(Ein) Phantomtor
(Mein) Phantomtor
Das “Phantor”, pardon: das "Phantomtor” ist zwar kein absolut neues Neuwort, aber ein Begriff, der sich rasant ausprägt (bis er wieder auf lange verschwindet. A’ bisserl guggeln zeigt’s auf. Das “Phantomtor” als Phantomwort?)
Also ein kleiner Essay: „das Phantomtor“ (implizit über den Berolinus, pardon: guggeln lehrt mich: Berolinismus“: ebend“)
Wer zuerst dieses Wort Phantomtor geschossen hat. Glückwunsch. Die ganze halbe BundiWelt, die Männer mit dem instinktiven Tordrang und dem unbestechlichen Urteil eriesen, (äh: Pardon: ich weiß nicht mehr, welches Verb hier eingetippt werden sollte, Sorry! Meine Korrekturmöglichkeiten sind erschöpft; ist das mediale Opfer eines durchschnittenen Tornetzgeflechts geworden?) äh: ebend ein „Phantomtor“. (Da muss ich noch einiges häkeln in meiner Verbalstruktur des Tiefensystems der deutschen Fußtreter-Vokabulatur.)
Zurück zum Thema, äh: zur Lücke, zum – welches Phantom sollte dieses Wort erfassen, begleichen, ausmalen, in die dritte Potenz erheben…?
Ja, es klang gut, ja es mobilisierte die Massen, ja, es wurde von einem Sportgericht befunden, beurteilt und verworfen. Sozusagen ein Ball ins Aus.
Nicht ins Aus der deutschlichen Sprache. Am „Phantomtor“ kann man durch Vergleich und phonologische Wertung erkennen, dass es ein wahre Klanggebilde nicht. Es heißt nicht Nulltor, nicht Nichttor, nicht „Keintor“, nicht „Albernheitstor“, nicht „Streittor“, nicht „Phantasietor“, „Debakeltor“ auch nicht „Schummeltor“. Kein „Betrugs-„ oder präfixfreies „Trugtor“. (Jean Paul hätte selbsten neuere oder neueste Wörter kreiert. Das Selbst- oder Fremderlebenstor?) Nein – es soll schallen durch alle Stadien, alle Sportgazetten. – Nur, es ist kein Bild zu sehen, trotz gewagter BildSchnitte, das, als der Ball ins Tor gestoßen wurde, eben per Kopfball und nicht irgendwie mit dem Knie, mit der Brust, der stolzgeschwellten den Phantasma-Fall erweist. Nein – es gibt keine Aufnahme von der Durchdringung des Außennetzes durch einen ballähnlichen Gegenstand.
Wir beurteilen das „Phantor“, pardon: Phantomtor: Ich hätte das Phantomtor gerne selber geschossen.
Ich lobe aus: Wer beweist mir, ob auf Schiedsrichterzettel, ob im Protokoll, ob in die frei Handfläche geschrieben (mit Kuli funzt das herrlich!) Der ehrliche Finder oder ÜberReicher oder Absender oder Freistoßtreter oder Mir-Einflüsterer: Wer hat dies Wort zuerst erklingen lassen, durch die Reportagen, die Sender, die Medienanstalten: Wer hat den Augenblick festgehalten, in dem das „Im-Nu-Tor“ fiel und per unvollständig dokumentierter Kunde dem deutschen Fußballvolk zum Geschenk gemacht wurde. (Ob es in Dudens Dateien und Worthaftsammlungen Eingang finden wird? Als philologisches Selbsttor?).
Ich wiederhole, als müsste ich, der ich seit 40 Jahren kein Fußballstadion mehr betreten habe!) das drohende Unentschieden (1:1!) retrograd und telepathisch die Beweise sichern - Ich hätte das Wort „Phantomtor“ gerne selber geschossen. Eins zu Null für ich, äh: mich!
Das “alternativlose Urteil“ (FAZ v. 28.10.2013) und „falsche Tatsachenentscheidungen“ ZEIT) als SpielSystemfehler regeln den Umgang mit dem Wort „Phantomtor“. Gloria in ecxcelsis ludi! Du bist gebenedeit unter den Worten. Aber, ja, feiern und bejubeln möchte ich solche Tore, wie St. Kießling sie ‚normal’ schießt: Amen!
Eben: Wiederholt werden kann ein Elfer, der verschossen wurde; wo und wenn der Torwart beispielsweise zu früh lossprang. Wahrhaft gehütet wird der Ball in der Sicherheit eines unbefleckten Tornetzes. Nur dort ist der Mensch ganz Mensch, im Spiel. Wie der Sportfreak namens Schiller es befahl. (Bei Wiki guggeln!)
Pardon: noch ein Geschwätz. In Fußballzeiten, wo ein Tor eine Millionen Stücker Gold wert sein kann, ist ein nicht geschossenes, ein nicht gewertetes, ei aberkanntes Tor wahrlich, wahrhaftig, wehmütig – ein pfeilschneller Phantomschmerz. Den man nicht mit dem Kopf besiegen kann. Sondern nur mit eigens geschossenen Toren oder Törchen.
Wikipedia hat schon eine kleine Geschichte des „Phantomtors“ zusammenge-, pardon: -erstellt. (Mit Fallgeschichte, mit Belegen, mit – ach, lesen Sie’s bitte selber. Damit nicht ein Phantomzitierfehler sich einschleichen mag oder kann. Und achten Sie auf die begriffliche Diskriminierung des „Wimbledon-“, pardon: „Wembleytors“.)
Ein Tumult im Wohnzimmer. Die „Kleinen“ haben ihren Schusserkasten, einen mit E
einschnitten wie Garagentörchen versehenen leeren Schuhkarton zum Knickern benutzt. Wer schießt seinen Klicker durch welche Törchen. Lea hat für sich vierzig Punke errechnet; und diktiert der Allerkleinsten, Franzi (wie Jährchen), eine Punktstand von „null“ zu: Nee, nix. Gar nix! Aufstand auf dem Parkett. Ich flüstere Franzi ins Ohr: „Phantomtor“. Sie kuckt, sie kräht: „Fato! Fato!“ – „Fato!“ - Ich erkläre das als Aufruf, dass alles fürs Schiedsgericht eingepackt werden muss: der Karton, die Knicker. Alles für die Mama, die am Abend aus der Kanzlei kommt. [Nein, nicht alle, nur die im Karton verbliebenen].
Und ab zum Spielplatz mit den – [Schluss mit Text!]
Ja, ich bestimm’s:
Zum Phantor oder Fantor [Fan-Tor!] gebe ich nicht den Kommentator ab.
TschüsskoTor!
Im SPIEGEL sind systemerhaltende Wörter von einem Sportsoziologen festgehalten: Ja, nu: hihü(!) spielerische Begeisterungsfähigkeit – und hott(!!) marken- und marktgerechtes Verhalten.
Wenn e i n Tor (ob satt geschossen, ob lächerlich als Selbsttor geschuldet) e i n e Million Euro kosten kann – dann könnte ein fehlendes Tor in der Endabrechnung der laufenden Bundesligasaison über Abstieg oder Klassenerhalt entscheiden. (Sehen Sie, man braucht gar keine Tore mehr zu schießen; man muss auf den Marktfaktor FanTor setzen. Schluss mit dem FanTor- und dem Ballgedöns!
