritisch wie in der Figur des missbrauchten Christus, der protestiert.

Rilke:

Wenn ich sage: Gott, so ist das eine große, nie erlernte Überzeugung in mir. Die ganze Kreatur, kommt mir vor, sagt dieses Wort, ohne Überlegung, wenn auch oft aus tiefer Nachdenklichkeit. Wenn dieser Christus uns dazu geholfen hat, es mit hellerer Stimme, voller, gültiger zu sagen, umso besser, aber laßt ihn doch endlich aus dem Spiel. Zwingt uns nicht immer zu dem Rückfall in die Mühe und Trübsal, die es ihn gekostet hat, uns, wie er sagt, zu „erlösen". Laßt uns endlich dieses Erlöstsein antreten. - Da wäre ja sonst das Alte Testament noch besser dran, das voller Zeigefinger ist auf Gott zu, wo man es aufschlägt, und immer fällt einer dort, wenn er schwer wird, so grade hinein in Gottes Mitte. Und einmal habe ich den Koran zu lesen versucht, ich bin nicht weit gekommen, aber soviel verstand ich, da ist wieder so ein mächtiger Zeigefinger, und Gott steht am Ende seiner Richtung, in seinem ewigen Aufgang begriffen, in einem Osten, der nie alle wird. Christus hat sicher dasselbe gewollt. Zeigen. Aber die Menschen hier sind wie die Hunde gewesen, die keinen Zeigefinger verstehen und meinen, sie sollten nach der Hand schnappen. Statt vom Kreuzweg aus, wo nun der Wegweiser hoch aufgerichtet war in die Nacht der Opferung hinein, statt von diesem Kreuzweg weiterzugehen, hat sich die Christlichkeit dort angesiedelt und behauptet, dort in Christus zu wohnen, obwohl doch in ihm kein Raum war, nicht einmal für seine Mutter, und nicht für Maria Magdalena, wie in jedem Weisenden, der eine Gebärde ist und kein Aufenthalt." (Rilke: Sämtliche Werke. Bd. 6. 1976. S. 1113f.)

*

Ein wenig HIlfe für ein literarisches "Töchterlein"!

Geschenkt?


Einem Mädchen einen Liedtext (post festum mortis....!] ... dezidiert:

.   

Lucia  J o y c e. tanzend - da sie es tanzend nicht aushielt in ihrer family. -
Hätte e i n e  psychoanalytische Auf-Klärung ihr geholfen...? 
[Vergebiche Feststellung:  V e r - M u t u n g!] 


Ob Aal. ob Schlange ...

Mörikes Aaligkeit, seine Eingeweide und sein Liebesbegehren

- auch ein Weniges über Schlange-Attribute


Ernst Friedrich Kauffmann (10.11.1827) an Mörike

„Warum kommst du nicht du Unstäter?“

Potthast, Barbara: „aber wie ein Aal entwandest du dich wieder meinen Händen“. In: Mörike und sein Freundeskreis. 2015. S. 159)

Ernst Friedrich Kauffmann und Eduard Mörike

Am 10. November 1827 schreibt Ernst Friedrich Kauffmann an seinen Freund Eduard Mörike folgende Zeilen:

„Warum kommst du nicht, du Unstäter? Ist mir's doch nun einmal zum Bedürfniß geworden - ich gesteh dir's nur - dich hier einmal zu sehen, mit Marie, R. u. dir zusammen zu seyn! Das lezte mal glaubt dich endlich erwischt zu haben, aber wie ein Aal entwandest du dich wieder meinen Händen. Nun in allem Ernst! Komm!! d. h. schreib mir nicht, »nächstens bin ich frey u. ledig, und dann« - weiß Gott was; - sondern komm zu mir, wie ich zu dir. Du hast es - daß ich dir' s nur sage - gar nicht hoch angeschlagen und kannst mich blos versöhnen wenn du zu mir kommst.1


Zum Text, zum Kontext – ad res amatorias2]

Mörikes Brief an E. F. Kauffmann:

