Donnerstag, 22. September 2016

Erinnerung an Bölls "Ansichten eines Clowns"







  ( - Montage: Aton Reyntjes - )

https://youtu.be/AX2S8kCDt48

 

E r b a r m e n ... mit einem Autor der Liebe!

Brief … an Papst Franziskus:

Diesen Brief möchte ich nach Rom, in den Vatikan senden – und auf den bedeutendsten Roman von Heinrich Böll aufmerksam zu machen, der auch mehr als 50 Jahre nach seinem Erscheinen ein bedeutsames Leseerlebnis sein kann. Insbesondere in den Tagen der global sprechenden Bischofssynode.

Heinrich Böll schreibt im Jahre 1963 auf mehreren Ebenen, geprägt von seiner Barmherzigkeit:
  • auf der sozialen Ebne der Nachkriegszeit,
  • und vieler volkssprachlicher, ja auch märchenhafter Elemente.
  • auf der ethischen Grundlage eines Ur-Christentums.
Ich bitte den Heilgen Vater, diesen Roman zu lesen oder lesen zu lassen – oder um auf Heinrich Bölls Anliegen des sog. Rheinischen Katholizismus aufmerksam zu machen, deren Liebespaar Hans und Marie die beispielhafte Intention eines Liebespaares der 60er Jahre vertreten: … gescheitert vor mehr als eine Generation – an Lieblosigkeiten in Familie und Geistlichkeit.

Böll gibt dem Roman ein Motto: „Die werden es sehen, denen von Ihm noch nichts verkündet ward, und die verstehen, die noch nichts vernommen haben.“
Böll zitiert hier nach Jesaja 52,15 (AT) und Römer 15,21 (NT). In der Einheitsübersetzung der Bibel lautet der Text des Römerbriefs: »Sehen werden die, denen nichts über ihn verkündet wurde, / und die werden verstehen, die nichts gehört haben.« (Heilige Schrift. Stuttgart 1980.) Das Motto ist, wie Böll in seinem Nachwort zum Roman von 1985 ausdrücklich bemerkt, als »Schlüssel« zu verstehen. Jesaja, der judäische Prophet, spricht in diesem Bibelwort von der Bekehrung der Ungläubigen, der »Heiden«. »Jesaias wie Paulus werten die 'Heiden' (die heute gerne blank und ehrlich „Völker“ genannt werden) gegenüber der Geringschätzung, mit der sie zu ihrer Zeit betrachtet wurden, bewußt auf.“ (In der Neuausgabe des Romans. Köln 1985 (oder in der KA. Bd. 13. 2004), S. 411)

So wie Böll im Jahre 1963 den Bruder Papst Johannes XXIII. im Roman zitierte – so könnte er heute den Barmherzigen Papst Franciscus zitieren ... mit jedem Wort aus seinem Munde …
Die Botschaft an die Hirten, in „Amoris Laetitia“ (2016;): „Daher darf ein Hirte sich nicht damit zufrieden geben, gegenüber denen, die in 'irregulären' Situationen leben, nur moralische Gesetze anzuwenden, als seien es Felsblöcke, die man auf das Leben von Menschen wirft. ...“ Oder:
„Einer pastoralen Zugehensweise entsprechend ist es Aufgabe der Kirche, jenen, die nur zivil verheiratet oder geschieden und wieder verheiratet sind oder einfach so zusammenleben, die göttliche Pädagogik der Gnade in ihrem Leben offen zu legen und ihnen zu helfen, für sich die Fülle des göttlichen Planes zu erreichen, was mit der Kraft des Heiligen Geistes immer möglich ist.“ (* 297. In: „Amoris Laetititae“. Buchausgabe. 2016, S. 248)
*
An solchen Sätzen hätte Böll in seinem Stil - lat. stilus – mit seiner Schreibhand sicherlich Korrekturen vorgenommen: „Irreguläre Situationen“ … - für ihn war sein gesamtes Personal real und wahrhaftig; er war persönlich für die Figuren in Freud und Leid verantwortlich. „Amor sit ...“ - Böll hätte sicherlich das „Miserando atque Eligendo“ („durch Erbarmen erwählt“) des Papstes Franciscus auch für seine humane Poesie beanspruchen können.
Böll 1959: „Schreiben wollte ich immer, versuchte es schon früh, fand aber die Worte erst später.“ - Priestern, Bischöfen, Päpsten sind immer alle Worte schon vorweg-gegeben. Franciscus Apostolat der Barmherzigkeit … ist der erste Casus misericordiae clericalis. Böll hätte sich der fraternitas als Nomen femininum, nicht verschließen mögen. Es ziert ein Wahlspruch das Wappen des Papstes: „miserando atque eligendo“ - „durch Erbarmen erwählt“.

Böll leistet auch eine Anknüpfung an die deutsche Märchentradition: „Sternthaler“. Hier stehen die Märchen der Brüder Grimm volkskundlich Pate. Das Märchen heißt in der ersten Fassung „Das arme Mädchen“; spätere Ausgaben tragen die Überschrift „Die Sternthaler“, so dass die Beglückung des Kindes als eine gläubige Erfüllung gesehen werden kann, nicht nur durch die Erscheinungen des Nachthimmels, sondern auch als Gnade und Barmherzigkeit einer höheren Macht. Wir wissen heute, dass zwar der Glaube an solche Erscheinungen wichtig ist, die Erfüllung als Veränderung einer erbärmlichen Not aber durch menschliche Barmherzigkeit bedarf, um seelische und leibliche Nöte zu beheben.
So summiert Böll (S. 418) als Forderung seiner Geliebten die „Diagonale zwischen Gesetz und Barmherzigkeit“:
Wer die persönlichen und intimen Sorgen zwischen der Geliebten Marie und dem Clown Hans Schnier liest und nacherlebt, erfährt nicht nur die katholisch seelsorgerischen Querelen der 60er Jahre im Roman, sondern noch heute die Kerndifferenzen der heutigen Gesandten, die in Rom über die Fragen und Ewigkeiten familiärer Seelsorge beraten wollen, eine Bischofssynode derer, sich sich als Gottes-Künde anmaßen, statt barmherzig-liebesvoller sich den Menschen zu öffnen, um deren Heil zu erfahren. Bölls liebevollem Verständnis für Menschen, ob Laien, ob Priester, sollten sich die RatSchlagenden in der Familiensynode vergewissern. Er, der Autor und Prophet, würde an sie aber auch die Forderung stellen: Verständnis, Vertrauen und Verbot von Dogmen. 


 
Bölls Clown Schnier und sein Bruder begegnen sich (Helmut Griem, im Garten des Konvikts; in Bonn (im Film von Vojtěch Jasný)

Montag, 11. April 2016

Auf Wahrheitssuche im Collegium Aureum

Vorabdruck zu meinem Essay Feuerreiter & Mehr
Auch er  ein Feuerreiter, ein Brandstifter (ein ideeller), ein Wahrheitssucher:


Paul Ingendaay –

er schrieb geistig und sprachlich mutig Warum du mich verlassen hast, den Roman über die eigene internatsgesteuerte VerGangenheit als Gaesdoncker Schüler; er wäre ja zu Wahrheit, Wahrhaftigkeit, Brüderlichkeit etc. verpflichtet gewesen, als homo empathicus: Er erzählt responsaliter in motu <stellvertretend> von dem Schüler Marko Theunissen, 15 J.; er besucht schon seit fünf Jahren ein katholisches Jungeninternat Collegium Aureum, er erfährt, erlebt mit die endzeitlichen Tage des Priesters - und den Suizid des Lehrers, der Bruder Gregor genannt wird.

 

Ja es gab ihn, den Suizidanten, der die geistige Ideenwirrnis, die groteske Geschmacklosigkeit beging, in Hör- und Rufheit, quasi: -weite der Internatler - seiner Jungs - in seiner zweizimmrigen Präfektenherrlichkeit einen dekorativen Suizid zu begehen; und die Internats- und Schulleitung (zwei ehr&würdige Herren, ein Doctor philosophiae, und ein ehrenwerter Direktor – fachlich präsent in Mathematik, Physik und Philosophie -, verbreiteten das Gerücht, nein, die bishcöfliche Wahrheit, der beliebte, berühmte Erzieher, der weise klassisch gebildete ad suicidalem philologisch versierte Lehrer sei einem 'Herzversagen' erlegen1.

                                                           © Reyntjes 2007



So gestaltete man an einer Backsteinwand im Quadrum auf der Gaesdonck ein ehrendes Andenken dem Erzieher Gregor Willing - nach mehr als 30 Jahren, nachdem Paul Ingendaay seinen Internatsroman „Warum du mich verlassen hast“ 2006 veröffentlicht hatte.

Raimund Samson berichtete über den Bruder Gregor1. - Gratulor!
Zu empfehlen:
Leseprobe zur dtv-Ausgabe des Romans! 1

 

Orate! - Colligete et legete!

Dass kirchen-katastrophisch sich nach einer Generation ein momenetum zeigt, sich ein Erinnerungsmal regt und ein Versuch der memoria pflegt - dass ein ex-discipulus sich anschickt und andere darauf aufmerksam macht, dass ein Gedenken fällig sei ... - ein normaler Ablauf für Unsagbar-Wortloses hinter Kirchenmauern.

Hier zeigt sich das Collegium Auguistinianum, kurz Gaesdonck genannt (lieblich umrahmt von der unnachsichtlich-geduldigen niederrheinischen Natur, jedenfalls in der Optik):

 

1 Genaueres erkennt man es auch auf der 'Gedenkseite des Bistums Münster' im 'Direktorium für den 19.05.2013' nicht: http://www.bistum-muenster.de/index.php?cat_id=15206&selected=20130519 – Vgl. auch:' Zum Gedenken an Gregor Willing (Necrolog)'. In: Gaesdoncker Blätter 31,69/70; 1978.

Montag, 16. November 2015

NachRichten zu Mama-Kind-Opa

                                                                  Pyramidales Ferienerlebnis eines Eltern-
                                                                  paares (1994), nachdem die Kinder ihrer 
                                                                  eigenen ferialen Wege gingen...



Schon 1994 entdeckt .. von geldbesoffenen Insinu-, pardon: -stitutionen: Bundespost, UNO, Familien-UnRäten -


Familichkeiten



Das Unsere - die Werte im Westen -




Familie, Liebe, Nation oder schon Europa (bessser: Europäismus) – Güte – Stadt- Kathedralen... - achja, die Christlichkeit - ach: den abendländisch-christlich-jüdischen Komplex.



Ich schaue nach Familiensinnigkeiten:





Baby, Opa, Mama + dem neuen Chef!








Zeichendenker: Matthias Kiefel – viele Cartoons zeugen von seinen FAMILIEN-Interessen.
http://www.kiefel-cartoon.de/




Ich betracht den gezeichneten, sabbernden Dement-Opa-Kopp als Beitrag zum abendländischen Familien-Sozialisationstheorem. Den beste Rückgriff auf die 1. literarisch-wahrhafteFamilienbeschreibung lieferte bisher der aber-kluge Tucholsky:


Die hilfesuchende Kleinfamilie: Mama, Kind – Opa – dass der Vatta noch da sein muss als Zögling, als Pflegling, als Zeugling, als Sozling - ist nicht mehr wichtig, nicht belangreich.



Je mehr das Frauliche selbstständig und erfüllter (d. i. emanzipierter) sein will, desto mehr Hilfe braucht ist.



Ich betracht den Dement-Opa-Baby-Mama-Arbeitsling-Cartoon als Beitrag zu diversen Familien-Sozialisationstheorien.

Er, der Cartoon, ist der beste Rückgriff auf die 1. literarisch-wahrhafteFamilienbeschreibung liefert der aber-kluge Tucholsky:



Wer noch weiter zurückgreifen will auf Familien-Desater-Strukturen, findet sie am prägnantesten in Gottfried Kellers Romeo und Julia auf dem Dorfe – hier in einer Analyse, der Darstellung noch verbessert werden muss, inhaltich ist sie aber okay:




Über den näheren lit-wiss. Zusammenhang hier






Schriftliches!
Ab – zum Lesen, zum Wesen - zu den & zum deutschen WERTEN:





Kurt Tucholsky:
 

DAS ELTERNHAUS
Ich habe Ihnen das Giraffenhaus gezeigt», sagte unser Führer, „und das Raubtierhaus und das Vogelhaus   wir kommen nun zu dem Elternhaus!“
Lärm empfing uns. Wir traten an das erste Gitter.
«Sie sehen hier», sagte der Führer, «die gemeinen Hauseltern (parentes communes domestici). Sie sind weit verbreitet, harmlos und verderben alle ihre Eigenschaften.»

Hinter dem Gitter saßen an einem Tisch Vater und Mutter …

... und rein-heiter-weiter:



http://www.textlog.de/tucholsky-das-elte..(Peter Panter. In: Berliner Tageblatt, 15.03.1919, Nr. 108)

Oh – nach-zu-lesen zu allen Familien in Germanien anno 1919, nach dem vorigen und vor dem nächsten Krieg.
 

Was Tucho und/oder Keller von "Familie" wussten, kann ich gar nicht alles an-, ana- oder verlysieren.



Ad finem, ad familiam:



Oh Graus: FAMILIE – macht Werbung:




Und so trommelt Gottfreid Keller … für Familey, Vaeterland?

Nein!


... als Freischärler, aquarellierte Bleistiftzeichnung von Johannes Ruff, 1845



«Wie eine wohlorganisirte Freischaar ausziehen that». Karikatur von Gottfried Keller als Tambour der Zürcher Freischärler. Die Karikatur nimmt Bezug auf seine Teilnahme an den Freischarenzügen von 1844 und 1855. Aquarell von Johannes Ruff, 1845, 17 x 15,5 cm


Aber, er hätt' genügend Väter in seiner Freischar... - äh, die Väter wurden.


Oh – nach-zu-lesen bei einigen Familien in Seldwyla:

Der Familienstreit auf dem Höhepunkt, auf einer Brücke, die nicht einstürzte (Keller hat ja keinen Kitsch gschrieben, aber alle Wut ob familiam hineingschreibn in dn abendländischen Romeo&Julia-Komplex):


< "Auf dem schmalen Sgeg", Holzschnitt von Ernst Würtenberger, 1919 >



Auf diesen Schweinling, den schreibenden, verweis ich traut- und tunlichst:

Gofid Letterkerl


                                                                   Nachsinnen eines Vaters ob vergangener 
                                                                   Familienferien à la Sommer 1976....

Mittwoch, 4. November 2015

Schreiben des Herrn Baron James de Rothschild





- Hilfe aus dem historischen Off -







Paris 19 Ocbre 1847

Lieber Herr Wulff

Wie Sie es aus dem Berichte, welchen die Französische Regierung ausgestellt hat, werden Sie ersehen haben, wird ein Anlehen von 250 Millionen Franken im Laufe des nächsten Monats zu Stande gebracht. Da Sie, lieber Herr Wulff, in ähnlichen Fällen an großen von unserem Hause mit der Regierung gepflogenen Geschäften Antheil genommen haben, so richte ich gern einige Zeilen an Sie um es Ihnen mitzutheilen daß es unsere Absicht ist, auf dem Geschäfte zu reflektiren. Sollte es Ihnen also angenehm seyn daran auch interessirt zu werden, so bitten wir Ihre Aufträge uns zukommen zu lassen. Sie können versichert seyn, daß Sie als Freund und auf dem günstigsten Fuße von uns behandelt werden.
Unsere Bankcommission beschränken wir auf ½ % des nominal Werths.

Ihrer gefälligen Antwort entgegensehend zeichne Ich, lieber Herr Wulff ganz

Ergebenst

Bn J de Rothschild
- via Heinrich Heine >