Sonntag, 11. November 2018

Vergebens: Zum G l ü c k !

Vergebens! Leider! Zum Glück!

Eine Erlebnisezählung -
In der Klasse 8b, seligen Angedenkens. Von denen habe ich aber noch nie geträumt. Aber es lief gut. Alles waren noch der Aufgabenstellung schnell zum Kratzen. (So nannte ich als Lehrer das eifrige Schreibgeräusch, wenn alle beschäftigt sind mit ihrem Thema. Man braucht nicht aufzupassen; keiner schriebt ab.)

Und da erwache ich:
Und freue mich (zum erstes Mal in meiner Biografie als Deutschlehrer!):

Glück gehabt
                                                              © A. Stephan Reyntjes
                     


- dass ich diese Klassenarbeiten nicht mehr korrigieren muss.

So sehe ich mich als pensionierter Deutsch-Lehrer!

Notate:auf einen Cartoonisten!

Ein stählern-schwarzes Geschoss, das uns der Cartoonist schrägt in den gedruckten Raum stellt. Mit einer Kühlfigur: goldene Heuschrecke! Ach, ein BMW? Ein Mercedes? (Oder muss man sagen: 'Daimler'?) 



Schön, das man nachfragen muss, das uns der Zeichner so viel Spielraum im Schwarzen be-lässt. - In der hinteren Frontpartie ein klappbarer Ausstieg, mit rotem Teppich, auf der ein Diener bereit steht, so dass der Redner blumig plappern kann: von Heimat … Was da alles in den vorderen Abteilungen des Vehikels Platz haben mag: wohl Aktien! Ja: BIG MONEY! 

- Ein Hoch dem taffen Zeichner Heiko Sakurei; von dem ich mir weitere Cartoons in PF wünsche.

Wem - ergo: wenn es "glockt"!

In der Ferne läuteten die Glocken von St. Pantaleon in Roxel“

Samstags, auf dem Wege zum Sechswochenamt, eines Freundes – bei strahlender Herbstlichkeit: 
"Bunt sind schon die Wälder, / Gelb die Stoppelwälder..." - mein mir schönstes Herbstlied; auchcin Anbetracht von Mörikes "Sempenterbermorgen":

Ich fuhr – da mir Zeit bliebe - über Schloss Hülshoff (mit einigen Fotos!) weiter auf der Landstraße nach Roxel.. Nachmittags. Im klaren Sonnen-Licht -


                                                               Burg Hülshoff im Herbstlicht (Oktober 2018)
                                                                           © A. Stephan Reyntjes
                            
Noch die Erinnerung an die Briefmarke zum 100. Gedenktag für Heinrich Böll (Weil Böll schon auf der Gaesdonck mein Schutzheiliger war – und er - damals - schon einen Brief von mir beantwortet hatte! Selige Erinnerungen! - Aber, warum Böll...? Te ipsum cura, medice.):



Also: Ich war un6erwegs zum Sechswochenamts für den alten Freund, den Konabiturienten. Er war am 6.9.2018 gestorben und mit einem Totenzettel:



Totenzettel von L.M.
(Mit einem schönen Foto):

Gestern
Warst Du bei uns mit Deinen Sprüchen und deinem Lächeln.
Heute
Bist Du in unserer Trauer
Und in unseren Tränen.
Morgen
Wirst Du bei uns sein in unseren Erinnerungen, in Erzählungen

Und in unseren Herzen.


Abends, zu Hause, trotz der ErInnerungen an Grab, Familie, sog. „Heiliger Messe“ in St. Pantaleon in Roxel:
Ich las noch abends aus meiner Neuerwerbung: Karen Duves Fräulein Nettes kurzer Sommer. Roman. 2018. S. 253):
                                               Grab eines Freundes in Roxel © A. Stephan Reyntjes


Karen Duves Droste-Roman:

In der Ferne läuteten die Glocken von St. Pantaleon in Roxel.