Im Schloss Weissenau bey Ravensburg

D. 7. Julius 1828

Mein bester K.! Dieses fremde Datum könnte Dich zu allerlei falschen Ahnungen verleiten. - entweder, daß ich desertiert oder katholisch geworden, oder Waisenhaus-Inspektor in der Gegend oder sonst was Neues sey – Gott bewahre! Ich bin im Grund noch was ich von jeher gewesen, nemlich ein guter hoffnungsvoller Jüngling, ein Kerl, der seine Pfeif Tabak eben überall lieber raucht, als auf dem Vicariat - Kurzum, ich bin derzeit auf allen Flanken von Oberschwaben herum und zwar seit einiger Zeit alleweil auf d. Reise mit meinem Onkel Prokurator, als dessen Gesellschafter u. SEKRETÄR. Da komm' ich gestern zum ersten mal in die schöne Gegend von Weingarten; Wie mir nun die Kirchenkuppel und das goldene Kreuz im schönsten Sonnenschein entgegenglänzte, so übernahm mich die Erinnerung an Dich dergestalt, daß mir die Eingeweide brannten und [sc. ich] mich ungeduldig auf meinem Sitz herumdrehte. Darfsts glauben, dies war, ohne Übertreibung, der Effekt. Ich las auch neulich in der Zeitung einen definitiven Reallehrer angezeigt; und das gab auch den Effekt. - Lieber, guter K!!! Sieh, das sind nur so drey Ausrufungszeichen, PUNCTAEXCLAMATIONIS, - aber es liegt erstaunlich viel darinn; Reflexionen wie z. B. Was doch die Zeit hingeht! Wie doch die Freunde auseinanderkommen! Und wie man zum Heirathen kommt u. dergl. Das leztere ist das lustigste und traurigste von Allem. Ich freue mich nur darüber, in sofern es für Dich lustig ist und weil MARIE LOHBAUER „die Parthie“ ist. Gelt? das ist schön gesagt? Ein langes und breites Hochzeitlied schick ich Dir nicht, aber ein Liebesliedchen, das ich gestern auf der Steige von Weingarten vor mich hinbrummte und zwar, vom 3ten Vers an nach der MELODIE »Was zieht mir das Herz so«. Sez es in Musik, gib Ihr am BrautMorgen einen Kuß und frag Sie, wenns sie's nun absingt, ob das Lied nicht, auf ein Haar, alle die Seeligkeit ausdruckt, die Sie in den ersten Tagen Eurer Liebe empfunden. Wenn das seine Richtigkeit hat, so thu ich mir was drauf zu gut.____________________

Ich werde in etwa 14 Tagen auf einige Monate nach STUTTGARDT kommen, vielleicht auch auf länger - SUB TITULO eines Hofmeisters bei meinem Onkel. Schreibe mir aber bald nach BUCHAU am Federsee. Lebwohl! Grüße MARlEN [sic] Grüße Alle und - wenn Du kannst küsse den RUDOLF tausendmal in meinem Namen.

Dein EDUARD.

[Beigelegt]

Lied eines Mädchens


Was im Netze! schau einmal!

Aber ich bin bange, -

Greif ich einen süßen Aal?

Greif ich eine Schlange?


Lieb’ ist blinde

Fischerin;

Sagt dem Kinde,

Wo greifts hin?


Schon schnellt mirs in Händen,

Ach Jammer! o Lust!

Mit Schmiegen und Wenden

Mir schlüpfts an die Brust!


Es beißt sich, o Wunder!

Mir keck durch die Haut,

Schießt's Herze hinunter -

O Liebe, mir graut!


Was thun? Was beginnen?

Das schaurige Ding -

Es schnalzet da drinnen

Und legt sich im Ring.


Gift muß ich haben!

Hier schleicht es herum, -

Thut wonnelich graben,

Und bringt mich noch um!



HKG. Bd. 10, 222fff. (Nach der Fassung im Brief an Ernst Friedrich Kauffmann. 7. Juli 1828; an die Adresse „Seiner Wohlgeboren / Herrn Realschullehrer Kauffmann / zu / Ludwigsburg.“; mit späteren Änderungen, hauptsächlich in der Interpunktion, unter dem Titel „Erstes Liebeslied eines Mädchens“, in G 1, 1838)

Meine Puncta interpretationis:

In Rebus amatoribus“: von Liebesdingen

Heirathen“:

Eingeweide“

Aal“

Goethes „Was zieht mir das Herz so“

Aus jener glücklichen Sommerzeit ein Postscriptum. E.M. fügt es seinem Brief an Johannes Mährlen vom 20. Juli 1828 hinzu: In Rebus amatoriis hic multum, at nequaquam periclitando, profeci“. Deutsch: In Liebesdingen hier bin ich, freilich auf keine Weise etwas riskierend, gut vorangekommen.

- Im nächsten Jahr wird er Luise Rau kennen lernen. Konkrete, reale Erfahrungen in Liebesversuchen - wer mag sich vermessen, darüber zu urteilen, nur zu mutmaßen! In diesem glänzenden Auftakt seiner neuerlichen Liebeszeit - nach dem Verzicht, dem Verlust der erotischen Handlungsfähigkeit in der Meyer-Affäre und der schöpferischen Gestaltung in den fünf verhalten depressiven Peregrina-Texten - greift E.M. zurück auf seine Lieblingsmetaphorik, der synästhetischen Ambivalenz von Lieb und Wehmut Leid und der Inkronguenz von Lust und Leid, oder wie es die frühe Strophe des später „Gebet“ getitelten „Liebes und Leides“-Bekenntnisses weiß.

