Sonntag, 10. März 2024

K r e u z e s - Fragen in der Erzählung von Wolfdietrich Schnurre: "Eine schwierige Reparatur"

  




Nein, ein solch frommes Kreuz, gesteckt-verdeckt in eines Lammes Fülle, ist dieses Schnuresche Kreuz, in einer Berliner Kirche nicht: Es hat Holzwurmbefall >> und soll gerettet werden:


 L i  t  e - r a r i  s c h e s    

 S t i c h w o r  t   G o t t

K r e u z e s - Fragen



Und Wolfdietrich Schnurres Geschichte Eine schwierige Reparatur - eine elegant humorvolle Story zu einem - unter Christen - schwierigen Thema: der Kreuzes Realität und der Kreuzes Symbolik.

Bruno und sein Vater Otto sind in Schnurres Familien- und Zeiterzählungen ein prototypisches Paar, sie sind ohne Frau und Mutter, ohne feste Arbeit, ohne landläufige Attitüden. In der Kurzgeschichte "Eine schwierige Reparatur" befinden sich in einer katholischen Kirche, im Berlin der Zwischenkriegszeit. Ein junger Pfarrer hat den handwerklich geschickten "Vater" zu einer Begutachtung eines zu renovierenden Kreuzes gebeten:

(Mein Vater) riß ein Streichholz an und trat dicht unter das Kreuz und hielt das Streichholz dem Jesus an die übereinander genagelten Füße.

Ich zog den Kopf ein und duckte mich zwischen die Bänke. Ob aus Holz oder nicht, die flackernde Streich­holzflamme hatte auf einmal jede Sehne, jede Tuchfalte des Jesus lebendig gemacht. Vater blies ihm auf die Zehen. Eine dichte gelbe Staubwolke stieg auf ...

»Natürlich«, sagte Vater hustend, und es war deutlich zu merken, er hatte sein naturwissenschaftliches Gleich­gewicht wiedergefunden, »da sind Holzwürmer drin. Paß auf«, sagte er unangenehm aufgekratzt, »ich kann zaubern.«

Er pochte dem Jesus mit dem gekrümmten Zeigefinger gegen das Schienbein. Im selben Augenblick hörte das Klopfen in seinem Brustkasten auf

»Na -?« fragte Vater frohlockend.

Ich wollte gerade anstandshalber sagen: „Phantastisch“, da flammte in der ganzen Kirche Elektrischlicht auf, und jemand kam leise pfeifend den Mittelgang runter. Ungehalten drehten wir uns um.

Ein blasser schlechtrasierter junger Mann in einem lan­gen schwarzen Rock trat auf uns zu.

»Hallo«, sagte er und schüttelte uns die Hand, »schön, daß ihr doch noch gekommen seid.«

Vater murmelte was, das nach 'gerade in der Nähe zu tun gehabt' klang, und steckte überstürzt die Streich­holzschachtel wieder ein, die er unter dem Jesus auf den Tisch gelegt hatte.

»Ich sehe«, sagte der junge Mann lächelnd, »daß Sie sich mit dem Objekt schon vertraut gemacht haben.«

»Mit welchem Objekt«, fragte Vater befremdet.

»Na, mit ihm hier, unserm Sorgenknaben.« Der jun­ge Mann schlug dem Jesus dröhnend gegen die Hüfte.

Ich zuckte zusammen.

»Ich habe festgestellt«, sagte Vater und richtete sich etwas auf, »daß diese Jesusfigur Holzwürmer hat; wenn Sie das meinen.«

»Ausgezeichnet«, sagte der junge Mann und rieb sich an seinem speckig glänzenden Rock das Holzwurmmehl ab von der Hand. »Dann hat Ihre Frau Mutter also nicht zuviel gesagt.«


Vater sagte mühsam, die Verbindung zwischen Groß­mutter und den Holzwürmern leuchtete ihm ohne Hil­festellung nicht ein.

»Sie meinte«, sagte der junge Mann, »daß Sie sich als Präparator nicht nur aufs Vertilgen von Motten, son­dern auch auf die Bekämpfung von Holzwürmern ver­stehen.«

Vater sah irgendwie enttäuscht aus, ich konnte es mir erst gar nicht erklären.

»Das ist alles?«

Das Lächeln im Gesicht des jungen Mannes verschwand. »Wie man es nimmt, Herr Doktor.«

»Ich bin kein Doktor«, sagte Vater.

»Aber du siehst so aus«, sagte ich schnell.

Der Junge Mann nickte. »Ich habe jedenfalls vor Natur­wissenschaftlern oft mehr Respekt als vor manchem Amtskollegen.«

Das mußte man ihm lassen, er verstand, Vater zu neh­men.

Der räusperte sich. »Zum Thema, Herr Pfarrer.«

»Es ist das«, sagte der junge Mann, den Vater unbegreif­licherweise mit »Pfarrer« titulierte, »das sich Ihnen als Präparator ebenso wie mir als Theologen stellt: die Vergänglichkeit.«

Vater holte tief Luft. »Ich bekämpfe sie. Sie leugnen sie.«

»Überwinden heißt nicht leugnen«, sagte der junge Mann lächelnd. »Im übrigen macht die Natur das ja auch. Sie kommt um den Tod nicht herum. Aber sie verwandelt ihn wieder in Leben.«

Vater dachte angestrengt nach. »Ich verbessere mich: Ich versuche, als Präparator dem Leben ein Denkmal zu setzen.«

»Mit der Darstellung dieses Jesus hier«, sagte der junge Mann, »wird nichts andres bezweckt.«

Wir sahen alle drei zu ihm rauf Mir war auf einmal schrecklich traurig zumut.

»Er stirbt, nicht wahr?«

Ja«, sagte der junge Mann. »In fünf Minuten ist er tot. Diese fünf Minuten hören allerdings seit 1647 nicht auf Da hat man ihn nämlich geschnitzt.«

Der Holzwurm klopfte wieder.

»Es klingt wie Leben«, sagte Vater. »Dabei machen ihn die Biester kaputt.«

Der junge Mann nickte. »Genau das ist das Pro­blem.«

»Und warum nehmen Sie keinen Restaurator?«

»Ein Restaurator«, sagte der junge Mann, »sieht die Figur. Mir war an jemand gelegen, der erkennt, was sie darstellen soll.«

»Hm«, machte Vater.

