Woran mich der Frei-Tod-Brief der Virginia W o o l f e r-Innert:
https://images.booklooker.de/s/02VMz4/Charlotte-Stieglitz+Gedichte-und-Tageb%C3%BCcher.jpg
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Charlotte Stieglitz: 1834 schreibt eine unglückliche F r a u &Dichterin an ihren Geliebten&Ehegatten; und vollzieht ihren angekündigten
Freitod (vollzogen von
eigener Hand, mit dem Dolch, einem Geschenk von ihrer Hochzeitreise):
An Heinrich Stieglitz
29. Dezember 1834.
Unglücklicher konntest Du nicht werden,
Vielgeliebter! Wohl aber glücklicher im wahrhaften Unglück! In dem
unglücklich sein liegt oft ein wunderbarer Segen, er wird sicher
über Dich kommen!!! Wir litten beide ein Leiden, Du weißt es, wie
ich in mir selber litt; nie komme ein Vorwurf über Dich, Du hast
mich viel geliebt! Es wird besser mit Dir werden, viel besser jetzt,
warum? ich fühle es, ohne Worte dafür zu haben. Wir werden uns
einst wieder begegnen, freier, gelöster! Du aber wirst noch hier
Dich herausleben und mußt Dich noch tüchtig in der Welt
herumtummeln.
Grüße alle, die ich liebte und die mich wieder
liebten! Bis in alle Ewigkeit!
Deine Charlotte.
Zeige Dich nicht schwach, sei ruhig und stark und
groß!
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Wikipedia gibt sich ganz
unbeteiligt-dokumentarisch und unterschlägt den elend-traurigen
Abschiedsbrief:
„Die anfangs
glückliche Ehe von Heinrich und Charlotte wurde zunehmend von einer
chronischen Krankheit getrübt, die mit einer akuten Erkrankung
beider im Herbst 1826 ihren Anfang genommen hatte. Wiederholte Kuren
von Charlotte Stieglitz, ein längerer Urlaub in St.
Petersburg und eine Kur im Bad Kissingen
konnten nichts daran ändern, dass die Krankheit Charlotte Stieglitz’
fortschritt, während das Leiden von Heinrich Stieglitz bald eine
physisch und psychisch lebensbedrohliche Form annahm. In der
Hoffnung, ihn „durch einen furchtbaren Schmerz, einen ungeheuren
Schreck“ aus seiner zunehmenden „Verdumpfung des Geistes“
befreien zu können, nahm Charlotte Stieglitz sich am 29. Dezember
1834 das Leben.
https://de.wikipedia.org/wiki/Charlotte_Stieglitz
– Abruf am 5.12.2022.
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Das Beispiel der
ungenügenden, kompromisslosen Kommunikation der Fr Stieglitz in ihrer
Selbsttötung bringt auch Roger Willemsen;
In den
elaborierten Ausdrucksgebärden der Literatur erkennt man die
verzweifelten Sprechformen der wirklichen Selbstmörder nicht
wieder, und in deren Abschiedsbriefen findet das Unglück zu keiner
kommunikativen Sprache. Also starren wir auf eine unleserliche,
scheinbar destruktive Erregung, die häufig in der Sprache der
Pantomime, in Brüchen und Lücken am deutlichsten an die Oberfläche
tritt. Diese Sprache, die sich durch die Geschichte hindurch in den
authentischen Dokumenten so deutlich gleichbleibt, sie bewahrt den
verborgensten Teil der Kultur des Unglücks, jenen, der sich selber
und in der Schrift zerstört. Bleibt man hier stehen, so wie
Maupassants Diener vor dem Körper seines Herrn, so wird man
zurückhaltend gegenüber Kultur- und Entfremdungstheorien,
gegenüber psychologischen, theologischen, meteorologischen
Erklärungen des Selbstmords; sie' alle werden sekundär vor der
sprachlosen Energie der Hand, die das Messer führt, vor der
Erregung, in der der Selbstmord Gegenwart wird. (S. 15)
In: R.W.s großer
Anthologie: „Der Selbstmord“. München 1989. S. 15/354; zuvor: Der Selbstmord. Briefe, Manifeste, literarische Texte.
Kiepenheuer und Witsch, Köln 1986. - Ja, auch von diesem Buch her, auch mit ungeheueren authenischen Abschiedsbriefen, kann
man R. W.s. Lebenziel ableiten: .„Ich möchte Menschen glücklicher
zurücklassen als ich sie vorgefunden habe.“ (So Roger Willemsen
selbst; in dem Eintrag auf seinem Grab in Hamburg-Ohlsdorf.)
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Frau St.s Brief:
Sicherlich ein romatisches, quasi deliberatives Zeugnis einer
ur&unglücklichen Liebe, von einer Frau, die in ihrer psychischen
Ohnmacht in der Melancholie für ihren Geliebten – vor allem auf
den Mann bezogenen, grenzenlosen Letalität – eine Frau, am Mann
verzweifelt, auf den Mann latent hysterisch bezogenen – an den Mann
gekoppelten, ob echt oder vorgesprochen (weil religiös erzogenen)
Liebe: rettungslos in ihrer dienenden HinGabe; auch in ihren Liedern,
z. B.: „An meinen Heinrich Stieglitz (Gruß zum 22. Februar“.