Ich setze ein Merkzeichen bei „Eingeweide“: seltenes Plurale tantum, mit eigenartigem etymologischen Grund.3

Mörike: Erstes: Liebes -

Das Gedicht beachtet Potthast nicht; außer für eine Disqualifizierung als „frivol“ (S. 163: „Mörike schenkte den beiden zur Hochzeit sein frivoles 'Erstes Liebeslied eines Mädchens'“),, hat es - das Poem – nicht erfasst. Was so wg. irgendwie sex-mäßig; man könnte sagen genderös - verachtet wird, bleibt unbeachtet. Mörikes Text ist vielmehr das schönste, genialste Eroticon in deutscher Zunge. Mörike, generös wie ein Schlossherr auf Weissenau und in wahrlich schönster körperlicher Verfasstheit, wusste, was er schrieb, in emphatisch selbsterlebter καλοκἀγαθία (kalokagathía). Ich vermute auch, dass Kauffmann den Text wahrnahm als formvollendete Gestaltung einer psychosexuellen Zweier-Gemeinsamkeit: Wer wem hier, in diesem Akt, die männliche Rolle zusprach, ist nicht so be-stimmt, wie es scheint. Mit der Metapher des Aales hatte Kauffmann Mörike eine Rolle zugesprochen, die er im Gedicht dem Mädchen – nicht einer Frau - eingedenk sein lässt. Wie solche traumhaften Surrogate, ob im Wort, ob im Bild, eingepflanzt werden in den Realien, wir wissen es nicht; sie werden wahrhaft weitergegeben, im Traum, im Traumgesicht, in Metaphern.

Es ist in diesem intensivsten Moment der männlich-weiblichen Begegnung, die einer psycho-sexuellen Reifung, die sich erprobt, wie Sigmund Freud es prototypisch dem Menschen zuspricht und abverlangt: Werde, wer du bist; bejahe, was du nicht sein kannst.

Oder sagte Goethe schon den Kern des inneren Selbst so: „Man hält einen Aal am Schwanze fester, als einen Lacher mit Gründen.“ (37,160,17 BriefPastors)



Vertonung im 2o. Jh.:

Hugo Wolf schreibt am 20. März 1888 in einem Brief:

"Heute habe ich mein Meisterstück geliefert. 'Erstes Liebeslied eines Mädchens' (Ed. Mörike) ist das weitaus Beste, was ich bis jetzt zustande gebracht. Gegen dieses Lied ist alles Vorhergegangene Kinderspiel [...]. Das Gedicht ist wahnsinnig, die Musik nicht minder [...]." (Andreas Dorschel, Hugo Wolf, rowohlts monographien/rm 344, Reinbek 1985, 2. Aufl. 1992, S. 71 f.)

Nur einen Tag später, am Tag des Frühlingsanfangs, also am 21. März 1888, korrigiert sich der Komponist, in einem Brief an den gleichen Adressaten: "Ich revoziere, dass das 'Erste Liebeslied eines Mädchens' mein bestes sei, denn was ich heute vormittag geschrieben: 'Fußreise' (Ed. Mörike) ist noch millionenmal besser. Wenn Sie dieses Lied gehört haben, kann Sie nur noch ein Wunsch beseelen: zu sterben." (Dorschel S. 72)

* *

Polymorph als Fachbegriff in der Psychoanalyse meint:

„Wir wachsen heran als sexuell polyvalente, »polymorph perverse« Subjekte, und in unseren Kinderstuben ist der Kynismus universell verbreitet, der in allen Dingen zunächst ganz aus dem eigenen Körper heraus lebt, denkt, wünscht und handelt.“ (Sloterdijk, Peter: Kritik der zynischen Vernunft Bd. 2, Frankfurt: Suhrkamp 1983, S. 542)

Das Kind "ist" in seinem Trieb polymorph (vielgestaltig), das heißt, es richtet seine Kontaktbedürfnisse und -angebote grundsätzlich auf alle Menschen, und es begehrt bisexuell, Angehörige beider Geschlechter. (Pilgrim, Volker Elis: Manifest für den freien Mann - Teil 1, Reinbek b. Hamburg: Rowohlt 1983 [1977], S. 131)

Allgemein formuliert: Nach Freud ist das Kleinkind, dessen Sexualität er wiederentdeckte und begrifflich fixierte, "polymorph pervers", autistisch der Lust an Partialtrieben wie der Analerotik hingegeben, die es/er/sie in der NormalEntwicklung zugunsten der Genitallibido aufzugeben bereit ist, das Kind lernt sich zu normalisieren in GenderFragen.

Pychoanalytisch gesehen .. sind Dichter, Poeten .. reine Toren … sind Infantes in ihren Intentionen, ihren Taten & Werken. Diese PartialTriebe sind

*

Nun, zu sterben, war Mörikes Beseelung ganz und gar nicht. Er möchte sich in ein Mädchen, eine Geliebte einfühlen.

Ja, natürlich ist Mörikes Gedicht "Fußreise" („Am frisch geschnitzten Wanderstab“) eine solche Glückseligkeitstour: „Gottbeherzt“; bei Goethe gibt es „gottbegeistert“, gemeint: vom Geist des Göttlichen erfüllt, inspiriert, genial, in Gespr(He2,956) KPh Kayser 1.10.14; „gottbeherzt“ ist eine absolute singuläre Wortbildung im Deutschen) - Das Erste Liebeslsied“ aber ist ein perturbatio.

Kauffmann:

https://de.wikipedia.org/wiki/Ernst_Friedrich_Kauffmann


Mörikes psycho-sexuelle Entwicklung lässt auch in der 'poetisch-analen' Phase rekonstruieren.

Hier ist zu analysieren das Sonett , das er Hermann Kurz schickte, ohne Veranlassung:

Als poeta Mörike einmal „musste“ und nicht retinieren mochte:

Ein Sonett, eine 'gebrunzte' Kakophonie vom jungen Dichter Eduard Mörike; er veröffentlichte es zu seiner Lebenszeit nicht!

Es war in liablichen Septembers-Tagen


Es war in liablichen Septembers-Tagen,

Ich war gewallt zum stillen Tannenhaine

Und saß gekauert an der höchsten Eine,

Da hielt ich meine Hosen aufgeschlagen.


Sogleich sah ich den schönsten Kegel ragen,

Schwärzlich gesprenkt, von kerngesunder Bräune,

Schlank stand er da, gleichsam auf Einem Beine:

Ich sah ihn an mit herzlichem Behagen.


O Monumend verklungner Gastmahlsfreuden!

Hier liegt -, in der Erinnerung noch wie labend -

Was jüngst bei Burk und Gaertnern ich gespeißt!


Warm trug ich Dich in meinen Eingeweiden

Noch am Lumpacivagabundus-Abend: -

Drum stinkst du auch als wie der böse Geist!


Kleine Fußnote: Vom „Uchrucker“, der Mörikeschen grotesken Satire-Figur aus den „Wispeliaden“, mitgeteilt im Brief an seinen Freund Hermann Kurz, – und der ließ die Kakophonie, eine Kontrafaktur, nicht verschwinden, eine Parodie auf Ludwig Uhland Titel „An Kerner“ (hier mit der ersten Strophe annotiert; jeder wird’s finden im Internet oder hier: L.U.: Werke. Bd. 1. Sämtliche Gedichte. 1980. S. 90f.):


Es war in traurigen Novembertagen,
Ich war gewallt zum stillen Tannenhaine
Und stand gelehnet an der höchsten eine,
Da hielt ich deine Lieder aufgeschlagen. (…)


Mörikes Sonett (November/ Dezember 1837 geschr.), wiedergegeben nach E. M. Werke u. Briefe. Historisch-kritische Ausgabe. Bd. 12. Briefe 1833 – 1838. 1986. S. 141f.; dort die diversen Erläuterungen S. 487f.


EM an HERMANN KURZ. CLEVERSULZBACH, NACH DEM 27. NOVEMBER UND VOR DEM 13. DEZEMBER 1837


Sr Wohlgebornen und

Ehlich Erzeugten,

Herrn Docter Kurz in Buoch


Es ischt mir aigedlich schmaichelhaft und eine grose Ehr Vor mich, daß Sie sich so in mein aigedliches Nadur-Wesen verdenken können, daß Sie ganz in meiner Art und Weiß dichten können. Dann esfehlt auch nicht ein Haar von meinem Stiel. Dann mein aigedliches Dichten und Drachten gaeht nicht auf das Ädle sondern auf das Unädle; ungesetzliche Schwängerung derer Weibs bilden, &c. und ich habe es an mir, Stank und Unflath allenthalben zu verbreiten, und wann ich singe und spiele, so spiele ich nicht in der Weiße Assaphs noch auf der Githith. Deßentwegen will ich Ihnen aus Freundschaft auch eine Prob schicken. Nemlich: Mein Bruder der Balbirer hat mich einmal in das Thiater perschwadirt, wie man das Stuck gespielt hat: Lumpacifagabundus, der böse Geist, oder das liederliche Feigenblatt. Seibigen Tag fraßen wir bey Trätör Gärtner und bei dem Traetör Burk. Am andern Tag giengen wir weiters und im Bopserwald setzete ich mich eine Weile unter einen Tannenbom und wurde transchbirirt und tichtete einen Versehen, nach der Weiß von dem Sonettigen (von dem Doctor Uhland) wo mein Bruder immer im Maul hat und sich einbildt, es ischt an ihn und ischt doch an den Wunderdockter Kenner in Weinschberg.