Hier folgt nun die praktische Lösung eines theologischen Problems, das auch heute noch nicht als Frage, geschweige denn als notwendige Klärung diskutiert werden darf: Der junge Pfarrer genehmigt eine auffallende Lösung der kunsttheoretischen und religiösen Fragen:

Fortsetzung und Abschluß der Reparatur und Neukonzeption eines kreuzmäßigen Signatur: Der Pastor fragt den Restaurator:

»Ob Sie dann wohl noch so nett sind, mir zu helfen, ihn wieder dranzukriegen, Herr Doktor?«

Vaters Blick ging durch mich hindurch. Der Jesus, den er am Oberarm hielt, schwankte ein bißchen.

»Ich fürchte, Herr Pfarrer, da muß ich passen.« Ich hielt den Atem an.

Der Pfarrer nahm eine der großen, frischgeölten Schrauben vom Tisch und wog sie unschlüssig in d, Hand.

»Sie meinen, daß die die Figur kaputtmachen könnten?«

Vaters Blick kam aus dem Wesenlosen zurück. »Gott, die Löcher sind nun mal drin.«

»Dann verstehe ich Sie nicht ganz«, sagte der Pfarrer.

Vaters Blick streifte meine geschwollene Backe, glitt dem Jesus über den Rücken und verschwand im Mützenschirmschatten.

»Sie haben meinem Sohn klargemacht, dieser Jesus hier stirbt. Ich würde daher jetzt ganz gerne glaubwürdig bleiben.«

Ich atmete aus.

Der Pfarrer lauschte einen Augenblick abwesend auf den gedämpften Autolärm draußen. »Sie dürfen bitte nur nicht vergessen, das Kreuz ist auch das Zeichen des Lebens.«

Ich war sehr verblüfft.

Vater gar nicht so sehr. »Akzeptiert.«

Er nahm den Jesus auf und lehnte ihn vorsichtig gegen die Wand. »Nur, dann sollte man vielleicht nicht gerade einen Sterbenden festschrauben dran.«

Er kam zum Tisch zurück und fing an, sein Arbeitszeug einzupacken.

»Logisch gesehn«, sagte der Pfarrer und sah konzen­triert auf seine verstaubten Schuhspitzen runter, »lo­gisch gesehn, haben Sie recht.«

Vater hielt blinzelnd ein Fläschchen ans Licht und prüfte den Stand der Flüssigkeit drin. »Ich glaube, auch im Glauben ist Logik.«

Überrascht hob der Pfarrer wieder den Kopf »Was für ein schöner Satz.«

»Aber ich bitte Sie«, sagte Vater und ließ das Aktentaschenschloß zuschnappen.

"Was würden Sie denn vorschlagen?" fragte der Pfarrer. "Tja -" Vater blickte angestrengt in die Kirchenkuppel hinauf, wo ein bärtiger älterer Herr einen jungen Mann mit dem Zeigefinger antippte. "Da muß ich erst mal den Jungen was fragen."

Ich schneuzte mich rasch, weil einem so was noch immer die unbefangenste Note verlieh; denn Vater kam jetzt rüber zu mir, und er sollte doch auch meine ge­schwollene Backe nicht sehen.

»Was meinst du«, fragte er und blieb dicht vor mir stehen. »Ob man Kurt und Theo bewegen kann, eine Kirche zu betreten?«

»Aus welchem Anlaß«, fragte ich und tupfte an meiner Nase herum. »Damit sie sich bessern oder aus prakti­schen Gründen?«

»Entschieden letzteres«, sagte Vater.

»Es müßte was bei rausspringen«, sagte ich, »dann wäre es denkbar.«

»Ausgezeichnet.« Vater rieb sich erleichtert die Hände. »Genauso sehe ich es auch. Übrigens, bei Nasenbluten sollte man den Kopf nicht nach vorn hängen lassen, sondern nach hinten beugen.« Er ging zu dem Pfarrer zurück.

Ich starrte das Taschentuch an. Es war leidlich weiß gewesen. jetzt erinnerte es an eine kommunistische Fahne.

"Es wäre eine Art Kompromiß", sagte Vater und lehnte sich gegen den Tisch.

Der Pfarrer entschuldigte sich. "Am besten, du streckst dich einen Augenblick lang."

"Geht schon wieder", sagte ich.

Vater räusperte sich. »Ich würde Ihnen also zwei unse­rer Freunde herschicken.«

Der Pfarrer sah immer noch rüber zu mir. »Fein«, sagte er.

Ein Glücksfall“, verbesserte Vater gereizt. »Denn wenn sie auch beide arbeitslos sind, so hatten sie doch recht respektable Berufe.«

Der Pfarrer murmelte, das glaubte er Vater aufs Wort.

Kurt“, sagte Vater betont, „hat das Maurerhandwerk erlernt. Theo ist Tischler gewesen.“

Der Pfarrer nahm sich zusammen. „Und was haben die beiden, wenn Sie mir die Frage erlauben, mit Ihrem Vorschlag zu tun?“

Zunächst“, sagte Vater, „möcht ich Sie bitten, ihnen das Geld zu geben, das Sie mir zahlen wollten.“

Ich hustete heftig. Doch es war schon zu spät.

Ganz wie Sie wollen“, sagte der Pfarrer. "Und was darf ich ihnen bestellen?“

Danke, nichts“, sagte Vater, »die beiden werden voll informiert sein.“

Der Pfarrer rieb sich die Schläfen. „Jetzt bin ich wirklich gespannt, was Sie meinen.“

Folgendes“, sagte Vater. Er hob ein wenig das Kinn, um unter dem tiefsitzenden Mützenschirm hervor besser zu dem Jesus rüberblicken zu können. „Theo, der Tischler, wird ihm zwei Armstützen und eine Fußstütze bauen. Kurt, der Maurer, wird sie in die Wand einlassen. Dann schwebt er in Zukunft, statt wie bisher immer zu hängen.“

Der Pfarrer versuchte ein paarmal, sich die Hände am Rock abzuwischen, von den Schrauben war ihm wohl ein bißchen Öl dran haften geblieben.

Ein einleuchtender Vorschlag“, sagte er heiser.