Aber, so regt sich mir ein erzählerisches Bedenken: Waren da die Glocken „unterwegs“? Was zeigen sie an? Frau Duwe erklärt nichts. Es war nur ein Abend mit Abendessen auf Schloss Hülshoff. Und da waren die Glocken aus Roxel zur Stelle? Ohne einen erzählerischen Belang; sie be-deuten nix, nur den Abend? 

Ein kleiner Resonz-Raum:

Nur mir hat es ge - ge-g l  ö c k t.*]

*] glöcken im mhd. 'wie eine glocke klingen':
die brunnen hort ich lustlich tosen
uz herten velsenclosen
so süezlich her geglöcket. (minneburg bei Lexer nachtr. 214)
 
* * *
 
.. mit Nachtrag vom Januar 2022 -  



Donnerstag, 15. Februar 2018

O R P L I D - verFEHLt -







Ein Häschen - blutig - geRISSsen von der Katze - Orplid verfeht!


O r p l i d  –  ach, von Orplid … keine Spur:

Franz Zeder, der plustrig-feuilltonistische Schreiber (der Seiten 127 - 364, in: Thomas Mann - Stefan Zweig. Briefwechsel, Dokumente und Schnittpunkte. Hrg. v. Katrin Bedenig und Franz Zeder. Ffm. 2016); wie ich anzeigte. Zeder zitiert SZWEIG simplifizierend : „Herrlich war diese tonische Welt von Kraft“.
„Gemeint war Paris [Verweis auf Belegstelle in WvonG. 1982; S. 229], das sogar dem Berliner Tucholsky als das ferne Orplid vor Augen stand: 'Mensch, einmal nur auf dem Boulevard', lautete ein Vers in einem seiner Chansons“ (S. 155) - sine loco et anno; aus der Bibliografie im Bd. kann man raten: ohne Quelle, ohne Relevanz, ohne WAHRheit
Bei KT gibt es keine Reminiszenz an „Orplid“; ja, Mörike wird pauschal, ohne Kenntnis, wie sie z. B. H. Hesse hatte, summarisches Lob für romantisches Getue, pardon!

KT? Gemeint sein könnte sein Feuilleton Paris. Da und dort wimmelte es von Menschen auf seinen Boulevards, Doch kein Gesang oder sonstig lyrisch Assonantisches von lasch verkündeten Orplid.
Vgl.: Kurt Tucholsky. In: Die Weltbühne, 22.05.1924, Nr. 21, S. 689.

Wo ver-bleibt es denn, das Orplid der Mörikeschen Knabenträume im Koppe des KT, nach Franz Zeder?In Kurt Tucholskys großartigem Bericht "Saisonbeginn" aus dem Jahre 1922, der deutsche, nationalsozialistische, antijüdische Unarten in einem Badeort an der Ostseeküste illustriert und analysiert, finden wir die Frühjahrszeit mit Mörikes Frühlingsgruß aus „Er ist's“ eröffnet:
"Oben an der Nordostküste Deutschlands rollen die Wogen in lan­gen Linien auf den Strand   es ist sehr kalt und frisch, und der Sand ist ganz naß. Horch! läutets da nicht silberhell durch die Lüfte? Du hast dich nicht verhört, herzliebster Leser: ist ers doch, der rosafüßige Frühling, der soeben   mit Genehmigung der zu­ständigen Wetterwarte   seinen Einzug gehalten hat. Frühling, ja, er ists! Marie, der Lenz ist da   und allenthalben hebt ein geschäf­tiges Leben und Treiben an und versetzt die biedere Bevölkerung der Wasserkante in die höchste Aufregung. (...)"
(Peter Panter, WB 11. 5.1922; aus: K.T.: Texte und Briefe. Bd. 5. Texte 1921 - 1922. Reinbek 1999: Verlag Rowohlt. S. 339 - 343; Erläuterungen zu diesen Text # 149, s. ibid. S. 782f.)