Wielange gibt es noch Nachrichten vom Tor-Gedöns? Solange die Balkengerüst mit seinem Hinterraumnetz stehen. Auf den Fußballplätzen. Man muss ja als Fan oder Fantomtor die Chance haben, sich als Sieger zu fühlen. Ich hab gesiegt! „Ich hab den Ball dreingedroschen. Perfekt! Ich stand im Herzen ... von St. Kießling oder steckte in seinem Kopp. Basta!“
Sprachliches fach-sprachlich untersuchen: * Literatur; lustige, listige Wörter; WörterLISTEN, * Erzählungen * Wörterinformationen: Nomen,Adjektive und andere Worte und Wörter und * SprachFORMEN aller Art und Un-Arten *... WÖRTEREIEN und *... W O R T - M E L D U N G E N jeder Art und Un-Art
Mittwoch, 30. Oktober 2013
Dienstag, 29. Oktober 2013
Zweimal K n e c h t Ru p r e c h t
Zweimal Knecht R u p r e c h t „familiär“:
- Zur Weihnachtsvorbereitung empfohlen (vom St. Nico) -
> Adwenz? VorweihNACHZ? - Teil 2 >
* *
* *
* ~ *
Originaltitel des Buches, aus dem die zwei Rupprecht-Gedichte entnommen wurden:
„Gesammelte Kindergedichte von Paula Dehmel. Herausgegeben von Richard Dehmel mit Zeichnungen von Hans Thoma bei E. A. Seemann in Leipzig 1919“
Vollständig mit den anderen Gedichten aus Paula Dehmels „Das liebe Nest“. Es werden schon Wandlungen im individuellen Wertegefühl von „Gut“ und „Bös“ sichtbar: Der Realismus aus den familiären Grundstrukturen wird im Ansatz übertragen auf Heiligkeitsfiguren.
* * Der Niko – und der Ruper – sie haben wohl in Mitteleuropa alle Kinder in ihrem Werden als von dem Gewissen geprägte Schüler und/(oder) Bürger angesprochen: ob in Bildern, Geschichten oder in ihrer leiblichen Erscheinungsweise.
Hie ein Trost für alle „Früher-war-es-immer-alles-besser-Gläubigen des Heiligen Mannes.
* * Hier trollen sie sich in großer Vielfalt und -zahl – zumeist mit St. Nikolaus - durch die digitale Welt:
* * Weihnachtsgedichte all, überall…
P.S.:
Kurios modern, aber real: Knecht Ruprecht (jetzt quasi-feminin verwandelt) auftretend als Domina.
Post P.S.:
Unte dem Signum < Adwenz? VorweihNACHZ? > werden hier bis Weihnachten, ja bis zum Alt- und zum Neujahr unserer Tage weitere, zumeist zu den niederreicnischen Jahres-und Festzeiten verbindliche oder nichtige Erzählungen oder Gedicht oder Bilder erscheinen.
< Weihnukka im Dorstener Jüdischen Museum >
- Zur Weihnachtsvorbereitung empfohlen (vom St. Nico) -
> Adwenz? VorweihNACHZ? - Teil 2 >
* *
Paula Dehmel:
Weihnachtsschnee
Ihr Kinder, sperrt die Näschen auf,
es riecht nach Weihnachtstorten;
Knecht Ruprecht steht am Himmelsherd
und backt die feinsten Sorten.
Ihr Kinder, sperrt die Augen auf,
sonst nehmt den Operngucker:
die große Himmelsbüchse, seht,
tut Ruprecht ganz voll Zucker.
Er streut—die Kuchen sind schon voll—
er streut—na, das wird munter:
er schüttelt die Büchse und streut und streut
den ganzen Zucker runter.
Ihr Kinder, sperrt die Mäulchen auf,
schnell! Zucker schneit es heute!
Fangt auf, holt Schüsseln!—Ihr glaubt es nicht?
Ihr seid ungläubige Leute!
* *
Paula Dehmel:
Knecht Ruprecht in Nöten
Knecht Ruprecht kratzt sich seinen Bart
und rückt zurecht die Brille:
Ihr Engelskinder, lärmt nicht so,
seid mal ein bißchen stille!
Kommt, rückt hübsch artig zu mir ran,
seht euch mal das Bestellbuch an!
Was steht hier auf dem ersten Blatt?
was auf dem zweiten, dritten?
was steht am Ende von dem Buch?
was steht hier in der Mitten? -
Ach Weihnachtsmann, wir bitten sehr,
Schick uns doch mal das Luftschiff her!
Hans möchte nach Amerika,
und Fritz zu Tante Lotte,
Kurt durch die Luft zu Großpapa,
Marie zum lieben Gotte;
Georg will bloß nach Neuruppin
mit Zeppelin, mit Zeppelin.
Ach Zeppelin, du Zaubermann,
's ist aus der Haut zu fahren,
das ganze liebe kleine Pack
will bloß noch Luftschiff fahren;
dein Fahrzeug ist ja viel zu klein,
da gehn nicht alle Kinder 'rein.
Ihr Engelskinder, helft mir doch
in meinen Weihnachtsnöten,
baut mir ein Luftschiff riesengroß
mit hunderttaufend Böten,
laßt lustig die Propeller gehn,
da sollt ihr mal die Freude sehn!
Hurra, schreit da die Engelschar,
wir helfen alle, alle.
Nach dreien Tagen, blitzeblank,
stehts Luftschiff in der Halle.
Dank schön, sagt Ruprecht, fährt hinab,
holt alle Jungs und Mädels ab
zur Flugfahrt durch die Welten.
Ob sie sich nicht erkälten?
* ~ *
Originaltitel des Buches, aus dem die zwei Rupprecht-Gedichte entnommen wurden:
„Gesammelte Kindergedichte von Paula Dehmel. Herausgegeben von Richard Dehmel mit Zeichnungen von Hans Thoma bei E. A. Seemann in Leipzig 1919“
Vollständig mit den anderen Gedichten aus Paula Dehmels „Das liebe Nest“. Es werden schon Wandlungen im individuellen Wertegefühl von „Gut“ und „Bös“ sichtbar: Der Realismus aus den familiären Grundstrukturen wird im Ansatz übertragen auf Heiligkeitsfiguren.
* * Der Niko – und der Ruper – sie haben wohl in Mitteleuropa alle Kinder in ihrem Werden als von dem Gewissen geprägte Schüler und/(oder) Bürger angesprochen: ob in Bildern, Geschichten oder in ihrer leiblichen Erscheinungsweise.
Hie ein Trost für alle „Früher-war-es-immer-alles-besser-Gläubigen des Heiligen Mannes.
* * Hier trollen sie sich in großer Vielfalt und -zahl – zumeist mit St. Nikolaus - durch die digitale Welt:
* * Weihnachtsgedichte all, überall…
P.S.:
Kurios modern, aber real: Knecht Ruprecht (jetzt quasi-feminin verwandelt) auftretend als Domina.
Post P.S.:
Unte dem Signum < Adwenz? VorweihNACHZ? > werden hier bis Weihnachten, ja bis zum Alt- und zum Neujahr unserer Tage weitere, zumeist zu den niederreicnischen Jahres-und Festzeiten verbindliche oder nichtige Erzählungen oder Gedicht oder Bilder erscheinen.
< Weihnukka im Dorstener Jüdischen Museum >
Sonntag, 27. Oktober 2013
Ebner-Eschenbachs "gestohlenes Püppchen"
Adwenz? VorweihNACHZ? - Teil 1
... und eine Erinnerung an Püppchen, die zum Christkind gelogen, pardon: „geflogen“ waren?
Ja, das Stichwort: „ge- oder entflohene oder geraubte oder weggeflogene“ Puppen – um es recht zu verstehen: kurz oder lange vor dem Weihnachtsfest - funktioniert noch bei mir. (Nein, ich hatte keine Puppen, weder zur Pflege, noch zur Adoption); aber in der märchenhaften Zeit, als meine Schwestern - 10, 8 und ein Jahr alter als ich – nur, in Worten: nur je e i n e Puppe hatten; da passierte Ähnliches wie in dieser Adventsgeschichte; und ungelogen, ich hatte und habenie Eifer- oder Missgunst empfunde wg. der Pupppen. Aber die Erinnerung daran berührt mich tief.):
Marie von Ebner-Eschenbach:
D a s W e i h n a c h t s f e s t w a r n a h e
- Aus: "Meine Kinderjahre. Biographische Skizzen" -
Darin eine Passage über den Weihnachtsbrauch der gestohlenen Puppen. (Dass die Puppen der kleinen Mädchen zum Christkind geflogen sind, um dort wieder neu eingekleidet zu werden…; Marie Ebner-Eschenbach erzählt von sich und den Geschwistern aus der Zeit, als sie mit dem Vater und der Kinderfrau Pepinka in Wien lebten:
Ich verweise auf den Artikel über MvEE in zeno.org:
Das Weihnachtsfest war nahe, wir konnten die Tage bis zum 24. Dezember schon an den Fingern abzählen, als sich etwas begab, das uns in die größte Aufregung versetzte. Vor unsern Nasen gleichsam verschwanden unsere Puppen. Auf einmal waren alle fort. Eine vollständige Puppenauswanderung hatte stattgefunden.
Das Bett, in das Fritzi gestern noch ihre älteste Tochter, die große Christine, schlafen gelegt hatte – leer. Die Angehörigen Christinens hinweggefegt, als ob sie nie dagewesen wären. Meine blonde Fanchette, die freilich von der Blondheit nur noch den Ruf besaß – denn eine geduldige Friseurin war ich nicht –, ebenfalls unauffindbar. Wir kramten vergeblich nach ihr in unsern Laden, durchforschten alle Schränke und Winkel. Wir liefen ins Kinderzimmer und klagten die armen kleinen Brüder des Raubes unserer Puppen an. Daß wir auch im vorigen Jahre kurze Zeit vor Weihnachten denselben Jammer erlebt und dann unter dem Christbaum ebenso viele Puppen, als wir vermißt hatten, mit glänzend lackierten Gesichtern, reichem Gelock und schön gekleidet sitzen sahen, fiel uns nicht ein. Oh, wir waren dumme Kinder! Ich glaube nicht, daß es heutzutage noch so dumme Kinder gibt.
Pepinka, ärgerlich über die Nachgrabungen, die wir nun auch in dem von ihr beherrschten Reiche zu unternehmen begannen, ließ sich zu einem unvorsichtigen Worte hinreißen. »Geht, geht! sucht eure Puppen dort, wo sie sind.«
»Weißt du, wo sie sind? ... Ja, ja, du weißt es! Wo sind sie?« Wir ließen nicht nach, gaben ihr keine Ruhe, bis sie endlich, um uns loszuwerden, sagte: »Die kleine Greislerin hat sie gestohlen. Grad ist sie mit der Christine über die Gasse gelaufen.«
Gestohlen also! unsere Kinder gestohlen! durch die kleine Greislerin*) – oh, das leuchtete uns ein. Der konnte man alles Schlechte zutrauen. Ihre Mutter hatte einen Laden, gerade unter einem der Fenster des Kinderzimmers. Wir kauften dort die Glas- und Steinkugeln, mit denen wir eine Art Kriegsspiel spielten. Von der Mutter erhielten wir immer fünf Stück für einen Kreuzer, von der Tochter nur drei. Genügte das nicht, um uns ein Licht aufzustecken über das ganze Wesen dieser Person? Sie, natürlich, war die Puppenentführerin, sie lief herum mit der Christine, an ihr mußte Rache genommen werden. Es mußte! Ich war Feuer und Flamme dafür, und es gelang mir, meine Schwester davon zu überzeugen. Auch die sanfteste Mutter kann grausam werden, wenn es Kindesraub zu bestrafen gilt. Am liebsten würden wir die Missetäterin durchgeprügelt haben – woher aber die Gelegenheit dazu nehmen? Sie bei der Frau Greislerin verklagen? Ach, die tut ihr nichts, die fürchtet sich selbst vor ihr. Was also soll geschehen? Was für ein Gesicht soll unsere Rache haben? Ein schwarzes! machten wir endlich aus. Es war beschlossen, was der Diebin geschehen soll: Wir werden ihr Tinte auf den Kopf gießen.
Pepi (also:Pepinka) war ins Nebenzimmer zu den Kleinen gegangen und hatte die Tür geschlossen; wir glaubten unser nichtsnutziges Vorhaben ungestört ausführen zu können. Ich holte eilends das Fläschchen herbei, das unsern Tintenvorrat enthielt; wir schoben in das Fenster, unter dem der Greislerladen sich befand, einen Schemel und bestiegen ihn. Fritzi öffnete den inneren Fensterflügel und mit Mühe nur ein wenig den äußeren, und ich steckte den mit der Tintenflasche bewaffneten Arm durch den Spalt. Jetzt – hinunter mit dem Guß! Hinunter auf die Greislerin, die natürlich nichts Besseres zu tun hat, als dazustehen und ihm ihr schuldiges Haupt darzubieten.
Die spanische Armada war einst nicht siegesgewisser ausgezogen als wir zu unserer Unternehmung – und ihr Schicksal teilten wir. Die Elemente erhoben sich wider uns. Es stürmte an dem Tage im Rotgäßchen wie anno 1588 auf dem Atlantischen Ozean, und noch dazu gab's ein Gestöber von weichem Schnee. Ein Windstoß entriß meiner Schwester den Fensterflügel und schlug ihn gleich darauf so schnell wieder zu, daß ich kaum Zeit hatte, meinen ausgestreckten Arm zurückzuziehen und das Tintenfläschchen vor dem Sturze zu retten. Sein Inhalt übersprühte die Glasscheibe, tropfte, mit Schnee und Regen vermischt, vom Fenstersimse herab, umhüllte meine Finger mit der Farbe der Trauer.
Laut und lebendig gestaltete sich der Schluß des ganzen Abenteuers. Pepinka mußte etwas von unserm Treiben vernommen haben, denn plötzlich stürzte sie herbei. Ihr Antlitz glich dem rot aufgehenden Monde, ihre Haubenbänder flogen – ich weiß noch recht gut, daß sie eidottergelb waren.
»Ihr Verdunnerten!« rief sie. »Jesus, Maria und Josef! Fenster aufreißen, mitten im Winter! Was fällt euch ein, ihr, ihr ...« Der Rest sei Schweigen. Mögen die Ehrentitel, mit denen sie uns ausstattete, der Vergessenheit anheimfallen. Sie bildeten eine relativ milde Einleitung zu den in prophetischem Tone ausgesprochenen Worten: »Ihr könnt euch freuen. Gleich wird die Polizei über euch kommen!«
Da war mit einemmal alles erloschen, jeder Funke des Hasses gegen die Greislerin und bis aufs letzte Flämmchen unsere lodernde Racheglut. Nur noch einen heißen Wunsch hatten wir, nur mit einer Bitte bestürmten wir Pepinka: Nur die Polizei nicht hereinlassen! Nur der Polizei nicht erlauben, daß sie komme, uns »einzuführen«!
Die Fortsetzung, bitte sehr hier:
Oder:
http://www.zeno.org/Literatur/M/Ebner-Eschenbach,+Marie+von/Autobiographisches/Meine+Kinderjahre/%5BBiographische+Skizzen%5D
Die Ebner-Eschenbach sollte man sich wg. ihrer schonungsslosen Aphorismen oder ihrer gewichtigen Novellen aus dem sozialen Milieu nicht auf alten Briefmarken anschauen, sondern z.B. auf diesem Porträt:
- Marie Freifrau von Ebner-Eschenbach geb. Gräfin Dubsksý von Třebomislyc gem. im Alter 43-jährig gemalt von Karl von Blaas (1815 - 1894), einem österreichischen Historien- und Genremaler.
*) In Lexika findet man (immmer noch):
Greisler: Greisler/in: Greisler (eigentlich s. v. w. Grießhändler, Graupner), in Österreich und Bayern Bezeichnung des Kleinhändlers für Haushaltungsbedarf.
„Die kleine Greislerin“ ist hier als das Kind des Greislers (oder der Greislerin), der/die unten im Haus seinen/ihren Laden hatte.
Und zum(r)r Greisler(in) ein niedlich-schönes Foto (aus dem Jahre 2006,mit der Unterzeile: „leider bereits eine vergangenheit, wiens letzter greisler“.)
... und eine Erinnerung an Püppchen, die zum Christkind gelogen, pardon: „geflogen“ waren?
Ja, das Stichwort: „ge- oder entflohene oder geraubte oder weggeflogene“ Puppen – um es recht zu verstehen: kurz oder lange vor dem Weihnachtsfest - funktioniert noch bei mir. (Nein, ich hatte keine Puppen, weder zur Pflege, noch zur Adoption); aber in der märchenhaften Zeit, als meine Schwestern - 10, 8 und ein Jahr alter als ich – nur, in Worten: nur je e i n e Puppe hatten; da passierte Ähnliches wie in dieser Adventsgeschichte; und ungelogen, ich hatte und habe
Marie von Ebner-Eschenbach:
D a s W e i h n a c h t s f e s t w a r n a h e
- Aus: "Meine Kinderjahre. Biographische Skizzen" -
Darin eine Passage über den Weihnachtsbrauch der gestohlenen Puppen. (Dass die Puppen der kleinen Mädchen zum Christkind geflogen sind, um dort wieder neu eingekleidet zu werden…; Marie Ebner-Eschenbach erzählt von sich und den Geschwistern aus der Zeit, als sie mit dem Vater und der Kinderfrau Pepinka in Wien lebten:
Ich verweise auf den Artikel über MvEE in zeno.org:
Das Weihnachtsfest war nahe, wir konnten die Tage bis zum 24. Dezember schon an den Fingern abzählen, als sich etwas begab, das uns in die größte Aufregung versetzte. Vor unsern Nasen gleichsam verschwanden unsere Puppen. Auf einmal waren alle fort. Eine vollständige Puppenauswanderung hatte stattgefunden.
Das Bett, in das Fritzi gestern noch ihre älteste Tochter, die große Christine, schlafen gelegt hatte – leer. Die Angehörigen Christinens hinweggefegt, als ob sie nie dagewesen wären. Meine blonde Fanchette, die freilich von der Blondheit nur noch den Ruf besaß – denn eine geduldige Friseurin war ich nicht –, ebenfalls unauffindbar. Wir kramten vergeblich nach ihr in unsern Laden, durchforschten alle Schränke und Winkel. Wir liefen ins Kinderzimmer und klagten die armen kleinen Brüder des Raubes unserer Puppen an. Daß wir auch im vorigen Jahre kurze Zeit vor Weihnachten denselben Jammer erlebt und dann unter dem Christbaum ebenso viele Puppen, als wir vermißt hatten, mit glänzend lackierten Gesichtern, reichem Gelock und schön gekleidet sitzen sahen, fiel uns nicht ein. Oh, wir waren dumme Kinder! Ich glaube nicht, daß es heutzutage noch so dumme Kinder gibt.
Pepinka, ärgerlich über die Nachgrabungen, die wir nun auch in dem von ihr beherrschten Reiche zu unternehmen begannen, ließ sich zu einem unvorsichtigen Worte hinreißen. »Geht, geht! sucht eure Puppen dort, wo sie sind.«
»Weißt du, wo sie sind? ... Ja, ja, du weißt es! Wo sind sie?« Wir ließen nicht nach, gaben ihr keine Ruhe, bis sie endlich, um uns loszuwerden, sagte: »Die kleine Greislerin hat sie gestohlen. Grad ist sie mit der Christine über die Gasse gelaufen.«
Gestohlen also! unsere Kinder gestohlen! durch die kleine Greislerin*) – oh, das leuchtete uns ein. Der konnte man alles Schlechte zutrauen. Ihre Mutter hatte einen Laden, gerade unter einem der Fenster des Kinderzimmers. Wir kauften dort die Glas- und Steinkugeln, mit denen wir eine Art Kriegsspiel spielten. Von der Mutter erhielten wir immer fünf Stück für einen Kreuzer, von der Tochter nur drei. Genügte das nicht, um uns ein Licht aufzustecken über das ganze Wesen dieser Person? Sie, natürlich, war die Puppenentführerin, sie lief herum mit der Christine, an ihr mußte Rache genommen werden. Es mußte! Ich war Feuer und Flamme dafür, und es gelang mir, meine Schwester davon zu überzeugen. Auch die sanfteste Mutter kann grausam werden, wenn es Kindesraub zu bestrafen gilt. Am liebsten würden wir die Missetäterin durchgeprügelt haben – woher aber die Gelegenheit dazu nehmen? Sie bei der Frau Greislerin verklagen? Ach, die tut ihr nichts, die fürchtet sich selbst vor ihr. Was also soll geschehen? Was für ein Gesicht soll unsere Rache haben? Ein schwarzes! machten wir endlich aus. Es war beschlossen, was der Diebin geschehen soll: Wir werden ihr Tinte auf den Kopf gießen.
Pepi (also:Pepinka) war ins Nebenzimmer zu den Kleinen gegangen und hatte die Tür geschlossen; wir glaubten unser nichtsnutziges Vorhaben ungestört ausführen zu können. Ich holte eilends das Fläschchen herbei, das unsern Tintenvorrat enthielt; wir schoben in das Fenster, unter dem der Greislerladen sich befand, einen Schemel und bestiegen ihn. Fritzi öffnete den inneren Fensterflügel und mit Mühe nur ein wenig den äußeren, und ich steckte den mit der Tintenflasche bewaffneten Arm durch den Spalt. Jetzt – hinunter mit dem Guß! Hinunter auf die Greislerin, die natürlich nichts Besseres zu tun hat, als dazustehen und ihm ihr schuldiges Haupt darzubieten.
Die spanische Armada war einst nicht siegesgewisser ausgezogen als wir zu unserer Unternehmung – und ihr Schicksal teilten wir. Die Elemente erhoben sich wider uns. Es stürmte an dem Tage im Rotgäßchen wie anno 1588 auf dem Atlantischen Ozean, und noch dazu gab's ein Gestöber von weichem Schnee. Ein Windstoß entriß meiner Schwester den Fensterflügel und schlug ihn gleich darauf so schnell wieder zu, daß ich kaum Zeit hatte, meinen ausgestreckten Arm zurückzuziehen und das Tintenfläschchen vor dem Sturze zu retten. Sein Inhalt übersprühte die Glasscheibe, tropfte, mit Schnee und Regen vermischt, vom Fenstersimse herab, umhüllte meine Finger mit der Farbe der Trauer.
Laut und lebendig gestaltete sich der Schluß des ganzen Abenteuers. Pepinka mußte etwas von unserm Treiben vernommen haben, denn plötzlich stürzte sie herbei. Ihr Antlitz glich dem rot aufgehenden Monde, ihre Haubenbänder flogen – ich weiß noch recht gut, daß sie eidottergelb waren.
»Ihr Verdunnerten!« rief sie. »Jesus, Maria und Josef! Fenster aufreißen, mitten im Winter! Was fällt euch ein, ihr, ihr ...« Der Rest sei Schweigen. Mögen die Ehrentitel, mit denen sie uns ausstattete, der Vergessenheit anheimfallen. Sie bildeten eine relativ milde Einleitung zu den in prophetischem Tone ausgesprochenen Worten: »Ihr könnt euch freuen. Gleich wird die Polizei über euch kommen!«
Da war mit einemmal alles erloschen, jeder Funke des Hasses gegen die Greislerin und bis aufs letzte Flämmchen unsere lodernde Racheglut. Nur noch einen heißen Wunsch hatten wir, nur mit einer Bitte bestürmten wir Pepinka: Nur die Polizei nicht hereinlassen! Nur der Polizei nicht erlauben, daß sie komme, uns »einzuführen«!
Die Fortsetzung, bitte sehr hier:
Oder:
http://www.zeno.org/Literatur/M/Ebner-Eschenbach,+Marie+von/Autobiographisches/Meine+Kinderjahre/%5BBiographische+Skizzen%5D
Die Ebner-Eschenbach sollte man sich wg. ihrer schonungsslosen Aphorismen oder ihrer gewichtigen Novellen aus dem sozialen Milieu nicht auf alten Briefmarken anschauen, sondern z.B. auf diesem Porträt:
- Marie Freifrau von Ebner-Eschenbach geb. Gräfin Dubsksý von Třebomislyc gem. im Alter 43-jährig gemalt von Karl von Blaas (1815 - 1894), einem österreichischen Historien- und Genremaler.