[Unterzeichnet mit:] Jezt adio, mein Bester! Ich bin mit Leib und Seel der

Ihrige

Uchrucker



HKG. Bd. 12, 141f.



Ein sprachspielerisches Monstrum, ein DeMonstrandum:

... ein lebensgeschichtlich Momentum der poetischen Manufaktur des Herr Wispel:

zuvor (am 7.11.1837) an Brief an „Wilhelm I. König von Württemberg“; hernach weiterer Brief an Hermann Kurz (v. 13.11.1837).



… kann man das Spiel dem SchriftSteller einem Poeten/Pfarrer/Liebenden glauben?

„Eingeweide“:



„Kegel“ - vgl. das unschuldige, lust-lärmende Holzstück zum kurzweiligen Spiel:

http://gutenberg.spiegel.de/buch/eduard-m-5525/175

Briefe. Bd. 19: .. Sommermonaten wöchentlich einmal Stuttgarter Honoratioren zum Kegeln in sein Gartenhaus.“

Mein Leib ist mein Gedicht – deine Leib ist mein Gedicht...

Ob er sich lebenslänglich mit diesem „Bubenstück“ zufrieden gab? Dass er es nicht geschrieben haben wollte, glaube ich nicht: es ist ein Kunststück; dass er es nicht verschickt (an Hermann Kurz) haben wollte, schon eher.

1 DLA A: Mörike 2 / # HS002368960 (mit dem Datum der Poststempels) [Bei Potthast S. 159]

2 Mörike an Mährlen: „In Rebus amatoriis hic multum, at nequaquam periclitando, profeci“. Albius Tibullus - “Potiorem esse, in rebus amatoriis, e. potiori loco haberi, praeferri alicui(...)“? Oder angelehnt an „sapiens in rebus amatoriis“ - contradictio ad: in rebus adversis.. Vielleicht auch „bonae res“: Leckerbissen.

3 Eingeweide (neutr.. meist Plur.) ‘alle inneren Organe der Bauch- und Brusthöhle’. Das Wort kommt nur im Dt. vor, mhd. frühnhd. ingeweide, verdeutlichend neben mhd. geweide; nhd. Geweide vereinzelt noch bis in die neuere Zeit, bei Luther stets Eingeweide. Allgemein wird Herkunft aus der Jägersprache angenommen, da die Innereien des erlegten Wildes den Hunden zum Fraß vorgeworfen werden. Verwandtschaft mit ↗Weide ‘Futter, Weideplatz’ (s. d.) ist daher möglich. Doch begegnet bereits mhd. ingeweide auch für die inneren Organe des Menschen. Vielleicht ist Eingeweide besser als ‘das Gewundene, das Geschlinge’ aufzufassen, mit ↗Weide ‘Weidenbaum’ (s. d.) zu verbinden und mit lat. vīscera Plur. ‘Eingeweide’ an die Wurzel ie. *u̯ei- ‘drehen, biegen, winden’ anzuschließen. Vgl. Fowkes in: JEGP 52 (1953) 96 ff. und Pokorny 1, 1122. ausweiden Vb. ‘die Eingeweide eines erlegten Tieres herausnehmen’, spätmhd. ūʒweiden bzw. gleichbed. mhd. weiden. weidwund Adj. ‘krankgeschossen, im Eingeweide verletzt’ (15. bis 18. Jh. vom Menschen, seit Anfang 18. Jh. vom Wild) .  

Donnerstag, 20. Juni 2024

NACHTAG, äh: -Trag - MIT EiNeR D O P P E L Z E I L E :

 

                    Betr.:  E d u a r d   M ö r i k e  (1828 / ED:1838)

Statt eines Sendschreibens; jetzt wo der Sommer angefangen hat/ist - nachzutragen:

So ist*war es ist naturhaft/natürlich r i c h t i g:

https://www.deutschestextarchiv.de/book/view/moerike_gedichte_1838?p=53


Äh: Mit der Doppelzeile:

Ja, du bist's,

Ja, du bist's!

[Und die Abschlusszeile:[

Dich hab' ich vernommen!

*~* ~* ~

Abbaaaa, äh: aber, es gibt ein ganz anderes „Er ist's“; das hat Thomas Mann erklärt in seinee Exposition zu dem Roman „Der Erwählte“; wo der Erzähler loslegt mit Glocken, die so simmsalabimm vielstimming, sozuagen großflächig polygot ansbimmeln; ach mit ein wunderesamen gloclenähnlichen „Saiten einer Äolsharfe“ [ob Th. M. je die Klanglaut eines schwäbischen Windfangsgeheules kennen gelernt hat?] - kommen die Glocken daherund vom himmel-gesimmt, und dann gibt es das allgemeine „Er ist's“ dazu; das aoll dann reichen für das allgewaltig-mächtiges Summen und Glockeln im ewigen Rom etc.:

„ '[...]' Und vom Geist der Erzählung: „So geistig ist dieser Geist und so abstrakt, daß grammatisch nur in der dritten Person von ihm die Rede sein und es lediglich heißen kann: ,Er ist’s‘. Und doch kann er sich auch zusammenziehen zur Person, nämlich zur ersten, und sich verkörpern in jemandem, der in dieser spricht und spricht: ,Ich bin es. Ich bin der Geist der Erzählung, der (...) diese Geschichte erzählt, indem ich mit ihrem gnadenvollen Ende beginne und die Glocken Roms läute, id est: berichte, daß sie an jenem Tage des Einzugs sämtlich von selber zu läuten begannen1. 

Damit aber auch die zweite grammatische Person zu ihrem Rechte komme, so lautet die Frage: Wer bist du denn, der Ich sagend an Notkers Pulte sitzt und den Geist der Erzählung verkörpert? - Ich bin es. Ich bin der Geist der Erzählung, der, sitzend an seinem derzeitigen Ort, nämlich (...)".

[Oder so ähnlich ...!]

Dass ein Herr Edudard  M ö r i k e in diese Mannsche Erzählung hineingeschlüpft ist - wer hat denn das schon zu wissen gekriegt; außer Frau Thomas Mann, bürgerlich genannt  Katharina Pringsheim  [oder. Katja]];, allezeit und allgesammt an der Schreibmaschine tätig ...?

*

Oder 'Äolsharfe' bei Goethe? Nachgucheln: https://www.lernhelfer.de/sites/default/files/lexicon/pdf/BWS-DEU2-0388-21.pdf




Mittwoch, 19. Juni 2024

Gedenks B r i e f - an Irrrrrgend/eine (*n)

 

ERL Cartoon - (RZ. 20.06.2024)

S e n d - Brief an mein Leben: Erfahrungen mit einem Burnout: Erfahrungen mit einem Burnout. 

Brief an mein Lebebndig-sein: Erfahrungen mit meinem Burnout:

Erfahrungslos, mit meinem Bourn-in! Wer kann mich retten? TarRätaRät!

Erfahrungen mit einem Burnout: 

Sahra Wagenknecht über Burnout in der Politik: "Ich war einfach kaputt" | COSMO Podcast "Danke, gut! -*Krieg oder Freiden; äh: Frieden?


>> Fakes zu:  U k r a i n # 01

Wagner-Chef geht nach Belarus: Prigoschin stoppt Marsch auf Moskau

Zeit-On line: Datum: 24.06.2023 22:42 Uhr

>> Ging ihm und seinen mageren Galochen (Tanks, LKW, Jeeps et cetera Bumbum) der Sprit aus; Frau Wagenknecht wird es kommentieren wollen beim NDR-Tank, äh: Talk. Sie gibt sich Mühe - v e g a n  zu denken: anti-demokratisch-bolschewistisch etc.: 

Immer, immerzu:  Krieg oder Frieden ? S. Wagenknecht auf Ihren Kriegs-Plakat: 




Vom Fußball

Nee, kein Sendschreiben: Curtius, Ernst Robert: Europäische Literatur und lateinisches Mittelalter, Tübingen: [1948], Das «Buch der Natur» erscheint in Goethes Sendschreiben (1774):  "Von der Sturm- und Drangpoetik ging der Begriff Naturpoesie in die romantische
 Literaturtheorie Jacob Grimms über ..."

Meine Füße kann ich still halten:

 

Ja, der Fußball (auch meine eigene beschränkte Begeisterung für sonne Sachen;

https://www.kirche-im-wdr.de/startseite?tx_krrprogram_pi1%5Bformatstation%5D=3&tx_krrprogram_pi1%5Bprogramuid%5D=98066&cHash=5b172447a5f25e896423e2141fbf1ed4

... mein Jubel, wenn sie, also die Mannschaft, „gut“ spielt:

Von Frau Tröster – mit der schönen Stimme, mit ihren klugen Gedanken) ein Beitrag zur EM 2024:

Kirche in WDR 3 | 19.06.2024 07:50 Uhr | Verena Tröster Vom heiligen Rasen Heute Abend spielt Deutschland. Um 18 Uhr ist Anpfiff gegen Ungarn in Stuttgart. Und klar, ich werde mir das – so wie viele andere auch - angucken und im Deutschland-Trikot vorm Fernseher sitzen. Weil ich mich unserer Nationalelf verbunden fühle und mitfiebere. Auch wenn ich mit Fußball zugegeben ansonsten nicht so wahnsinnig viel am Hut habe. Aber immer, wenn eine Europameisterschaft oder Weltmeisterschaft ansteht, bin ich mit dem Fußball-Fieber infiziert. Und oft muss ich dann darüber nachdenken wie viele Parallelen es doch gibt zwischen Religion und der vermeintlichen ‚Ersatzreligion‘ Fußball:

Lesen Sie bitte weiter:

https://www.kirche-im-wdr.de/startseite?tx_krrprogram_pi1%5Bformatstation%5D=3&tx_krrprogram_pi1%5Bprogramuid%5D=98066&cHash=5b172447a5f25e896423e2141fbf1ed4

Aber auch hier gibt einen guten Beitrag zum Fußball-Spielen:

https://www.kirche-im-swr.de/beitraege/?id=40120

Alles Gute zum Spiel, ob mit gelber oder roter oder weißer Karte!



Erinnnerung an L e n z II

 


  

Siegfried  L e n z   II


Äh, das Büchel ist mir fremd gewordsn, mir entrückt bei letzten Umzug: falsch eingestellt und vergessen; nicht unter Anthologien: 

Hotel-Geschichten. Abenteuer hinter fremden Türen. Von  Stempel, Hans; Ripkens, Martin. KOmisch, aber die mir bekannteste Hotel-Geschcihte ist darin nicht ver-ewigt: 

Lenz: Siegfried Lenz{mich-als-Leser!}: Die Nacht im Hotel:



Die Nacht im Hotel (S. Lenz) – 

Aus einer Interpretation:

Äh, das Büchel ist mir fremd gewordne, mir entrückt bei letzten Umzug: falsch eingestellt und vergessen; nicht unter Anthologien: Hotel-Geschichten. Abenteuer hinter fremden Türen. Von  Stempel, Hans; Ripkens, Martin. KOmisch, aber die mir bekannteste Hotel-Geschcihte ist darin nicht ver-ewigt: Lenz: Siegfried Lenz{mich!]: Die Nacht im Hotel:

So fängt ein Inhaltsangabe an:

Als ein Herr Schwamm, der im „Auftrag für seinen Sohne“ unterwegs ist, das Hotelzimmer betritt, bittet ihn der andere Gast ohne Grundangabe, das Licht nicht einzuschalten, und dirigiert ihn im Dun­keln - mit der Warnung, nicht über die abgestellten Krü­cken zu stolpern - zu seinem Bett.

Schwamm stellt sich na­mentlich vor, der andere nicht. Nach dem Grund für sei­nen Aufenthalt in der Stadt befragt, erzählt Schwamm, er habe einen kleinen Sohn, der jeden Morgen auf dem Schul­weg den Reisenden, die im Frühzug vorbeifahren, zu­winkt, ohne dass jemand zurückwinkt. Er sei deshalb schon seit Monaten deprimiert und unfähig, seine Schular­beiten zu machen, wolle nicht spielen und nicht sprechen. Deshalb wolle Schwamm am nächsten Morgen selbst mit dem Frühzug fahren und seinem Sohn zuwinken.

Der Un­bekannte erklärt, er hasse Kinder, seilt seine Frau im Kind­bett gestorben sei, und er empfinde Schwamms Vorgehen als glatten Betrug gegenüber dem Sohn.

*

Und so weiter. Eine so einfache, so schöne, so wahre Geschichte (wie es sich vor nur kurz nach dem 2. Wletkrieg ereignen konnte; als Vater scih noch so sorgen – aber -das sgt die Story ja nicht auf; abwr ich dwnke mir, sie konnre zu meines Vaeers Zeiten zugetagen haben ... -

Für mich, als Referendar wurde sie so begehrt, fast so 'heilig,' dass alle aus unserem Treff, einer Referendars-Vereinigung an einem Bezirksseminar, alle irgndwie in ihrem Unterricht einbrachen; und wir tauschten die Matritzen, auf den die Story gedruckt wurden mussten, aus:

So fing sie an:

Die Nacht im Hotel

Der Nachtportier strich mit seinen abgebissenen Fingerkuppen über eine Kladde, hob bedauernd die Schultern und drehte seinen Körper zur linken Seite, wobei sich der Stoff seiner Uniform gefährlich unter dem Arm spannte.