(W. Sch.: Als Vater sich den Bart abnahm. S. 111- 114)

*


Tatsächlich, ein verblüffendes Endes des Kreuzes mit dem Kreuz. Sie ist schlichtweg und glaubensmäßig eine Sensation, auch fünfundzwanzig Jahre nach ihrem Entstehen. In unserer gegenwärtigen Christenzeit allerdings, in der die Folgen des Bundesverfassungsgerichtsurteil zum „Schulkreuz“ noch nicht verwunden, werden wir noch lange warten müssen, bis ein entideologisierter, ein friedlich und freundlicher, ein sozialpsychologisch lebensfähiger Umgang - eine wahre Kommunikation mit dem Kreuz, eine Verlebendigung -, die dem Anspruch der aktiven und passiven Religionsfreiheit verdient, sich noch entwickeln muß.

Die Geschichte wurde zuerst 1976 veröffentlicht. Frau Martina Schnurre berichtet über die ebenso erzählerisch und theologisch aufregende wie wirkungsgeschichtlich schwierige Novelle. Ein ansonsten durchaus berühmter Verleger, Herr Schifferli, im Arche Verlag, wagte es nicht, diese Story zu drucken.

(Vgl. Marina Schnurres „Nachwort“ zu: W. Sch.: Als Vater sich den Bart abnahm. [Berlin gewidmet]. Erzählungen. Berlin 1995: Berlin Verlag. S. 195 – 201)

*  >>

...  was Wolfdietrich Schnurre einmal wie folgt für die Kurzgeschichte 

proklamierte: dass sie "im Bestfall ein Stück herausgerissenes Leben ist. Anfang und Ende sind ihr gleichgültig; was sie zu sagen hat, sagt sie mit jeder Zeile. Ihre Sprache ist einfach, aber nie banal. Ihre Stärke liegt im Weglassen, ihr Kunstgriff ist die Untertreibung."


Josef Beuys, Kleve-Tiergartenstraße - bei der Arbeit an einem großen Friedhofs-Kreuz. <Fofto: Getlinger, Kleve>


Samstag, 9. März 2024

Was Greifbares. zu/von S c h n u r r e, Wolfdietrich

 


Gestatten: Schnurre:


Help, äh: Hilfe. Hülfe. Sendschreiben an Philologen:

Wolfdietrich Schnurre im "Baubudenpoet 5/1960":

Ich kann diesen Text nicht finden. Warum? Paul Celan hat ihn gelesen und fand ihn als „Infamie“; warum, wieso, weshalb: weil er vor [also: drucktechnisch!] dem Text von der veritablen Infamie von Claire Goll im „Baubudenpoeten“ abgedruckt war; sonst nix, inhaltlich/intentional, äh, nur formal: zu finden; B. Wiedemann gibt hier diese Information „zur Infamie“, ohne den Text zu drücken. - (Paul Celan. Die Goll-Affäre. Dokumente zu einer 'Infamie'. Von Barbara Wiedemann. Ffm. 2000. S. 515)

>> Ansonsten, anderwärts: zu W. Sch.: https://link.springer.com/chapter/10.1007/978-3-476-03720-6_360

Oder, so, ZEITlich: https://www.zeit.de/kultur/literatur/2010-08/wolfdietrich-schnurre/komplettansicht

Yeah, ja: Er fand sich, SELBSTEN: "Und täglich", heißt es im Schattenfotograf , "als erstes diese Notizen, die mir wichtiger als alles andere sind. Denn hier finde ich, was ich bisher vergeblich gesucht habe: mich".

  • Jep, der „Schattenfotgraf“; ein Buch, heute schon nicht mehr #greifbar': “buch-technisch“! O, doch, der Piper Verlag erinnert sich Schnurres: https://www.piper.de/autoren/wolfdietrich-schnurre-10000353

  •  Besonders eindrucksvoll ist die Geschichte Ein Held der neuen Zeit , in der die Gleichschaltung an einem Gymnasium geschildert wird. Die Lehrer, fast alle überzeugte Demokraten, scheitern bereits am Hitlergruß, den die Nazis vorgeschrieben hatten. Und der einzige, der sich weigert, mit "deutschem Gruß" jeden Morgen den Klassenraum zu betreten, tut dies, wie sich am Ende herausstellt, nicht als Akt des Widerstands, sondern weil es das Rheuma in seinem rechten Arm nicht zulässt.- So

    Trotzdem suche ich den Text Ein Held der neuen Zeit: so ZEITlich: Als es im Dichter bröckelte. Von Fokke Joel: https://www.zeit.de/kultur/literatur/2010-08/wolfdietrich-schnurre

So seht er mir vor dem Gesicht, fasslich, freundlich, ob im Kopf und in den Händen druck-resistent (auch in der Schule, ob in Freundschaften nachdrücklich erfasst):


"Fabelnd denken."
                                                                                       Foto. Siehe: ZEIT-Artikel.

Weil mein PC diesen Schnurre nicht wergssen hat:

 Interpretation im Gymsnsium (vor 1965):

Völlig unvorbereitet: Thema, Gottseidank mit Alternative


Völlig unvorbereitet mußten die Obertertianer folgendes Deutschthema, gestellt von Mr. Cornelius F. (St.i.K,) absolvieren:


* Interpretieren Sie die Gedichte „Der glückliche Bauer“ von Matthias Claudius und „Bauernlied 1945“ von Kuba!

>> Sie (die unvorbereiteten Schüler...; ohne *in] kannten Claudius nicht; sie wussten nichts von Kuba, den DDR- Kurt Bartel-holt-den-Most-vom-Väterchen-Stalin. Sie wussten nicht vom Kommunismus; außer den mit allen Vorurteilen, den man nicht kannte/kennen durfte.)


A. kaute lange an diesem Thema herum, weil er gerne die Lyrik-Aufgabe bewältigen wollte. Aber das beliebt-knallharte Politschema von Westlich-Humanistischem (so fühlte, mußte die Lösung laufen) und Ost-Kommunistisches zu übertragen auf einige Zeilen gewundener Sprache - da scheute er sich.


    Schließlich musste er ausweichen auf die Interpretation zu

    Wolfdietrich Schnurres Kurzgeschichte „Blau mit goldenen Streifen“. Eine verflucht gute Geschichte im Berliner Milieu - mit einem Mann, der nach dem Tod seiner Frau – vulgo: Er hat sie schlichtweg simpel ermordet, ein Femizid; ja, sie liegt noch unter dem Bett versteckt, gut verpackt; von dort her entstehen seine Probleme: Er holte einen Tapeziermeister, der ein bisschen angeekelt vom Geruch in der Wohnung die Arbeit aufnimmt... - Hej,, aber wie geht den die Geschichte aus; zu Ende: äh: Finis! [Das weiss er nicht mehr...]