*) In Lexika findet man (immmer noch):
Greisler: Greisler/in: Greisler (eigentlich s. v. w. Grießhändler, Graupner), in Österreich und Bayern Bezeichnung des Kleinhändlers für Haushaltungsbedarf.
„Die kleine Greislerin“ ist hier als das Kind des Greislers (oder der Greislerin), der/die unten im Haus seinen/ihren Laden hatte.
Und zum(r)r Greisler(in) ein niedlich-schönes Foto (aus dem Jahre 2006,mit der Unterzeile: „leider bereits eine vergangenheit, wiens letzter greisler“.)
Samstag, 26. Oktober 2013
S i n t e r k l a a s
S i n t e r k l a a s oder [deutsch]: St. Nikolaus mit dem "Schwarzen Mann" oder "Hannes Muff"
„Sinterklaas“ und der „zwarte Piet“ seien praktizierter Rassismus? Aus meiner Kindheitserfahrung ist das reiner Blödsinn!
Als Kind niederländischer Eltern wurde ich in Deutschland in der Nachkriegszeit geboren und erzogen. Ja, ich war auch Niederländer (erst mit 25 Jahren bekam ich eine deutsche Einbürgerungsurkunde [gegen Geld]; es war mir egal, ich wollte Europäer sein. Und deutscher Lehrer werden.)
In der Kindheit, bis ich den Glauben an St. Nikolaus oder ans Christkind nach „Verrat“ unter Klassenkameraden ablegte, „erfuhr“ ich in der Vereinigung „Nederlandia“, an der mein Vater festhielt, den Sinterklaas-Tag, mit heftigem Auftritt der „schwarzen Männer“. Sie steckten einen mir bekannten Schuljungen in ihren Kartoffelsack, nachdem sie seine „Übeltaten“ laut vortrugen, verdroschen ihn und schleppten ihn ab (bis zu einer Hintertür der Gastwirtschaft und ließen ihn dort entkommen; der Vater wartete dort schon. - Wir wussten von nichts...).
Wir Kinder bibberten derweil. Meine Eltern haben aber nie meine Geschwister oder mich zu solchen „pädagogischen“ Brutalmaßnahmen „verraten“, (dies Wissen behielte sie für sich; es war ihre Pädadgogik der Hinterhand). Aber wirksam war es für etwa fünfzig Kinder einer Kleinstadt am Niederrhein. Und für nichtniederländische Kinder vollzog sich ähnliche Drohpädagogik; überall, wo ein St. Nikolaus mit dem "goldenen Buch" eingeladen wurde in die Familie. - Bis der Brauch bei uns und in den uns bekannten Familien einschlief…
Für uns hatte das in Deutschland stärker ausgeprägte „Christkind“ längst die Funktion des „Sinterklaas“ übernommen; und es war immer ein Festtag (auch mit geringen Geschenken; siehe Nachkriegszeit, also nach 1945! Wo ich als siebtes Kind einer Landarbeiterfamilie „durchkommen“ musste)
Und heute?
Für meine (d.h. unsere) Kinder war Sinterklaas nie ein Mittel, um pädagogischen Furor auszuüben.…
Beschäftigt hat mich das „Nikolaus/Klaus-Thema immer wieder.
Am Niederrhein gab und gibt es den Heiligen Antonius in jeder Kirche; er ist der Almosenverteiler für die armen; also muss auch eingesammelt werden. Den St. Nikolaus recht selten.
Keine literarisch wichtige, vielmehr eine triviale, kulturell auffällige Geschichte von einem "unglücklichen Schokoladen-Nikolaus", dem verblassten Heiligen Mann.
Sinterklaas, korrekt auf "Holland.com", der "offiziellen Seite der Niederlande" (auf Deutsch).
St. Nicholas "Lipensky" (Russian icon from Lipnya Church of St. Nicholas in Novgorod)
"Sinterklaas" und "Zwaarte Piet" für Jann-änn-Allemann-Geschmack, jedenfalls in NL: Man spielt mit dem "Entsetzen", mit den Gebräuchen des Himmels - oder der Hölle; was man sich nicht einmal meehr klar macht. Es ist eine Volksbelustigung, keine Volksbelehrung..
Zur sachgerechten Diskussion über den "St. Nikolaus" (deutsch) oder den "Sinterklaas" (niederländisch) vgl. Wikipedias Artikel.
Viel Neues bot mir auch der Wikipedia-Artikel "Knecht Ruprecht".
Jahrtausende alte Brauchtümer, insbesondere bei der Vermittlung von "gut" und "bös" und der Personifikation des "Heiligen" und des "Böen" (oder "bösen Buben"), bieten sich noch heute in Rumpfeinheiten und verlorenen Spielen oder undeutlichen Gesten.
P.S.:
Pu!? Das seien nur alte, verloren gegangene Zusammenhänge von Ideal und Verkehrung. Schauen Sie sich mal an, wie eine Versicherung neue Formen der körperlichen und emotionalen Sicherheit aufzubauen beliebt:„das Schutzengelgefühl“. Hie geht es um Geld, um materielle Vorteile, die mit geglaubten Vorteilen erkauft werden.
Früher bekam man/kind die Gut-Böse-Packung in der allfälligen Sozialisation als wert-geleitete Einheit von Religion/Kirche/Familie/Nachbarschaft/Schule. Dafür zahlen musste man "natürlich".
Heute wird eine neue Versorgung der persönlichen Ich-Kultur aufgeboten, mit irren Auf- und Ableitungen.
Donnerstag, 24. Oktober 2013
Lingua l a p i d i s
L i n g u a l a p i d i s
Aus dem Angebot eines Münchner Marmor-Hauses:
Von den vielen Granitarten und –formen aus aller Welt Steinbrüchen heißt die schwärzeste:
“Nero assoluto”
Hier im Ensemble ähnlicher geologischer Sprachen:
So fühlte ein Mensch Franz-Peter T. sich angesprochen und einverstanden mit Peson und Funktion im Amt, des Episcopus lapidis: Bischof des Steins:
Und hier in der “individuellen” Sprache seiner Struktur des Schweigens:
Nero Assoluto
Herkunft: Südafrika
Oberfläche: edelpoliert
Farbeindruck: tiefschwarz mit selten wolkig helleren Partien
Gestein: Magmatit
Gesteinsart: Gabbro-Norit
Selbst dorten - beim Hoch-Lieferanten - muss man auswählen, als Vertreter der liturgischen und privaten Schwärze der Gesinnung und des Rockes:
Und fein verbalisiert als Charakterisierung:
„Absolut schwarz ist dieser Granit, besonders feinkörnig und ebenmässig. Wie auf der Oberfläche eines stillen Sees spiegelt sich die Umgebung auf den glänzend polierten Flächen.“
Die ästhetische Leere, pardon:
: als Charakter, als Personalist, als Bischof. Vertreter der des Schweigens:
Und -anzuschauen auf der Ssite "bistumlimburg.de" - der Stein, als Fundament, als Wände, als Dach.
Beispielhaft ein Liedchen, partdon: eine Gesang, wahlweise,von der “Stella maris”:
Einblick auf den Turmbau im bischöflichen Ensemble:
> "Der Turmbau zu Limburg" - Bild: Frankfurter Rundschau » Frankfurt/Rhein-Main » Frankfurt » Spezials » Kirche. Foto: imago stock&people <
In diesem Beitrag von Joachim Frank, “Frankfurter Rundschau“, über dradio.de finde ich einenn glaubwürdigen Kommentar als Zusammenfassung für eine Woche TvT-Berichte.
Click & lies & gönn dir diesen Kommentar: Joachim Frank: "Papst verweigert einen Showdown".