»Das ist die einzige Möglichkeit«, sagte er. »Zu so später Stunde werden Sie nirgendwo ein Einzelzimmer bekommen. Es steht Ihnen natürlich frei, in anderen Hotels nachzufragen. Aber ich kann Ihnen schon jetzt sagen, daß wir, wenn Sie ergebnislos zurückkommen, nicht mehr in der Lage sein werden, Ihnen zu dienen. Denn das freie Bett in dem Doppelzimmer, das Sie - ich weiß nicht aus welchen Gründen - nicht nehmen wollen, wird dann auch einen Müden gefunden haben.« »Gut«, sagte Schwamm, »ich werde das Bett nehmen. Nur, wie Sie vielleicht verstehen werden, möchte ich wissen, mit wem ich das Zimmer zu teilen habe; nicht aus Vorsicht, gewiß nicht, denn ich habe nichts zu fürchten. Ist mein Partner Leute, mit denen man eine Nacht verbringt, könnte man doch fast Partner nennen - schon da?«

»]a, er ist da und schläft.«
(...)

Sie ist spannend bis zum Schluss; und überlässt es dem Lesern, sich Gedenken zu machen … über die Handlungs- oder Vorstellungs-Zeit; über den Vater; .. und über sich als Kind; ob es dennso behütetet war (oder wurde), wie es die Eltern (wohl) wollten ...

Er- I n n e-Rungen an Siegfried L e n z

 

Schon zehn Jahre tot - der Meister 
in  P r o s a 

- auch so eine klassische Geschichte der Alt-Bundes-BRD!


Meine ErLebnisse mit Siegfried Lenz sind eng gekoppelr an meine Lehrer-Tätigkeit

* Die Nacht im Hotel (1949)

* Die Phantasie (1975)


Und immer schon die lieblichen Erzählungen von dem liebenswerten  Städtchen  S u l e y k e n  {jep: in Ostpreußen}:  

Also zuerst eine Geschichte von einem minder begabten Geistlichen - äh, ja: aus meiner Schulzeit auf der sog. GAESDONCK; Zeitpnkt OII; also 1962:

Meniskus? Zum drittenmal in zwei Wochen klagt er sein Leid der Sr. Penicillin auf der Krankenstation. Sr. Morbus weiß sehr wohl Bescheid, mit festen Händen, mit deren rechter sie einen Pinsel schwingt, um die Mandeln auszupinseln. Sie will gar nicht wissen, ob ich ein Sportsfreund bin mit hoher Selbstschädigungsquote.

Sie: Erst mal drei Tage ruhen, das Bein hoch, ab ins Krankenzimmer; sonst zum Arzt nach Goch. Aber so schnell braucht man den Knochen nicht zu schneiden!

In diesen Tagen hat der Präses des Knaben kleines Bücherregel gefilzt und drei Taschenbücher beschlagnahmt und marschiert mit hoher Ausbeute am Krankenbett auf: Miodrac Bulatovics: "Die Liebenden"; gut, war ein Fehlkauf, existenzialistisches Gewimmer, sandbleicher Sinnesschrott; er hatte es nicht zuende gelesen; braucht er dem Präses nicht zu sagen. Dann aber, o Gott, o Gott, so unfein, so flott: Erich Kästners „Abenteuer eines Moralisten". Und als Clou seiner Zensurbemühungen und pädagogischen Einschreitens: Ab mit dem Bändchen: "So zärtlich war Suleyken". Von wem? Siegfried Lenz? Wohl von einem Bösewicht mit versauter Vorhand namens Lust.

Am nächsten Tag erhält er das letztere Übel zurück: mein Fischer-Taschenbuch. Ein Deutschlehrer habe ihm, dem Chef der hohen Geistigkeit, gesagt, der Lenz sei kein schlimmes Buch, so was wie ein normales Buch; oder so ähnlich, er verstand seine leise Stimme nicht völlig, wagte aber nicht nachzufragen. Eine Erklärung für die bösen Bücher erhielt er nicht. Er wagte auch keinen Aufstand. Ob er die Blechtrommel von Grass auch habe? Er log und hatte Aufschub für einen Tag. Den Grass holte er ihm von Nelke sofort zurück. Er will dicht halten. Am nächsten Tag bringt er das inkriminierte Buch, versteckt in einem Säckchen mit schmutziger Wäsche, nach Hause. Da hat die verfolgte Seele Ruh. Raus aus dem Bett, dein Ableben steht auf dem Spiel, schlepp fort, du Bücherhamsterer, überwintere zu Hause mit deinen Schätzen.

 So blieb ich dem Präsens erhalten, auch, als er mich entließ; so dass ich noch vom Goch her dieses wunder-hübsch-teure [vom Bischof mit seinen un-ge-bil-de-ten Lehrern] Internat als Externer besuchen konnte - bis zu Abitur 1965. - Ob, er, der Baumseister der neuen Gasedonck: Dr. Paul Reher-Baumeister je die Lenzlichen Storiws je gelwsen hat, ich wage es zu bezweifeln: 

 https://de.wikipedia.org/wiki/So_z%C3%A4rtlich_war_Suleyken