HinGabe in Gott und dnm
vielgeliebten Partner (in traditioneller cognitiv-emotionaler
VerKleidung und ZuGeHörigkeit): So will Frau ihr Leben&Gedeihen
ihren Tod einÜben und opfern (1834). - Die ausgewiesene
Hoffnung, mit dem Geliebten&Mann im Himmel vereint zu sein, ist
auch in Goethes Werthers Leiden eine kurz vor der
Selbsttötung, der Erschießung, ausgesprochene Erwartung.
Dazu:
Goethe-Memorabilia # 32: Vom H i m m el (in der
klassischen oder romantischen Epoche der deutschen
Literatur):http://stephanus-bullin.blogspot.com
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Sigmund Freud (1915): Erst
dieser Sadismus löst uns das Räsel der Selbstmordneigung
Die Person, welche die Gefühlsstörung des
Kranken hervorgerufen, nach welcher sein Kranksein orientiert ist,
ist doch gewöhnlich in der nächsten Umgebung des Kranken zu finden.
So hat die Liebesbesetzung des Melancholischen für sein Objekt ein
zweifaches Schicksal erfahren; sie ist zum Teil auf die
Identifizierung regrediert, zum anderen Teil aber unter dem Einfluß
des Ambivalenzkonflikts auf die ihm nähere Stufe des Sadismus
zurückversetzt worden.
Erst dieser Sadismus löst uns das Rätsel der
Selbstmordneigung, durch welche die Melancholie so interessant und so
– gefährlich wird. Wir haben als den Urzustand, von dem das
Triebleben ausgeht, eine so großartige Selbstliebe des Ichs erkannt,
wir sehen in der Angst, die bei Lebensbedrohung auftritt, einen
so riesigen Betrag der narzißtischen Libido frei werden, daß wir es
nicht erfassen, wie dies Ich seiner Selbstzerstörung zustimmen
könne. Wir wußten zwar längst, daß kein Neurotiker
Selbstmordabsichten verspürt, der solche nicht von einem
Mordimpuls gegen andere auf sich zurückwendet, aber es blieb
unverständlich, durch welches Kräftespiel eine solche Absicht sich
zur Tat durchsetzen kann. Nun lehrt uns die Analyse der Melancholie,
daß das Ich sich nur dann töten kann, wenn es durch die Rückkehr
der Objektbesetzung sich selbst wie ein Objekt behandeln kann, wenn
es die Feindseligkeit gegen sich richten darf, die einem Objekt gilt
und die die ursprüngliche Reaktion des Ichs gegen Objekte der
Außenwelt vertritt.
(Freud, 1916-17g
[1915]: 'Trauer und Melancholie'. S. 438. – GW Bd. 10. S.
428-446.)
Diese
'Sadismus'-Theorie vertritt auch Donald Campbell (in: Stichwort
Suizidalität. - Blatt 20. November. In: Tobias Nolte und Kai
Rugenstein. 365 x Freud. Stgt. 2022; o. N.)
Die Neigung, dann gar Vollzug der Selbsttötung als sinnlosen Akt des Sadismus' in den von Stieglitzt und (ein Jahrhundert später) Woolf im prätendierten Sinne der Liebe als AufOpferung mit angekündigter Aufklärung esrklärt sich für mich nicht * + * und lässt mich ratlos.
Stefan Zweigs Freitod 1942 (mit seiner Frau vollzogen, in seinem Haus in Petropolis/B.) ist mir verständlicher und besser zu erklären, weil realer, reeller und empathischer in seinen Bedingungen und seiner Zielsetzung mit dem Ausblick und dem Vertrauen in die Morgenröte ... der Geschichte (aus einer femininen GeschichsBeTrachtung ... einer utopischen ... - Im Falle des Ehepaars Zweig ist nicht ein Sadrsmus der UrGrund des Selbsttötung gegeben, sondern eine besondere <wohl seltenen> Form des masoschistischen U t o p i s m u s ... * +
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Meine Argumentation als Intentin der Analse geht nicht dahin, einen offenkndigen B i l a n z - Freitod abzustreiten ...; aber er - vom AnSatz, von der DurchFührung her - müsste selbstBewusst, kongnitiv selbstStändig < trotz der unterschiedlichen Belastung(en) in Emotionen> und einDeutig nur für sich selbst sprechen - in EiGenverAntwortung, nicht bezogen sein auf einen Partner, einen Geliebten (als Opferung, GeSchenk, als Gegenleistung, alsErSatzHandlung - - Wer die hier erwähnten S u i z i d e einschätzen kann - bitte sehr; das s o l l t e jede/jeder für sich selbsten <auch im Hinblick auf ihren/seinen eigenen Suizid (wann auch immer nötig/ob-final-zu-treffen/oder nicht ...) bedenken, benennen, bekennen ... Recte faciendo neminem timeas. - Recte facti fecisse merces. * +
* ...