***

Aber vergessen hat er diesen Slang nie: Quatsch, wie dir der Schnabel gewachsen ist;wie man es niemals kennen lernt (ob in der Banalität, oder in der Literatur; Schnurre ist einmalig in seinem Gemisch von Moral/Dialekt/Unverstand/psychologischem Tricks …

Yeah: Natürlich weiss ich: Die Geschichte steht in dem Sammelband: Die Rechnung, die nicht aufgeht. (Oder, in Anthologien 'Deutscher Kurzgeschichten')

Später hat er sie wieder gelesen; Sie ist nicht die beste aller Geschichten, die Schnurre geschrieben hat; aber ein schön-dreiste: Über einen Mord, der nicht aufgeklärt worden wäre – wenn nicht ein Tapezierer, also ein Anstreicher, der auch die Wohnungen tapeziert – nicht gekommen wäre:

»Ich las diese Geschichten mit Bewunderung. Schnurre ist ohne Zweifel einer der besten deutschen Kurzgeschichtenschreiber; seine Geschichten sind von europäischem Rang, ebenbürtig auch den berühmten amerikanischen short-story-tellers, einem Faulkner oder Hemingway.« (Hermann Kesten) 


* *
Nee, Lavendel? Den gab es nicht im Schlafzimmer, unterm Bett ...


Freitag, 8. März 2024

Vom "Internationalen Frauen-Alltag; padon: - "Fr a u e n - T a g"

 

Ach: Frauentag: Äh: Internationaler Frauentag; hupsig- äh: hurtig-häufig vertreten in den KirchenfunkSendungen unser (ach: auch: männ-/weib-/kindlich/divers), fast immer von Frauen gesprochen:

               < Harm Bengen: Aus: Recklinghäuser Zeitung. 08.03.2024


Im SWR: zehnmal, mehr als zwanzigmal: Wollen sie es genaue wissen; bie: zehnmal angezeigt: https://www.kirche-im-swr.de/beitraege/?search=Internationaler+Frauentag&date=&author=0&year=0


Mal, mütterlich, mal theoretisch, mal weit-übergreifend. Mal philosophisch. Mal übernetzend-soziologisch: kirchlich-bestimmend ...:


Und so:Weil Du ein Mädchen bist

von Nadine Maier, Esslingen, Katholische Kirche

Das ist so ungerecht!“ Meine kleine Tochter hat ihre Arme in die Seiten gestemmt und stampft mit dem Fuß auf. „Die haben gesagt, ich kann nicht bei der Detektivbande mitspielen, weil ich ein Mädchen bin. Das ist doch total gemein!“

Ich nehme sie in den Arm und versuche sie zu trösten – und bin dabei selbst sauer. Ich erinnere mich nämlich gut an dieses Gefühl – und leider weiß ich auch, dass meine Tochter in ihrem Leben noch oft hören wird: "Das kannst Du nicht, weil Du ein Mädchen bist." 
Später wird es nicht mehr so direkt sein, sondern versteckter. Ich denke an all die schlechten Witze und abwertenden Bemerkungen, die ich schon gehört habe. An die Rollenklischees, wie ich als Mädchen und Frau sein soll. Und an die vielen Situationen, in denen mir in der katholischen Kirche gesagt wurde: "Das kannst Du nicht, weil Du kein Mann bist."

Heute ist Weltfrauentag. Den gibt es nicht ohne Grund – Frauen müssen seit Jahrhunderten für ihre Rechte kämpfen. Vieles, was für uns heute selbstverständlich ist, haben Frauen vor uns und für uns erstritten. Zum Beispiel dürfen Frauen erst seit 50 Jahren in Deutschland ohne Zustimmung ihres Mannes arbeiten und ihr eigenes Geld verwalten. Noch heute kämpfen Frauen für gleiche Bezahlung, faire Arbeitsbedingungen und dafür, dass sie dieselben Chancen haben, wenn es um Führungspositionen geht.

Umso gefährlicher ist es, dass rechte Parteien an Einfluss gewinnen, die mühsam erkämpfte Fortschritte rückgängig machen wollen. Traditionelle Rollenbilder werden dann gerne auch mal mit biblischen Zitaten begründet. Dabei wird allerdings vergessen: die Erzählungen der Bibel stammen aus einer Zeit und Gesellschaft, in der Männer das Sagen hatten. Umso bemerkenswerter sind die vielen starken Frauen, die schon damals entscheidende Rollen in der Bibel gespielt haben. Sie waren Prophetinnen, Richterinnen, Kämpferinnen, Anführerinnen, sie waren erste Zeuginnen der Auferstehung, Mütter und Freundinnen.

Und deshalb möchte ich meiner Tochter, mir selbst und allen Frauen sagen: Wenn Frauen schon vor 2000 Jahren all das und noch viel mehr sein konnten, sollten wir uns heute von niemandem mehr erzählen lassen, dass wir irgendetwas nicht können, weil wir Mädchen oder Frauen sind.

>>> https://www.kirche-im-swr.de/beitraege/?id=39463

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Soso: „intersektional“ - bewerkstelligt. Organisiert. Mitbeteiligt:

Das Entscheidende ist, dass Intersektionalität nicht nur die weiße mittelständische Frau ins Zentrum stellt, sondern sich in Erinnerung ruft, dass es ganz unterschiedliche Biografien von Frauen gibt.

Autorin: sagt Alena Höfer. Als Theologin arbeitet in der Evangelischen Kirche von Westfalen und beschäftigt sich mit intersektionalem Feminismus. Mit diesem sensiblen Blick schaut sie auch auf biblische Figuren. Zum Beispiel Rahab. In einer Geschichte hilft Rahab israelischen Kundschaftern, aus der Stadt Jericho zu fliehen. Sie ist eine Fremde. Und eine Prostituierte.

O-Ton: … An dieser Biografie sehen wir, dass sie von unterschiedlichen Diskriminierungsformen gleichzeitig betroffen gewesen sein muss, z.B. von Rassismus bzw. Fremdenfeindlichkeit, von Klassismus, weil sie eine Prostituierte war und damit unten in der Gesellschaft gestanden hat, und eben auch, weil sie eine Frau war.

Autorin: Rahab muss damals eine große Bedeutung gehabt haben, denn sie kommt sogar im Stammbaum von Jesus vor. Ungewöhnlich, weil biblische Stammbäume sonst nur männliche Namen nennen. Ungewöhnlich auch, weil Rahab als Fremde und Prostituierte eine Frau am Rand der Gesellschaft gewesen sein muss.

O-Ton: Rahab zu betrachten, bedeutet für mich heute, unterschiedliche Menschen in den Blick zu nehmen und sich immer wieder darauf zu besinnen: Es gibt nicht nur meine Realität, sondern es gibt daneben noch viele andere Realitäten, christlich sein heißt eben, diesen Plural ernst zu nehmen.

Autorin: So Alena Höfer. Heute, am internationalen Frauentag, will ich genau diesen Plural wahrnehmen. Denn die Gleichberechtigung von Frauen kann nur funktionieren, wenn man auch gegen Rassismus, Sexismus, Klassismus und andere Diskriminierungen kämpft. In diesem Sinne: Einen fröhlichen intersektionalen Frauentag!

Weitere Informationen:

8. März: Internationaler Frauentag | Hintergrund aktuell | bpb.de

https://www.kirche-im-wdr.de/startseite?tx_krrprogram_pi1%5Bformatstation%5D=2&tx_krrprogram_pi1%5Bprogramuid%5D=97676&cHash=50ed33672bca54422fc809554e61d032

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Bernhard Holl. DLF: Der heutige Internationale Frauentag ist kein kirchlicher Feiertag.

Das überrascht jetzt bestimmt niemanden. Schließlich ist die katholische Kirche nicht gerade als Frauenrechts-Organisation bekannt. Aber tatsächlich ist das Anliegen des Welt-Frauen-Tages eben auch in der Kirche heute viel präsenter als zu anderen Zeiten. Und das zeigt sich nicht nur in Diskussionsrunden und Reformpapieren.

Wenn man auf einen Blick wissen will, was aktuell in der katholischen Kirche los ist, dann schaut man sich am besten die Verehrung der Heiligen an: Wer wird in besonders hohen Ehren gehalten? Und was genau findet man an denjenigen bewundernswert? Welche Gedenktage werden besonders feierlich begangen, und welche eher übersehen? Über wen gibt es neue Bücher und Biographien? Und nach wem werden neu gegründete Pfarreien und Einrichtungen benannt? Das sagt schon eine Menge darüber aus, was dem Kirchenvolk gerade wichtig ist, und welche Sorgen, Wünsche und Ideale vorherrschen.

So ist es kein Zufall, dass die heilige Junia gerade erst wiederentdeckt wurde. Dort, wo Paulus sie im Römerbrief erwähnt, hatte man lange Zeit den männlichen Namen Junias gelesen – die grammatische Form im Griechischen lässt theoretisch beide Interpretationen zu. Nur konnte man sich eine Frau, die zu den Aposteln gezählt wird, bis vor kurzem nur schwer vorstellen. Heute sieht das nicht nur die kritische Forschung anders. Auch die offizielle katholische Einheits-Übersetzung spricht in der neuesten Auflage ganz selbstverständlich von der weiblichen Junia.

Spannend finde ich auch, wie sich im Laufe der Zeit das Bild mancher Heiliger komplett verändert hat. Frauen wie Katharina von Siena, Theresa von Avila, Hildegard von Bingen oder Elisabeth von Thüringen waren schon immer populäre Heilige. Aber noch im 20. Jahrhundert hoben fromme Biographien vor allem Tugenden wie Demut hervor, Keuschheit, Dienstbereitschaft, Gehorsam, Selbstaufopferung und Bedürfnislosigkeit. Heute sehen wir in denselben Heiligen viel mehr starke Frauen, brillante Denkerinnen und oft charismatische Organisatorinnen und Anführerinnen. Klar, es ist ja nicht ausgeschlossen, dass gerade eine Heilige gleichzeitig bescheiden und selbstsicher sein kann, pflichtbewusst und unbeugsam. Aber der Unterschied in der Betonung ist schon sehr deutlich.

Sicher gibt es auch in alle Richtungen fromme Übertreibungen, Auslassungen und Wunschdenken. Aber das ist nicht das Problem. Das Leben der historischen Heiligen war schon immer auch eine Projektionsfläche für die Ideale der Gegenwart. Und das ist in Ordnung so. Schwierig wird es nur, wenn die vielen verschiedenen Biographien alle einem einzigen Typus angeglichen werden. Denn das Schöne an der christlichen Heiligenverehrung ist doch gerade, dass sie so vielfältig ist – eben auch, was Frauen angeht. Da gibt es Heilige aus allen Völkern und Weltteilen, Königinnen und Sklavinnen, Ordensfrauen und Mütter, Wissenschaftlerinnen und Arbeiterinnen, kontemplative Beterinnen und zupackende Heilige der Nächstenliebe, jugendliche Märtyrinnen und hochbetagte Glaubens-Zeuginnen.

Gerade für mich als Mann wäre es jetzt vermessen, zu behaupten, die Vielfalt wäre auf jeden Fall schon groß genug und an Vorbildern für die kommenden Generationen wäre schon alles dabei. Manche Facetten davon, wie ein gottgefälliges Leben als Frau aussehen kann, fehlen wirklich noch im großen Heiligen-Kalender der Kirche. Aber warum sollten sie in Zukunft nicht noch dazu kommen? Die heiligen Frauen, deren Auftrag und Bedeutung für die Gemeinschaft der Gläubigen denen von Päpsten und Bischöfen gleichkommt; und die vielleicht eines Tages diese Ämter auch ganz offiziell bekleiden werden.

>>> https://fernsehen.katholisch.de/katholische-horfunkarbeit/morgenandacht-deutschlandfunk/morgenandacht-08032024


>>> Diese sechs Fehlstellungen menschlicher Charaktere in ihrer Dramatik bestehen auch für männliche Priesters: „Aber noch im 20. Jahrhundert hoben fromme Biographien vor allem Tugenden wie Demut hervor, Keuschheit, Dienstbereitschaft, Gehorsam, Selbstaufopferung und Bedürfnislosigkeit.“ - Dass solche charakterliche Diskrepanzen immer, nach christlichen Be- und Verschwörungsmythen, die die Jahrhunderte – theoretisch und praktisch - bestimmt und  A u f k l  ä r u n g  sabotiert haben; garantiert im Wirtschaftlich--Konservativen: eine Verschwiegenheit bei Erbrechten und Immobilien, Sakramenten und Gnaden - aber auch bei anthropologischen Fragen und Beurteilungen, bei srikt un-ganzheitlichen Bestimmung von Männlein und weiblichen (ebenso bei diversen Geschöpfen) bestraft: alles „Unnormale“ wird aus-geschwiegen, aus-gesondert, ver-sündigt; alles was und wer die Hintergründe beleuchten  will   - Basta - Äh: 

 A m e n !