Aber auch dorten kein „Orplid“ in KT.s literarischem Gewissen und Ausdruck.


O r p l i d  – erschürft von Sängern – doch auch von Schätzern und Schwätzern:

Ernst Bloch erprobte sich: „Aber es ist ebenso ein nicht vorhandenes Italien, das so im Gemüte steht, es ist état d'âme, die Landschaft dieser Sehnsucht selbst, ihr Orplid.“
Und und zuvor: „Die Insel hieß Orplid, und ihre Lage dachte man sich im Stillen Ozean zwischen Neuseeland und Südamerika.“ (Bloch, Ernst: Das Prinzip Hoffnung) – Mannundfrau darf noch suchen in literar-sophischen GeWässern ...




Montag, 12. Februar 2018

Keine Kamellen! Keine Tabletten! N u r H E I N E !

Keine? Oder  H E I N E ?


Koschere K A M E L L E N - v e g a n  dazu!

Oh, Karneval - oh  K o r f   an der  K ü s s e l -
Keine, kardon: Heine – müsste wohl kacheln, ach, kachen – zumindsst lächeln - und so wäre Lachen keine (beste) Medizin mehr! So wollen Minderheiten ihren Stacheldraht mit Kamellen* hochziehen (zum Durchmarschieren, bis man beim Trinken nicht mehr Tag von Nacht unterscheiden kann, wie auf Purim?
»Die Bonbons sind vegan, ohne tierische Gelatine«, wird versichert.

Pardon. Kaschieren. Kaschieren kommt von kaschern!)
Ob er Lust hätte, eine seiner Harpunen zu nutzen?

* (...) wenn ich kein großer Walfischjäger geworden, so liegt die Schuld weder an Niels Andersen noch an mir, sondern an meinem bösen Schicksal, das mir nicht vergönnte, auf meinen Lebensfahrten irgendeinen Walfisch anzutreffen, mit welchem ich einen würdigen Kampf bestehen konnte. Ich begegnete nur gewöhnlichen Stockfischen und lausigen Heringen. Was hilft die beste Harpune gegen einen Hering? - [DieGötter im Exil (1853/ deutsch 1854)]

Dass der Nicht-Mehr-Jude Heine den jüdischen Goethe für die deutschen Narren abgeben soll auf einer Wagenplattform, ohne dass er seine Harpunen einsetzen kann – komischer Karneval!
  • Kit Karpunen kegen koschere Kamellen?
  • Wenn denn jemand seinen Mund aufmachte ob des verderblichen Zuckerwerks, könnte HH ihn über-zeugen, mittels poetischer Zahnbohrungen, sprich: dentaler Harpunen:
 
H H
in: Prinzessin Sabbath (in: Romanzero. 1851)

Schalet ist des wahren Gottes 

Koscheres Ambrosia,
Wonnebrot des Paradieses,
Und mit solcher Kost verglichen
Ist nur eitel Teufelsdreck

Das Ambrosia der falschen
Heidengötter Griechenlands,
Die verkappte Teufel waren.
Speist der Prinz von solcher Speise,

Glänzt sein Auge wie verkläret,
Und er knöpfet auf die Weste,
Und er spricht mit selgem Lächeln:
»Hör ich nicht den Jordan rauschen?

Sind das nicht die Brüßelbrunnen
 In dem Palmental von Beth-El,
Wo gelagert die Kamele? (...)“

Koscher(ei) – eine Narretei, die vom Volkstümlichen ins Nationale verclickert ist, wie das Kaschern, das Kochermachen .,, mit Dampfstrahl.)



Oh  H a h n  - ob  H e i n e?
Nun-gut: Franz  K a f k a:

Pessachfest. Eine Vereinigung reicher Juden mietet eine Bäckerei, ihre Mitglieder übernehmen alle Verrichtungen bei der Herstellung der sogenannten Achtzehn-Minuten-Mazzes für die Oberhäupter der Familien: das Holen des Wassers, das Kaschern, das Kneten, das Schneiden, das Durchlochen.“ (In Tagebüchern, am 3. Nov. 1911)

Dazu Kafka selbsten am 25. Dez, - man könnte - ob Heine oder Gothe auf den kulturell-integrativen Verdacht kommen, da würden K & G-Kulissen geschoben, um volkstümlich oder heimatlich sich zu ver-geben!