Aus dem Angebot eines Münchner Marmor-Hauses:
Von den vielen Granitarten und –formen aus aller Welt Steinbrüchen heißt die schwärzeste:
“Nero assoluto”
Hier im Ensemble ähnlicher geologischer Sprachen:
So fühlte ein Mensch Franz-Peter T. sich angesprochen und einverstanden mit Peson und Funktion im Amt, des Episcopus lapidis: Bischof des Steins:
Und hier in der “individuellen” Sprache seiner Struktur des Schweigens:
Nero Assoluto
Herkunft: Südafrika
Oberfläche: edelpoliert
Farbeindruck: tiefschwarz mit selten wolkig helleren Partien
Gestein: Magmatit
Gesteinsart: Gabbro-Norit
Selbst dorten - beim Hoch-Lieferanten - muss man auswählen, als Vertreter der liturgischen und privaten Schwärze der Gesinnung und des Rockes:
Und fein verbalisiert als Charakterisierung:
„Absolut schwarz ist dieser Granit, besonders feinkörnig und ebenmässig. Wie auf der Oberfläche eines stillen Sees spiegelt sich die Umgebung auf den glänzend polierten Flächen.“
Die ästhetische Leere, pardon:
: als Charakter, als Personalist, als Bischof. Vertreter der des Schweigens:Und -anzuschauen auf der Ssite "bistumlimburg.de" - der Stein, als Fundament, als Wände, als Dach.
Beispielhaft ein Liedchen, partdon: eine Gesang, wahlweise,von der “Stella maris”:
Hieendet die metaphorische Deutung, die hintersinnige Interpretation, die Sprache des saxa loquntur.
Identitär [nicht: Identität!]:
"Es gibt ein identitäres Amtsverständnis, das die Erhabenheit der eigenen Amtsperson ins Irrwitzige steigert", sagte der Geistliche in einem Interview, das DIE ZEIT in ihrer am Donnerstag erscheinenden Ausgabe veröffentlicht. (…)
Gestern gelesen, heute auch in der gedruckten ZEIT (44/2013):
„Der führende innerkirchliche Kritiker des Bischofs von Limburg, der Frankfurter Stadtdekan Johannes zu Eltz, bemängelt grundsätzlich die Auswahl und Amtsführung katholischer Bischöfe. "Es gibt ein identitäres Amtsverständnis, das die Erhabenheit der eigenen Amtsperson ins Irrwitzige steigert", sagte der Geistliche in einem Interview, das DIE ZEIT in ihrer am Donnerstag erscheinenden Ausgabe veröffentlicht. "Wenn solche Leute systematisch gefördert werden, dann ist das System Kirche krank. Es zieht Narzissten an."
"Identitär" - da muss ich nachdenken. - Duden kennt kein Adjektiv zu Identität:
http://www.duden.de/rechtschreibung/Identitaet
Man kann sich, abgleitet von einigen vorgegebenen Nomen, den Sinn der zentralen Aussage denken: und ich möchte formulieren:
Ein priesterlicher Lebenswech, pardon: -weg:
Das elitäre Auserlesenheitsprinzip, das Sukzessionsverfahren, die Weihe als Sakrament auf Lebenszeit und himmlische Erfüllung aufgrund von Vorherbestimmung, das priesterliche und (noch würde- und weihevoller) das bischöfliche Amtsverständnis als Einheit von Person und Funktion - sie gebären, im Extremfall, Charakterverformungen und ein adelig-monarchisches Gehabe ... mit Prunk und Verschwendung; Jahre lang einzuüben ohne Kontrolle und freundschaftliche Einwirkung.
Das Kirchenvolk, "der große Lümmel" (s. Heine im "Deutschland. Ein Wintermärchen"), huldigt gerne solchen Showkünstlern.
Man kann sich so wohlig-emotional "verstanden" fühlen, ohne dass es eigene Verantwortung kostet - Der Himmel hat es so gewollt.*
In Limburg kam hinzu - die Causa pesonalis verschärfend - dass der Vorgänger vonFürstBischof TvE, ein würdiger, armer, mildtätiger, volksnaker Bischof - ein frater in Christo - war, ein alter Gaesdoncker, dessen Wahl- und Wahrspruch er durchhielt, der Bischof Franz [ohne 'Peter'] : "Evangelizare pauperibus!". Deutsch: "Den Armen die Frohbotschaft verkünden".
- Nachzulesen:
Franz K a m p h a u s.
Einblick auf den Turmbau im bischöflichen Ensemble:
> "Der Turmbau zu Limburg" - Bild: Frankfurter Rundschau » Frankfurt/Rhein-Main » Frankfurt » Spezials » Kirche. Foto: imago stock&people <
In diesem Beitrag von Joachim Frank, “Frankfurter Rundschau“, über dradio.de finde ich einenn glaubwürdigen Kommentar als Zusammenfassung für eine Woche TvT-Berichte.
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Sonntag, 20. Oktober 2013
Im W a r t e z i m m e r
Stephanie Reyntjes-Drissen:
Vor der Tür zur Behandlung
"Frau Dr. Mai, kommen Sie bitte durch."
Dort, vor den zwei Türen, die zu den Behandlungszimmern führten, saß sie wieder neben der Frau, die ihr schon im Wartezimmer aufgefallen war. Auch jetzt fummelte sie so nervös am Ohr herum. Von der Seite aus beobachtete Frau Werner die ältere Dame. Sie ist elegant gekleidet, fast modisch. Sie trägt ein schwarzes Kleid, beinahe ein kleines Schwarzes, so schick wirkt es; vielleicht ein wenig zu kostbar für diese Umgebung hier im Wartezimmer, mit einem weißen, großen Kragen, der sich glatt um den gefältelten Hals legt. Und groß schaut der raus.
Wieder prockelte sie im rechten Ohr, neigte den Kopf, schüttelte ihn hin und her. Dann nahm sie eine Illustrierte, schlug sie auf und versuchte zu lesen. Doch nach wenigen Sekunden ging das Spielchen wieder los. Sie ließ die Lektüre wieder fallen, fuhr mit dem Zeigefinger der rechten Hand in den Gehörgang, rührte darin herum, schüttelte wohl den Kopf.
Hanne Mai wird’s nervös. Wegsetzen kann sie sich nicht. Da wagt sie es, die neben ihr sitzende Dame anzusprechen: "Haben Sie auch so Ohrgeräusche, so einen Tinntus - oder wie heißt das?"
Frizzi Lange: "Ach, ja, da kann man verrückt werden. Das zischt und tutet und pustet und sirrt da im Kopp herum."
Maichen: "Das ist - mein Gott - das ist wohl eine arge Plage im Kopf. Ich will sie zu den biblischen Plagen rechnen. Luther soll ja auch so ein teuflisches Ohr gehabt haben. Das hat er sich auch nicht ausgerissen. Es half ihm, an den Teufel zu glauben."
Die kurze Lange: "Ach und wie! Das hab ich schon seit acht Jahren. Manchmal kann ich es mit Schmerzmitteln etwas beruhigen. So Aspirin oder mehr. Jetzt habe ich von einer Freundin gehört, dass es ein Mittel gibt, das ist eine Psychotablette. Aber das ist mir egal. Das soll helfen. Was hilft, hat Recht.
Eine Pause, wie lange? Egal!
„Hörn Sie!“ – Sie muss husten.
„Aber gleich muss sich noch über den Weihnachtsmarkt. Ich will da meine gestrickten Handschuhe verkaufen. Das soll mir da einer abnehmen. Ich geb’s ihm auch umsonst.“
„Und wegen Ihrer Tabletten?“
„Ja, da muss ich doch meinen Doktor fragen, warum er mir das noch nicht verschrieben hat."
„Aber! Wie machen Sie das mit dem Weihnachts-“
„Och mit dem Weihnachtsmann? Da gibt es in der dritten Gasse eine Bude, mit einem kleinen Vorraum. So eine Wackeltür.“ (Sie prockelt sich das Wort wie aus dem Ohr. Flupsig.) „Dann kommt man zum Weihnachtsmann. Der hat dort eine kleine Herde von Schafen. Kleine, wollig frohwüchsige Tierchen. Welche Rasse? – Nö, weiß ich nicht.“
Sie macht eine kleine Pause. Sie reibt sich ihre knorpeligen Ohrmuscheln. Zieht am Läppchen. Wackelt mit dem Kopp. Alles klar?