 



 Eine AlpenDohle, über dem Lötschental; im Himmelsblau. Unbefrachtet vom Menschlichen: ob männl&weibl.





Donnerstag, 7. März 2024

Träumereien - Oder: Was alles im H i m m e l passieren kaaaaaaaaaann!



 Nochmals .... t r ä  m e n. {künstlerisch} - Wenn man vom 'K N I E' reden tut.

Vorab: nochmals ein schönes Stück 'Traum':

 "Im Nebel ruhet noch die Welt,

 Noch träumen Wald und Wiesen."                                                                     (Eduard  MörikeSeptembermorgen.


Ein Traumstückchen, wenn jemand in den Himmel kommt, an den er nicht glaubt:

# # - Ein katholischer Priester, ein evangelischer Pastor und ein jüdischer
Rabbi wohnen nebeneinander in einer Strasse. Eines Tages hat
der katholische ein funkelnagelneues Auto vor der Tür stehen.
"Donnerwetter", denkt sich der evangelische, "das kann ich auch",
und hat am nächsten Tag auch einen neuen Wagen vor der Tür.
Der Rabbi sieht's und hat ebenfalls tags drauf ein neues Auto.
Am nächsten Wochenende sieht der evangelische Pastor, wie der
katholische mit einem Eimer Wasser zu seinem Auto geht und ihn
drübergiesst. "Klar", denkt er sich, "muss sein: Taufe!"
Also geht auch er mit einem Eimer Wasser zu seinem Auto und giesst ihn drüber.
Nachdem der Rabbi das alles gesehen hat, denkt er kurz nach, holt eine Eisensäge, geht zu seinem Auto und sägt die Ausstülpung vom Auspuff ab...

 URL: http://www.cyber-tango.com/jokes/jokes_j.html#juedisch

# # #: Zwei Männer sitzen in einer Bar. Da sagt der eine zum Anderen: "Soll ich einen Judenwitz erzählen?"

Darauf erwidert der Andere: "Nein, bitte nicht. Mein Großvater ist in einem Konzentrationslager gestorben."

"Oh, das tut mir schrecklich Leid! Wurde er vergast?"

"Nein, er ist betrunken vom Wachturm gefallen!"

"Wie? Was? - Das hat ein  Historiker aufgezeichnet?"

"Nee - ein Jude geträumt, als er hinunterfiel." 

>>>

 Wie kommt ein J u d e in den Himmel...? - Wie kommt ein Jude in den Himmel? - - Wie kommt ein Jude in den Himmel?

Äh: yeah: Indem er dreimal anklopft??

ÄH: Viermall: Wie kommt ein Jude in den Himmel?

Äh: yeah: Indem er viermal minus einmal anklopft?? - A b e r  nicht im Jesuanischen Himmel -

Ein religionsgeschichtlicher Abriss zur Eschatologie im Judentum - Vortrag von Dr. Mordechai Lewy  Ein religionsgeschichtlicher Abriss zur Eschatologie im Judentum - Vortrag von Dr. Mordechai Lewy 

https://buchhandlung-boettger.de/site/index.php/component/content/article/8-veranstaltungen/910-dienstag-04-06-2024-20-uhr


Mittwoch, 6. März 2024

Kirchlich belegt: Ein Lehrstück von Jorge Luis B o r g e s

 

>Plastik: Edna Brüx. [Symbol-Bild]

Männer-Erlebnisse >

 

K i r c h e n f u n k - Beiträge ##


N o l l , Bernhard | DLF 05. März 2024, 06:35 Uhr

Ausgedructk hier:

https://fernsehen.katholisch.de/Portals/0/Hoerfunkarbeit/PDFs/E_Manuskript_MA_2024_03_05-Holl.pdf?ver=2024-03-03-050946-277

[…] Die Erzählung vom Geheimen Wunder schlägt dazu eine ungewohnte Möglichkeit vor: Hier macht Gottes Handeln einen riesigen Unterschied, und für eine einzige Person ist das auch vollkommen unbezweifelbar. Jaromirs Herzenswunsch geht in Erfüllung. Er kann das eine große Werk vollenden, an dem ihm so viel liegt. Er darf in der Gewissheit sterben, dass seine Mühen, ja, dass sein ganzes Leben nicht vergeblich war. Aber niemand, wirklich niemand sonst ahnt davon auch nur das Geringste – nicht die Soldaten, die ihn ermorden, und genauso wenig die Freunde, die um ihn trauern. Gerade als gläubiger Christ kann ich mit dieser Sicht der Dinge gut leben. Gott lässt sich nicht so leicht in die Karten schauen. Es wird ganz oft nicht offensichtlich sein, wie er die Leidenden tröstet und den Unterdrückten Gerechtigkeit verschafft. Wir werden nie mit mathematischer Sicherheit beweisen können: hier hat er gehandelt und dort nicht. Aber wir dürfen ihm alles zutrauen.



https://www.deutschlandfunk.de/das-geheime-wunder-dlf-a4222687-100.html

Erzähler. Noll: Das geheime Wunder:

Jaromir Hladik, Autor der unvollendeten Tragödie Die Feinde, einer Ehrenrettung der Ewigkeit und einer Untersuchung der indirekten jüdischen Quellen bei Jakob Böhme, träumte in der Nacht des 14. März 1939 in einer Wohnung in der Zeltnergasse in Prag von einer großen Schachpartie. [...] Es war früher Morgen; die Panzervorhut des Dritten Reichs rückte in Prag ein.