Goethe hält durch die Macht seiner Werke die Entwicklung der deutschen Sprache wahrscheinlich zurück. Wenn sich auch die Prosa in der Zwischenzeit öfters von ihm entfernt, so ist sie doch schließlich, wie gerade gegenwärtig, mit verstärkter Sehnsucht zu ihm zurückgekehrt und hat sich selbst alte, bei Goethe vorfindliche, sonst aber mit ihm nicht zusammenhängende Wendungen angeeignet, um sich an dem vervollständigten Anblick ihrer grenzenlosen Abhängigkeit zu erfreuen. 

Und die Etymologie?
"koscher Adj. ‘sauber, einwandfrei, unverdächtig, unbedenklich, rein, den jüdischen Speisevorschriften entsprechend’. Jidd. koscher ‘nach jüdischen Speisegesetzen rein und ohne religiöse Bedenken genießbar’ (aus hebr. kāšēr ‘rein') ist seit der 1. Hälfte des 18. Jhs. in dt. Texten bezeugt; mit der in der Studentensprache übertragenen und erweiterten Bedeutung ‘sauber, ehrlich, mit rechten Dingen zugehend’ wird es breiteren Kreisen bekannt.“ - Wer semantisch intelligent ist, kann "kaschieren" simultan integrieren...

Ich klaube - von Schmerzlichkeiten gepiesakt - in der Apothekeskiste: Wow, Karnevaleskes? - Welche d r ö g e n  Tabletten denn für  h e u t e?

Okay –

Keine! 
Und nicht   G  o  e  t  h  e  -  nur:  H  E  I  N  E!


Montag, 15. Januar 2018

Zwischen den Fugen des GEHENS ... ein Veilchen wuchs.
auch im WINDer noch, als WEGkundig ich such's...
Ein Blatt am Z W EI Ge:


»Willst du wider ein fliegend Blatt so ernstlich sein, und einen dürren Halm verfolgen ?« (Hiob 13,25

GEFUNDEN. AUFGEHOBEN. GELESEN. ERHALTEN.

Eine Stefan-Zeig-Adaption. (Oder: KonJunktion? KomPosition?)


RAINER MERKEL
Die Geschichte des Kusses von 1982


»Aber da fuhren ihre beiden Hände, die offenbar wartend auf der Decke gelegen, plötzlich empor. Wie Klammern umpreßten sie von beiden Seiten, ehe ich den Kopf wegwenden konnte, meine Schläfen und rissen mir den Mund von der Stirne nieder an ihre Lippen. So heiß, so saugend und gierig preßten sie sich an, daß die Zähne die Zähne berührten, und gleichzeitig wölbte und spannte sich drängend ihre Brust empor, um meinen herabgebeugten Körper zu berühren, zu spüren. Nie in meinem Leben hab ich mehr einen derart wilden, einen so verzweifelten, einen so durstigen Kuß empfangen wie von diesem verkrüppelten Kind.« Stefan Zweig, 'Ungeduld des Herzens'


Kann es tatsachlich so gewesen sein, dass ich mit meiner ersten Freundin nur aus Mitleid zusammen gewesen bin? Dass ich ihr nur aus Mitleid die Treue gehalten habe? In dem Jahr kurz vor dem Abitur, als ich anfing, Ungeduld des Herzens zu lesen, das Jahr, das dann auf einmal gegen alle Zeitrechnung mitten im Sommer in den Katakomben der Dortmunder Westfalenhalle endete. Oder ist es nicht vielmehr umgekehrt gewesen? Meine damalige Freundin, mit der ich zusammen das Abitur bestehen wollte, ist mit mir nur aus Mitleid zusammengeblieben.
Ich erfahre von einem Freund, dass meine Freundin eigentlich gar nicht meine Freundin ist. Er ist Sozialpädagoge und schon ein bisschen älter. Er erklärt es mir am Telefon, bei der Planung unserer Fahrt zur Dortmunder Westfalenhalle, während er mich gleichzeitig geschickt auszufragen versucht. »Also ihr seid schon zusammen gewesen? Aber dann, sagst du, ist noch gar nichts passiert ... « Er ist in der katholischen Kirche engagiert, von dort