"Schon als Sechzehnjährige, da - nachdem ich die Schule verlassen hatte - sehen Sie da drüben das Gymnasium - da bin ich nach der Mittleren Reife abgegangen - nach meinem ersten Tanzschulball, am Tag danach, habe ich schon ein Brummen im Ohr gehabt. Das ist dann jahrelang weggewesen. Fällt ‚m irgendwann auf, nich?" Sie lacht und greift nach dem Arm der neben ihr Sitzenden. Schüttelt ihn kräftig.
Vom Lautsprecher her ein Krächzen: "Frau Schwuwu, Sie können rein zum Doktor."
"Ach, Mädchen, nehmen Sie mal jemand anders vor. Da - da sitzt so ein Leidender! Ich unterhalte mich grade ein bisschen so schön. - Aber seit ich alleine sitze, so den ganzen Tag, da lärmt es mir im Ohr. Da stehe ich manchmal auf und tanze im Zimmer herum zu lauter Musik. Das wirkt dann für kurze Zeit. Oder ich geh' auf den Balkon. Sehen Sie das, ja? Da draußen. Kennen Sie sich hier aus in der City? Da ist ja das Gymnasium, das Haus mit dem riesigen Dach da im Schnee. Dann ist das da die Alte Kirche. Ja, da, den Helm auf der Spitze können Sie gut sehen.“
„Sie meinen das Kreuz?“
„Ja, dann auch der Martinshelm! Links vor dem kleinen Museum, da wohne ich. Wo da der Schnee auf dem Dach weggeschmolzen ist. Als Mädchen, wissen Sie, da war noch der alte Propst im Pfarrhaus. Der hat lange regiert. Und der herrschte mal so eben, von Kanzel und vom Katheter aus. Der fuhr so gerne auf seinem Fahrrad herum. Ein großer, stolzer Mann! Aus altem westfälischem Geschlecht. Eine Recke von fast 20 Meter!"
- Ach, zwei Meter, ja? Den kennen Sie?
- Sehen Sie, zu dem in den Gottesdienst musste ich immer. Meine Eltern, Sie verstehen?“
„Nein…“
„Ich musste eben. Jeden Tag in die Kirche! Aus mir sollte eine Nonne werden. Da war ich auch immer fromm! Und sonntags zusätzlich nachr Messer in die Christenlehre. (Sie wiederholt sich; immer im Ohr prockelnd!) Und in die Frühmesse am Werktag. Messdiener konnte ich ja leider nicht werden. Hab ich früher immer gedacht. Jeden Sonntag um halb zwölf! Und als junge Frau dann erst. Stillgestanden, ihr schwachen Geister! Und Weihnachten drei Messen! Das war wie nix! Auch wenn wir uns auf Weihnachtsgeschenke freuten. Egal. Dreimal Singsang! Und alles in Wohlgefallen und Weihrauch. – Da ließ sich der Pastor nach der ersten Messe vertreten. Er musste noch in irgendeine Bauernschaft. Zum Festmahl. Rindsbouillon und Braten vom Lamm."
Noch einmal streichelt sie, in aller Ruhe, ihr Ohr.
"Und wie streng der Propst war! Schon knapp ein Jahr nach meiner Heirat, da fragte mich doch der Propst in der Beichte was Privates: 'Ist denn schon was Kleines unterwegs?' Und beim nächsten Mal, da wurde er noch neugieriger: 'Mädchen, bist du noch nicht gesegneten Leibes.'"
Sie war spürbar ruhiger geworden. Ihr Ohr ließ sie jetzt in Ruhe. Sie neigte den Kopf zu der neben ihr Sitzenden.
"Da fragte der mich doch im Beichtstuhl: 'Warum ist denn da noch nichts Kleines unterwegs? Wie macht ihr das denn? Macht dein Mann denn das da auch richtig. Im Ehebett? Das Gott im Paradies schon geadelt hat! Mit Fruchtbarkeit! Oder verhütet der da?’ - Du, und ich wusste doch nie, was Verhütung war. Ich hatte nix und kannte da nix von! Und Hanselmann - der sagte mir auch nix! Da bleiben die Weiber am ehesten handzahm.“
„Und kuschelig!“
„Und frau hat dann die Bauschmerzen!“
„Auch ohne PMS-“
„Wassen dat?“
„Prämenstruelles Syndrom. - So was erfinden die Pillenverschreiber.“
„Komm, wir schleichen uns davon! So gut - kann ich mich nicht mit dem Arzt unterhalten.“
„Ich glaub, wir brauchen diese Ärzte nicht. - Hab ich mir schon oft gedacht! Und dann schlich ich immer wieder zum Onkel Doktor!“
„Und dann gab’s Tabletten vom lieben Doktorchen.“
„Und mein Mann wieder bester Laune. Schaltet den Fernseher. Trank sich dreieinhalb Fläschchen. Und dann, wenn er mich ins Bett locken wollte: ‘Siehste, is ja allet gut!"
"Stimmt ja: bist krank! Gott sei’s geklagt! Nerven! Scheiße. Haben ja alle Frauen. Sie stinken einmal im Monat. - äh, mein Männe!“
„Und dann prockeln und torkeln sie einem wieder in der Scheide rum! Zehneinhalbmal rein und raus. Und das kannst du dich wieder abwischen.“
„Du bist aber drastisch.“
„Gehst dir besser?“
„Jaja, und so weiter!“
„Los! Ab! - Ich schlag vor: Ins Café Diabola.“
„Wo issendat?“
„Bei den Weibern.“
„Den Verrückten am Eck?“
„Odda willze lieba zum Pastoa?“
Sie kuckt scheel.
„Ne, der prockelt auch nur rum in deinem -“ ( - hier da! Siehstet?) Danke! Der würde mich noch - na, Schwamm drüber. Sind ja auch nur arme Wichs-"
"Meinst du - äh - Wichser? Musse dem abba mal sagen. – Sonst weiß der dat nich. – Wie dat so untenrum is. – Könnte der doch auchma drüber predigen. Wie Maria mittem Kind dat gekriecht hat. Datt se kein zweites kriegen konnte."
Auf "mittelalterlich" gemachter
Weihnachtsmarkt auf dem Klostergut Graefenthal in Asperden bei Goch. Foto: Thorsten Lindekamp / WAZ FotoPool - Graefenthal ins Mittelalter | WAZ.de - Lesen Sie hier mehr.
Vor der Tür zur Behandlung
"Frau Dr. Mai, kommen Sie bitte durch."
Dort, vor den zwei Türen, die zu den Behandlungszimmern führten, saß sie wieder neben der Frau, die ihr schon im Wartezimmer aufgefallen war. Auch jetzt fummelte sie so nervös am Ohr herum. Von der Seite aus beobachtete Frau Werner die ältere Dame. Sie ist elegant gekleidet, fast modisch. Sie trägt ein schwarzes Kleid, beinahe ein kleines Schwarzes, so schick wirkt es; vielleicht ein wenig zu kostbar für diese Umgebung hier im Wartezimmer, mit einem weißen, großen Kragen, der sich glatt um den gefältelten Hals legt. Und groß schaut der raus.
Wieder prockelte sie im rechten Ohr, neigte den Kopf, schüttelte ihn hin und her. Dann nahm sie eine Illustrierte, schlug sie auf und versuchte zu lesen. Doch nach wenigen Sekunden ging das Spielchen wieder los. Sie ließ die Lektüre wieder fallen, fuhr mit dem Zeigefinger der rechten Hand in den Gehörgang, rührte darin herum, schüttelte wohl den Kopf.
Hanne Mai wird’s nervös. Wegsetzen kann sie sich nicht. Da wagt sie es, die neben ihr sitzende Dame anzusprechen: "Haben Sie auch so Ohrgeräusche, so einen Tinntus - oder wie heißt das?"
Frizzi Lange: "Ach, ja, da kann man verrückt werden. Das zischt und tutet und pustet und sirrt da im Kopp herum."
Maichen: "Das ist - mein Gott - das ist wohl eine arge Plage im Kopf. Ich will sie zu den biblischen Plagen rechnen. Luther soll ja auch so ein teuflisches Ohr gehabt haben. Das hat er sich auch nicht ausgerissen. Es half ihm, an den Teufel zu glauben."