Am neunzehnten ging bei den Behörden eine Denunziation ein; am gleichen neunzehnten wurde Jaromir Hladik verhaftet. Man schaffte ihn in eine aseptisch saubere, weiß gekalkte Kaserne am anderen Ufer der Moldau. Er konnte keine einzige Anschuldigung der Gestapo widerlegen; der Familienname seiner Mutter war Jaroslawski, er war jüdischen Blutes, seine Untersuchung über Böhme war angejudet, seine Unterschrift verzögerte die Schlussredaktion einer Liste von Proteststimmen für den Anschluss. 1928 hatte er das Sepher Ye tzira für den Verlag Hermann Barsdorf übersetzt; der überschwengliche Prospekt dieses Hauses hatte aus Geschäftsgründen den Namen des Übersetzers in den Himmel gehoben. Diesen Prospekt hatte Julius Rothe, einer der Gestapoführer in dessen Händen Hladiks Schicksal lag, durchgeblättert. Es gibt keinen Menschen, der nicht außerhalb seines Spezialgebietes leichtgläubig ist; zwei oder drei Adjektive in gotischen Lettern genügten, um Julius Rothe von Hladiks Bedeutung zu überzeugen - er befahl, ihn zum Tode zu verurteilen, "pour encourager les autres". Die Hinrichtung wurde auf den neunundzwanzigsten März, neun Uhr morgens, festgesetzt.[...]

Er kleidete sich an; zwei Soldaten betraten die Zelle und befahlen ihm, ihnen zu folgen.
Jenseits der Tür hatte Hladik sich ein Labyrinth von Galerien, Treppen und Seitengängen vorgestellt. Die Wirklichkeit war nicht so reich; sie stiegen über eine einzige Eisentreppe in einen Hinterhof hinab. Mehrere Soldaten - einer in einem aufgeknöpften Uniformrock - untersuchten ein Motorrad und diskutierten darüber. Der Sergeant sah auf die Uhr: Es war acht Uhr vierundvierzig. Es hieß warten, bis es neun schlug. Hladik setzte sich, mehr unbedeutend als unglücklich, auf einen Holzstoß. Er bemerkte, dass die Augen der Soldaten seinen auswichen. Um ihm das Warten zu erleichtern, streckte der Sergeant ihm eine Zigarette hin. Hladik rauchte nicht; aus Höflichkeit oder Demut nahm er sie. Als er sie anzündete, merkte er, dass seine Hände zitterten. Der Tag bewölkte sich; die Soldaten sprachen gedämpft, als sei er schon tot. Vergeblich versuchte er, sich an die Frau zu erinnern, deren Symbol Julia von Weidenau war ...
Das Pikett1 formierte sich, richtete sich aus. Hladik erwartete aufrecht vor der Wand die Salve. Jemand äußerte Besorgnis, die Wand könnte Blutspritzer abbekommen; da befahl man dem Delinquenten, ein paar Schritte vorzutreten. Absurderweise musste Hladik an die langwierigen Vorbereitungen beim Fotografen denken. Ein schwerer Regentropfen streifte Hladiks Schläfe und rollte langsam seine Wange herab. Der Sergeant schrie den Schussbefehl.
Das physische Universum blieb stehen.
Die Gewehre waren auf Hladik gerichtet, aber die Männer, die ihn töten sollten, waren unbeweglich. Der Arm des Sergeanten verewigte eine unabgeschlossene Gebärde. Auf eine Fliese des Hofs warf eine Biene einen festen Schatten. Wie auf einem Bild hatte der Wind zu wehen aufgehört. Hladik versuchte einen Schrei, eine Silbe, die Drehung einer Hand. Er begriff, dass er gelähmt war. Kein noch so schwacher Laut erreichte ihn mehr aus der lahm gelegten Welt. Er dachte: Ich bin in der Hölle, ich bin tot. Er dachte: Ich bin wahnsinnig. Er dachte: Die Zeit ist stehen geblieben. Dann überlegte er, dass in diesem Fall ja auch sein Denken mit stehen geblieben wäre. Er wollte die Probe machen: ohne die Lippen zu bewegen, sagte er sich die geheimnisvolle vierte Ekloge von Vergil2 vor. Er meinte, die schon fern gerückten Soldaten müssten sein Angstgefühl teilen; es drängte ihn, sich mit ihnen ins Benehmen zu setzen. Es erstaunte ihn, dass er keinerlei Ermüdung empfand, nicht einmal ein Schwindelgefühl durch das lange unbewegliche Stehen. Nach einer unbestimmten Zeit schlief er ein. Als er aufwachte, war die Welt noch immer unbeweglich und taub. Auf seiner Wange dauerte der Wassertropfen, im Hof der Schatten der Biene; der Rauch der Zigarette, die er fortgeworfen hatte, kam nicht dazu sich zu verflüchtigen. Es verging ein weiterer Tag, bevor Hladik begriff.
Ein volles Jahr hatte er von Gott erbeten, um sein Werk zu beenden; ein Jahr gewährte ihm seine Allmacht. Gott vollbrachte für ihn ein geheimes Wunder: das Blei der Deutschen würde ihn zur bestimmten Stunde töten, aber in seinem Geist würde ein Jahr vergehen zwischen dem Befehl zum Feuern und der Ausführung des Befehls. Von der Bestürzung ging er zu fassungslosem Staunen, von dem Staunen zur Ergebung, von der Ergebung zur Dankbarkeit über.
Er verfügte über kein schriftliches Zeugnis außer seinem Gedächtnis. Das Abwägen jeden Hexameters3 , den er hinzufügte, nötigte ihn zu einer vorteilhaften Strenge, von der jene nichts ahnen, die vorläufige und verwaschene Sätze aufs Geratewohl hinsudeln und vergessen. Er arbeitete nicht für die Nachwelt, nicht einmal für Gott, über dessen literarische Lieblingskost er wenig wusste. Peinlich genau, unbeweglich, geheim spann er in der Zeit ein hohes unsichtbares Labyrinth. Zweimal überarbeitete er den dritten Akt. Er tilgte das eine oder andere allzu deutliche Symbol: die wiederkehrenden Glockenschläge, die Musik. Kein Einzelumstand machte ihm zu schaffen. Er ließ fort, kürzte, erweiterte; in einem Fall kam er auf die erste Fassung zurück. Er gewann schließlich den Hof, die Kaserne lieb; eines der Gesichter ihm gegenüber änderte seine Auffassung vom Charakter Roemerstadts. Er entdeckte, dass die grellen Missklänge, die Flaubert4 so erschreckten, bloßer Augenaberglaube sind: Schwächen und Beschwerden des geschriebenen, nicht des klingenden Wortes... Er beendete sein Drama: nur die Frage eines einzigen Beiwortes galt es noch zu lösen. Er fand es: der Wassertropfen rollte über seine Wange herab. Er stieß einen Schrei aus, wandte sein Gesicht, die vierfache Salve warf ihn nieder.
Jaromir Hladik starb am neunundzwanzigsten März, um neun Uhr zwei Minuten.

(aus: Jorge Luis Borges, Sämtliche Erzählugen. Aus dem Spanischen überragen von Karl August Horst sowie von Eva Hessel und Wolfgang Luchting, München 1970: Carl Hanser Verlag, S. 243 - 250)

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Jorge Luis Borges; 1899- 1986; argentinischer Schriftsteller; Gegner des Peronismus; verlor mit 39 Jahren nach Unfall teilweise das Augenlicht; seit Ende der 50 er Jahre gänzlich erblindet

Worterklärungen:

1Pikett: Vorposten, Kompanie, Bereitschaft
2Vergil: röm. Dichter, 70 v. Chr. - 19 v. Chr.; beeinflusst mit seinem Werk »Äeneis« nachhaltig die europäische Epik
3Hexameter: Vers bestehend aus 6 Versfüßen (meist Daktylen)
4Flaubert: Gustave Flaubert, frz. Schriftsteller 1821-1880; Klassiker des frz. Romans

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Mir kommt das 'komisch' vor [beim Zuhören/Lesen]; was Borges beschreibt, ist das letale Einfrieren, bei der Erschießung, das Still-Werden - wie es auch anderwärts beschrieben wird, auch von J. L. B.: Er hat keine Heiligenlegenden geschrieben. - Es herrscht eine Erschöpfung des lebendig-irdischen Individuums vor, ohne Rang von etwas Jenseitigen.

Vgl. folgende Zitate zum Stil von J.L.B..:

"Wir werden alle Augenblicke unseres Lebens wiedererlangen und sie kombinieren, wie es uns gefällt. Gott und unsere Freunde und Shakespeare werden unsere Mitarbeiter sein." - Die Zeit und J.W. Dunne, 1940, aus: Borges, Eine neue Widerlegung der Zeit, Frankfurt am Main 2003

  • "Ich habe mir das Paradies immer als eine Art Bibliothek vorgestellt." - Blindheit, in: Die letzte Reise des Odysseus, Fischer-TB, 2. Aufl. 2001, Übers. Gisbert Haefs, S. 18 ("Siempre imaginé que el Paraíso sería algún tipo de biblioteca.")

  • "Im Unterschied zu den Nordamerikanern und fast allen Europäern identifiziert sich der Argentinier nicht mit dem Staat." - Unser armer Individualismus, in: Inquisitionen, Fischer-TB 1992, Übers. Gisbert Haefs, S. 43

  • "Lesen ist Denken mit fremdem Gehirn." - zitiert in: Borges, J.L. und Osvaldo Ferrari: Lesen ist Denken mit fremdem Gehirn - Gespräche über Bücher & Borges, Arche 1990, Übers. Gisbert Haefs, S.84. Paraphrase eines Ausspruchs von Schopenhauer: "LESEN heißt mit einem fremden Kopfe, statt des eigenen, denken." Parerga und Paralipomena II, HaffmansTaschenBuch 1991, S.438 - Vgl. die Angaben bei Wiki: https://de.wikiquote.org/wiki/Jorge_Luis_Borges

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Ich glaube, man kann den Stil und Intentionen des Dichters J. L. Borges realistisch verstehen, im konzentrierten Sinne der Wahrnehmung und des Denkens - auch im überzeitlichen Sinne des GeDenkens - verstehen. 


In diesem schönen Laden, der in RE-Hillerheide besteht, erlebe ich, an den Stofftierchen, die auch von Kindern erlebt und textlich erarbeitet werden können - dass man sie <lebendig> werden lassen kann; solange man sie benennt und versprachlicht. >> Nicht anders hat Borges die Welt erlebt: ohne sie zu sakralisieren: MAGISCH ja, aber nicht theologisch.

Dienstag, 5. März 2024

Vom K ä f e r - dem r o t e n, ollen/alten S p i e l[?]- z e u g k ä f e r!

 


Hej – der schönster, roter, toller Traum meines Frühjahrs 2024:


Ja, ich hate shcon ausgeschlafen, um halber Drei; dann habe ich mich beschäftigt wie es meinrm Alter entspricht; ein bisschen Selbsterkenntnis, ein bin ich bisserlchen Selbstbefriedigung [wie es so noch geh'n tut]; irgenwann war ich bis ich eingeschlafen. 

Und sah ich [äh: mir/mich(ß)] mir ein Extravorstellung ablaufen: knallig, bunt, farbig: Gespielt von/mit den Playmobil-Männchen/Mädchen/Greisinnen/Alterchen [kenn'n Sie?]: https://www.youtube.com/watch?v=UKUZtsWcIaQ - oder nicht Wedekind, sondern: Kafka: https://www.youtube.com/watch?v=wipzxqzDclA

Ich bin eingeschlafen, als ich das Welt-Theater sah'n tat.

Ergo: Kafka-Vorstellung. Die Verwandlung:

 (In zwölf Bildern. Mit dreizehn Figuren; so etwa!)

Obwohl ich dachte, das ist langweilig; schon war ich elektrisiert: Das stimmte was nicht:

Da lief was anderes ab:

es, da war der Käfer. Aber warum ist er rot; ja, es ist ein roter Käfer: ein großer-kleiner VW-Käfer, der dort aus dem Beettu-, äh: Betttuch strampelt: Bin ich das, der Käfer, wie wir einen hatten, den ollen alten, mit dem kleinen Heckfenster: ohne die charmante Deckenluke.

>> Ja, es war ein Theatererlebnis: Katharsis .. war angesagt!

Yeah. ABER-donnerdrummell: Was ich da geträumt habe - ES ist wahrlich/wahrhaftig/wirklich ge-sche-hen -- und zwar vor meinen Augen: - die es dann aber vergessen haben. Nur meine Suche, wahrhaft/wahrhaftig/real - per Explorer-Suche -- haben es getoppt: Es war geschehen - und ES war wieder vergessen worden: bis ich es er-kennen tun wollen/wissen sollte. Du bist erkannt: du Käfer, du Es, du dreckige Wanze >> verherrrrrrrrrrlicht im himmlischen Rot meines Käfers - den ich vor vierzig Jahren  zu Schrott fuhr >> der mir wieder be-geg-nete. 

                                                                                         Mystery Fanfare: Cartoon of the Day: Kafka - Freud sei Gnade! -

Äh, aber, also: ergo: Coito interruptu in red car, what namend cafer [scarabaeus. rubrus].