<Ein stiller, stillgelegter BRUNNEN uner ZWEIGen >

.. ein K e r l, aufgeweckt für den Bereitschaftsdienst

 Lisa Kreitmeir (1973): Kerl, der durchs Bild läuft, von der Treppe herab... - sich zu erinnern versucht! [Ausschnitt aus'Szene im Bauerntheater']

Von der Treppe herabsteigend, sich vergeblich an den wüsten Schädel fassend:  ein Mann nach ver- oder durchsoffener Nacht:


Er braucht .. ZEIT ... zum WIEDER_Erwachen, bis er lesen kann?

Aber - er findet sie, die Zeit - nach ausdauernder Dusche mit mehrmaligem Kaltschwall - freilich erst am späten NachMittag ... liest er wieder, Gottseidank: Wilhelm Lehmanns "Signale"... - sucht ein DankeSchön an die NATUR.

Ach, D i e n s t  ist  D i e n s c h t!

Hic est servitium (-i, n.)


Oder - ich mach mich FREI:

Anton  Stephan  R e y n t j e s:


E i n g e L i e f e r t


"Dr. Klinkhammer? Patientin!"
Aber noch reißt es ihn nicht von seinem Diktierstuhl. Er nimmt den nächsten Fallbericht zur Hand.
"Herr Doktor, bitte. Die Frau ist ganz verwirrt. Ich binde sie fester. Jetzt pulkt und plörrt sie an ihrer Jacke herum. Ich muß die Hände schon festhalten. Was will sie? Ich kann nicht verstehen, was sie murmelt."
Jetzt wird der Stuhl zurückgeschoben.
"Lesen Sie mal die Einweisung vor."
"Frau Metelen. Gerda-Maria."
"Was, bitte?"
"Me-te-len, geb. 17.01.22."
"Lassen Sie sehen!" Der Stuhl ruckt weg, vom Fuß weggeschubst. Der Arzt ist schon herbeigetreten.
"Tante. Das ist meine Tante. Schwester, lesen Sie alles vor."
"Ja - warten Sie. - Sie kommt aus dem Stift an der Mollbecke."
"Das weiß ich. Sie lebt dort im Seniorenheim seit fünf Jahren oder sechs. - Di-ag-nose, bitte!"
"Hier. Kaum zu lesen. Extraktion der verbliebenen Eigenzähne, beidseitig, oben und unten."
"Was wollen die? Lassen Sie sehen. Ach, die Frau Dr. Hanni Kruckmann. Doctora dentalis."
Sie meinen, .. dentis?“
Die Schwester schaut den Stationsarzt fragend an.
"Der Frau sollen die wenigen Zähne noch gezogen werden? Und dann? Wollen die sie mit einer Sonde ernähren? Für den Rest ihrer Tage? Da im Heim?"
"Das können sie auch mit den restlichen Zähnen. Geht doch prima! - Aber sie trug schon ein gutes Gebiß. Bevor sie da ins Heim zog, hat sie sich die Zähne reparieren lassen. Meine Schwester hat ihr damals den Umzug organisiert. Und meine Mutter die Rechnungen überwiesen. War ein Prachtgebiß für über 6000. in Euro!.
Kann ich mir einmal im Leben leisten, hat sie damals gesagt. Dafür hat mein Mann 38 Jahre im Kohlendreck malocht! Das soll jetzt nur so blitzen in meinem Zuckermündchen!
Das Gebiss hat man ihr rausgenommen. "Konnte es nicht mehr repariert werden? Komisch!"
Der Arzt, tätschelt leicht die Wange links, die Wange rechts. "Tante Gerda? Tantchen? - Ich bin's, dein Neffe. - Mit zwei FF, wie du immer sagst."
Aber Frau Metelen ist eingeschlafen.
Sie wird zwischengeparkt.
*
Der Arzt telefoniert mit der einweisenden Ärztin.
"Haben Sie selber einmal bei einem solchermaßen erschwerten Essen teilgenommen? Ich meine natürlich: zugesehen? - Ah, Sie haben sich auf die Angaben der Heimleiterin verlassen. - Pflegesatzverordnung? - Aber mit Frau M. haben Sie auch nicht über ihr Gebiß gesprochen. - Ach, das ging nicht mehr. - Ständig verwirrt? - Und dann stillgestellt, aha. - Temporär, meinen Sie? - Nicht simpel abgestellt? - Ja, welche Dosis? - Ja, ich verstehe. - Aber wie können Sie denn, bei fehlender Patientenkontrolle über den Mundraum und insbesondere die Zunge - wie können Sie davon sprechen, dass Fr. M. bei dem neuen Vollgebiß reagieren und kontrolliern kann, wie das Gebiß sitzt? - Aha, Erfahrungswerte? - G n a t o-logisch, ahja. - Ich verstehe das aber richtig, ihr bisheriges Gebiß ist noch tadellos? - Das liegt noch in der Schublade! - Können Sie die Diagnose objektivieren? - Ja, ich selber werde noch meinen Chef konsultieren. - Äh, das habe ich natürlich schon. - Und unser Meinung steht fest. -- Bitte? Ich werde die Extraktion nicht vornehmen. - Ja, das können Sie. Aber Sie können mir glauben, dass ich auch in den zwei anderen Korthusener Krankenhäusern die chirurgischen Abteilungen informieren kann ... - Ja, wohl, ganz wie - das können Sie. - Kann ich mir vorstellen, dass Sie da ans Knappschaft in Bochum denken? Aber da arbeitet der Schwager meines Chefs. - Ja, davon können Sie ausgehen. - Und, ich will Ihnen noch eins sagen, zum Abschluß, Frau Kollegin. Ich lasse hier ein Aufnahmegerät schon mitlaufen. Nur so, prophylaktisch. - Schun Sie doch - bitte: Frau M. ist meine Verwandte, ja, meine Tante. Sie haben sie zufällig hier ins Barbara-Hospital einliefern lassen. Ich bin zufällig Arzt hier. Ich habe heute zufällig Dienst für meinen Kollegen, der gestern geheiratet hat. Ich habe Morgendienst in der Ambulanz, zufällig. Und ich soll zufällig meine Tante operieren in Vollnarkose."
Klack. Die Leitung ist tot.
Der Arzt spricht weiter, das Band läuft mit: "Ich habe zufällig einen Vorfall mitbekommen. Ich komme zufällig auf die Idee, dass da jemand ärztlich was veranlassen will, was Geld bringt, für den Einweisenden, für den Zahnarzt, fürs Dentallabor. Für den Zahntechniker. Ach - vielleicht auch für die Leiterin eines Altersheimes. Ich werde diesen Vorgang zurückverfolgen -“
Ja, zufällig?"
"Ja" - Zufällig war ich im Dienst. Hier! - Und habemich eerinnert, wie Tante wennSie zu Kaffe und Obsttore angerückt kamen, zwischendurch in Mutters Küche schlich, sich Kartoffelpüree auf einen Löffel - ja, aus dem Kühlschrank - nahm und sich die Zähnchen einbalsamierte, wie sie sagte."
(...)
" Wie? Ob ich spaße? - Da machen Sie mal Bereitschaft!" 
Er stoppt das Band.

Ein Wässerchen an der Mollbecke