Die kurze Lange: "Ach und wie! Das hab ich schon seit acht Jahren. Manchmal kann ich es mit Schmerzmitteln etwas beruhigen. So Aspirin oder mehr. Jetzt habe ich von einer Freundin gehört, dass es ein Mittel gibt, das ist eine Psychotablette. Aber das ist mir egal. Das soll helfen. Was hilft, hat Recht.
Eine Pause, wie lange? Egal!
„Hörn Sie!“ – Sie muss husten.
„Aber gleich muss sich noch über den Weihnachtsmarkt. Ich will da meine gestrickten Handschuhe verkaufen. Das soll mir da einer abnehmen. Ich geb’s ihm auch umsonst.“
„Und wegen Ihrer Tabletten?“
„Ja, da muss ich doch meinen Doktor fragen, warum er mir das noch nicht verschrieben hat."
„Aber! Wie machen Sie das mit dem Weihnachts-“
„Och mit dem Weihnachtsmann? Da gibt es in der dritten Gasse eine Bude, mit einem kleinen Vorraum. So eine Wackeltür.“ (Sie prockelt sich das Wort wie aus dem Ohr. Flupsig.) „Dann kommt man zum Weihnachtsmann. Der hat dort eine kleine Herde von Schafen. Kleine, wollig frohwüchsige Tierchen. Welche Rasse? – Nö, weiß ich nicht.“
Sie macht eine kleine Pause. Sie reibt sich ihre knorpeligen Ohrmuscheln. Zieht am Läppchen. Wackelt mit dem Kopp. Alles klar?
"Schon als Sechzehnjährige, da - nachdem ich die Schule verlassen hatte - sehen Sie da drüben das Gymnasium - da bin ich nach der Mittleren Reife abgegangen - nach meinem ersten Tanzschulball, am Tag danach, habe ich schon ein Brummen im Ohr gehabt. Das ist dann jahrelang weggewesen. Fällt ‚m irgendwann auf, nich?" Sie lacht und greift nach dem Arm der neben ihr Sitzenden. Schüttelt ihn kräftig.
Vom Lautsprecher her ein Krächzen: "Frau Schwuwu, Sie können rein zum Doktor."
"Ach, Mädchen, nehmen Sie mal jemand anders vor. Da - da sitzt so ein Leidender! Ich unterhalte mich grade ein bisschen so schön. - Aber seit ich alleine sitze, so den ganzen Tag, da lärmt es mir im Ohr. Da stehe ich manchmal auf und tanze im Zimmer herum zu lauter Musik. Das wirkt dann für kurze Zeit. Oder ich geh' auf den Balkon. Sehen Sie das, ja? Da draußen. Kennen Sie sich hier aus in der City? Da ist ja das Gymnasium, das Haus mit dem riesigen Dach da im Schnee. Dann ist das da die Alte Kirche. Ja, da, den Helm auf der Spitze können Sie gut sehen.“
„Sie meinen das Kreuz?“
„Ja, dann auch der Martinshelm! Links vor dem kleinen Museum, da wohne ich. Wo da der Schnee auf dem Dach weggeschmolzen ist. Als Mädchen, wissen Sie, da war noch der alte Propst im Pfarrhaus. Der hat lange regiert. Und der herrschte mal so eben, von Kanzel und vom Katheter aus. Der fuhr so gerne auf seinem Fahrrad herum. Ein großer, stolzer Mann! Aus altem westfälischem Geschlecht. Eine Recke von fast 20 Meter!"
- Ach, zwei Meter, ja? Den kennen Sie?
- Sehen Sie, zu dem in den Gottesdienst musste ich immer. Meine Eltern, Sie verstehen?“
„Nein…“
„Ich musste eben. Jeden Tag in die Kirche! Aus mir sollte eine Nonne werden. Da war ich auch immer fromm! Und sonntags zusätzlich nachr Messer in die Christenlehre. (Sie wiederholt sich; immer im Ohr prockelnd!) Und in die Frühmesse am Werktag. Messdiener konnte ich ja leider nicht werden. Hab ich früher immer gedacht. Jeden Sonntag um halb zwölf! Und als junge Frau dann erst. Stillgestanden, ihr schwachen Geister! Und Weihnachten drei Messen! Das war wie nix! Auch wenn wir uns auf Weihnachtsgeschenke freuten. Egal. Dreimal Singsang! Und alles in Wohlgefallen und Weihrauch. – Da ließ sich der Pastor nach der ersten Messe vertreten. Er musste noch in irgendeine Bauernschaft. Zum Festmahl. Rindsbouillon und Braten vom Lamm."
Noch einmal streichelt sie, in aller Ruhe, ihr Ohr.
"Und wie streng der Propst war! Schon knapp ein Jahr nach meiner Heirat, da fragte mich doch der Propst in der Beichte was Privates: 'Ist denn schon was Kleines unterwegs?' Und beim nächsten Mal, da wurde er noch neugieriger: 'Mädchen, bist du noch nicht gesegneten Leibes.'"
Sie war spürbar ruhiger geworden. Ihr Ohr ließ sie jetzt in Ruhe. Sie neigte den Kopf zu der neben ihr Sitzenden.
"Da fragte der mich doch im Beichtstuhl: 'Warum ist denn da noch nichts Kleines unterwegs? Wie macht ihr das denn? Macht dein Mann denn das da auch richtig. Im Ehebett? Das Gott im Paradies schon geadelt hat! Mit Fruchtbarkeit! Oder verhütet der da?’ - Du, und ich wusste doch nie, was Verhütung war. Ich hatte nix und kannte da nix von! Und Hanselmann - der sagte mir auch nix! Da bleiben die Weiber am ehesten handzahm.“
„Und kuschelig!“
„Und frau hat dann die Bauschmerzen!“
„Auch ohne PMS-“
„Wassen dat?“
„Prämenstruelles Syndrom. - So was erfinden die Pillenverschreiber.“
„Komm, wir schleichen uns davon! So gut - kann ich mich nicht mit dem Arzt unterhalten.“
„Ich glaub, wir brauchen diese Ärzte nicht. - Hab ich mir schon oft gedacht! Und dann schlich ich immer wieder zum Onkel Doktor!“
„Und dann gab’s Tabletten vom lieben Doktorchen.“
„Und mein Mann wieder bester Laune. Schaltet den Fernseher. Trank sich dreieinhalb Fläschchen. Und dann, wenn er mich ins Bett locken wollte: ‘Siehste, is ja allet gut!"
"Stimmt ja: bist krank! Gott sei’s geklagt! Nerven! Scheiße. Haben ja alle Frauen. Sie stinken einmal im Monat. - äh, mein Männe!“
„Und dann prockeln und torkeln sie einem wieder in der Scheide rum! Zehneinhalbmal rein und raus. Und das kannst du dich wieder abwischen.“
„Du bist aber drastisch.“
„Gehst dir besser?“
„Jaja, und so weiter!“
„Los! Ab! - Ich schlag vor: Ins Café Diabola.“
„Wo issendat?“
„Bei den Weibern.“
„Den Verrückten am Eck?“
„Odda willze lieba zum Pastoa?“
Sie kuckt scheel.
„Ne, der prockelt auch nur rum in deinem -“ ( - hier da! Siehstet?) Danke! Der würde mich noch - na, Schwamm drüber. Sind ja auch nur arme Wichs-"
"Meinst du - äh - Wichser? Musse dem abba mal sagen. – Sonst weiß der dat nich. – Wie dat so untenrum is. – Könnte der doch auchma drüber predigen. Wie Maria mittem Kind dat gekriecht hat. Datt se kein zweites kriegen konnte."
Auf "mittelalterlich" gemachter
Weihnachtsmarkt auf dem Klostergut Graefenthal in Asperden bei Goch. Foto: Thorsten Lindekamp / WAZ FotoPool - Graefenthal ins Mittelalter | WAZ.de - Lesen Sie hier mehr.
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