- abseits von Goethes Gartenhaus -
I n s c h o l a
Zu
Gast im CentrO
Da
lohnt sich doch ein Jahrgangsstufenausflug: Nach Oberhausen, ins
Schloß, und noch in den Gasometer. Das sind zwei staunenswerte
Punkte. Haben die Mädchen und Jungs miteinander ausgekungelt.
Vorbereitungen auch selber geleistet: eine Mercedes-Rennwagen-Show
und dann die Fernsehaction im Stahlturm des Gasometers: ein
attraktiver "Traum vom Sehen"!
Da wird in der Klasse
abgecheckt, angerufen, durchgerechnet und der Sammelfahrschein
gelöst.
Zwischen
den beiden Stationen des Wandertags: ein ruhiger Fußweg. Und dann ab
ins blinkend opulente CentrO!
Die liebste Kollegin, im Vorübergehen, nach ihrem Blick ins
Vertretungsbuch für den nächsten Tag: "Ein Besuch in den neuen
Konsumtempeln wird wohl annehmbar sein, wenn sich dadurch die
Leutchen beherrschen
lernten."
*
So
ist der Quizkatalog des Deutsch- und Pädagogiklehrers als Ratespiel
(mit Aussiicht auf kleinen Gewinnen) aus:
Zur
Mercedes-Ausstellung im Schloß:
*
Auf welchem Rennwagentyp gewann Mercedes mit dem Fahrer Hermann Lang
1937 den Großen Preis von Tripolis?
*
Aus welchem Jahr stammt der Mercedes im Foyer des Kleinen Schlosses?
Wie heißt der Typ? Stelle fest, mit welcher Bereifung er fuhr!
In
der Fernseh-Ausstellung "Traum vom Sehen" (im Gasometer)
erkunde folgende Fragen für die Ausstellung:
*
Welche Augenfarbe hat Wigold Boning?
*
Wie sieht Hein Blöds Schultasche aus, wie benutzt er sie?
*
Warum benutzte Ende vorigen Jahrhunderts ein Mensch, den der Dichter
Fontane in den Raunschen Bergen des Niederlausitzer Reviers
kennenlernte, nicht gerne Braunkohle zum Verfeuern? (Tip: beschrieben
in seinen "Wanderungen durch die Mark Brandenburg"!)
*
Wegen welchen Artikels geriet Werner Höfer als Gastgeber des
Politischen Frühschoppens 1982 in die Bredouille und trat als
Journalist ab?
*
Wer konstruierte das erste Fernsehen, indem er eine Bildlochkamera
als Aufnahme- und Abspielgerät einsetzte?
*
Laß Dich in dem Blue-Box-Studio mit folgendem Nachrichtentext auf
Band filmen: "An der Mayo-Curry-Gesamtschule präsentierten sich
die Schülersprecher in der letzten Schulkonferenz mit folgendem
Antrag: Beschlossen solle werden: 'Wer von Oberstufenschülern bei
der letzten Bundestagswahl die rot/grüne Koalition zum Sieg
verholfen hat, muß zur Abschreckung zwanzig Mark in die Kasse des
Abiturjahrgangs (für den Abi-Ball) zahlen. Wer nachweisen kann, daß
er die PDS, die die postkommunistische
Partei
für historische
Schulschwänzer
gewählt hat, bekommt fünfzig Mark erstattet. Wer CDU gewählt hat,
soll sich lieber durch einen emotions- und rassismusfreien Beitrag
zur Anti-Ausländerkampagne nicht verraten!" (Weitere satirenahe
Beiträge sind erwünscht!)
Achtung:
Pro Gruppe bitte nur
eine Aufnahme
als Video-Kassette bespielen lassen; der Preis von 10 DM wird von der
Stufenklasse übernommen.
*
Von wem stammt folgende Beurteilung des
rtl-Samstag-Nacht-Stars
Boning: "Der Boning kann stundenlang gebügelte oder parfümierte
oder bestrahlte oder zensierte Scheiße präsentieren, ohne zu einer
sinn- und
humorvollen Aussage zu kommen. Und viele bejubeln es auf Kommando,
und das vorfabrizierte Verlachen gellt tagelang durch die Gehirne der
Kids!"
*
Zwei
Stunden später: Jan, Heiner und Smatty, bürgerlich Swantje,
unterwegs im
CentrO.
Jan-Voran: "Paßt mal auf, was ich hier aufreiße!"
Sie
glauben es zwar nicht, aber Swantje und Heiner bleiben bei Jan. Da
wird es nie langweilig, egal ob im Kursraum oder in einem Kaufhaus.
"Wieviel
Geld hast du, Swantje?" Sie zuckt mit den Schultern.
"Wetten,
daß ich dir in einer halben Stunde ein Tagesbudget, von sagen wir
mal, etwa 30 DM, auslegen kann?
Nach
zehn Minuten gezielten, unauffälligen Suchens, die zwei im Tross,
hat Jan einen weggeworfenen Kassenbon an sich genommen; er zeigt den
Kassendruck: 28
DM.
Dann
weiht er die anderen ein, jedenfalls halb; er selber residiert im
Restaurant bei Milchkaffe und Apfelstrudel und läßt sich vom
Kellner eine Zigarette anzünden.
"Sucht
mal in irgendeiner Abteilung eine Ware, die genau 28 DM kostet!"
Als sie sich nach zehn Minuten wieder treffen, läßt sich Jan
berichten: Zwei Waren sind ausgekundschaftet worden: eine Stoffpuppe,
ein mittelgroßer Hein Blöd mit Warzennase. (Der Käpt'n Blaubär
kostet sieben Mark mehr!)
"Und
eine CD, die als Hit des Sommers und Preisknüller angeboten wird:
für 28 Mark Super-Modern-Talking!" hat Swantje erfahren.
"Okay,
kann losgehen!" Und Jan tigert los. Nach sechs Minuten ist er
wieder da, mit dem Hein Blöd unterm Arm und nimmt seine
Kurskameraden mit zur Umtauschkasse in den zweiten Stock: Hier
bedient Sie Frau .....
"Hier,
diese Puppe! Die hat meine Mutter meinem Bruder zum Geburtstag
gekauft, und ich weiß, daß er den Hein total blöd findet und
lieber eine CD von den Spice Girls oder so hätte. Könnte ich -"
"Gerne,
sofort. Kann ich die Quittung mal sehen? Ja, danke. - Geht in
Ordnung. Ich zahle ihnen den Betrag aus, und Sie können ja, wenn Sie
wollen, in der Musik-Abteilung im 2. Stock was für Ihren Bruder
aussuchen."
"Auf
Wiedersehen, äh, Frau Wagner! Angenehmen Tage noch"
"In
Kleinigkeiten zeigt sich der Meister!" Da ist Jan korrekt!
"Du!"
Swantje hat sich von ihrem Schreck erholt: "Die Kassen haben
doch verschiedene Nummern, je nach den Abteilungen. Hast Du darauf
geachtet!?"
"Was
soll's? - Glück des Tüchtigen!"
Untergehakt
flanieren sie weiter und flachsen.
"Hej,
Swanny, was knispelst du die ganze Zeit schon mit dem Blatt Papier da
in deiner Tasche? - Ach, des Paukers Schleimerchen, das Ratespielchen
mit Fragen wie Sand am Meer. Der will uns doch die Laune am Wandertag
verderben: Und Swanny ist dabei mit dem Eimerchen des Eifers. Gib den
Wisch her! Ich verbrenn's. Basta!"
Und
er zückt das Sturmfeuerzeug im Hosenschritt: Oder - so ... für ein Mädchen: damdit's klappt in ihr: